Europas Politiker streiten um eine Abgabe auf Spekulationsgeschäfte. Die Aussicht auf eine solche Steuer lässt Börsenhändler sich die Haare raufen.
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Europas Politiker streiten um eine Abgabe auf Spekulationsgeschäfte. Die Aussicht auf eine solche Steuer lässt Börsenhändler sich die Haare raufen.
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Das überraschende Einlenken von Kanzlerin Merkel bei der Börsenumsatzsteuer sorgt nicht nur beim Koalitionspartner FDP für Kritik, sondern auch in der eigenen Partei: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier fürchtet um Jobs in Frankfurt.
Mit ihrem überraschenden Vorstoß für eine Finanztransaktionssteuer allein in der Euro-Zone stößt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch in der Union auf Widerstand. „Ich bin von der Idee nicht begeistert“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Union, Michael Fuchs, der Berliner Zeitung. Der CDU-Politiker fürchtet, dass Börsengeschäfte und Arbeitsplätze von Deutschland nach London abwandern werden, wenn Großbritannien nicht mitmache. „Es kann nicht sein, dass wir die Börse in Frankfurt einseitig belasten und dem Finanzplatz Deutschland schaden“, betonte Fuchs.
Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wollte den Kurswechsel der Kanzlerin nicht hinnehmen. „Eine Finanztransaktionssteuer darf nicht zulasten des Finanzplatzes Frankfurt gehen“, betonte Bouffier. Die von Merkel erwogene Einführung allein in der Euro-Zone gefährde Arbeitsplätze in Frankfurt, meinte der Ministerpräsident.
Am Montag hatte Merkel nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die bisherige Regierungsposition geräumt. Erstmals sprach sie sich dafür aus, dass die 17 Euro-Staaten die umstrittene Abgabe auf Spekulationsgeschäfte ausschließlich in der Währungsunion erheben sollten, wenn die britische Regierung sich verweigere. Bisher galt, dass die Steuer nur Sinn macht, wenn sie auch am Finanzplatz erhoben wird.
Offenkundig hat Merkel ihre Kurskorrektur mit Sarkozy abgestimmt, aber nicht mit der eigenen Koalition. Dieser Alleingang der Kanzlerin provozierte vor allem die FDP zu heftiger Kritik - nur Wolfgang Kubicki denkt anders. Aber auch in der Unionsfraktion fällt es vielen schwer, den plötzlichen Schwenk der Chefin mitzuvollziehen. Die Finanzpolitiker bemühten sich in ihren Stellungnahmen, den Ärger über Merkel nicht zu deutlich werden zu lassen. Sie hoben hervor, dass es trotzdem das Ziel bleiben müsse, Großbritannien zum Mitmachen zu bewegen. Auch die EU-Kommission betonte, sie strebe weiter eine Einigung aller 27 EU-Staaten an.
Der Rettungsschirm und die Staatsschulden
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Der Rettungsschirm und die Staatsschulden
Die Ära Berlusconi hat Italien einen Schuldenberg von 1843 Milliarden Euro beschert.
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Frankreich hat Schulden von 1591 Milliarden angehäuft - sind zusammen mit Italien 3434 Milliarden Euro.
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Spanien ist mit 639 Milliarden Euro verschuldet - macht zusammen 4073 Milliarden Euro.
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Die viel gescholtenen Griechen haben Schulden von gerade einmal 329 Milliarden Euro - macht 4402 Milliarden Euro.
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Portugal hat Staatsschulden von 160 Milliarden Euro - macht zusammen 4562 Milliarden Euro.
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Mit dem irischen Schuldenhügel von 148 Milliarden Euro stehen dem 1-Billion-Euro-Rettungsschirm zusammen 4710 Milliarden Euro an Staatsschulden gegenüber.
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Der Euro-Rettungsschirm soll bis zu 1000 Milliarden Euro (1 Billion) stemmen können, wenn die Krisenländer über ihre Schulden stürzen. Wie hoch sind deren Schulden derzeit?
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Brüssel befürchtet Wettbewerbsverzerrung
Kommissionspräsident José Manuel Barroso war lange Zeit als Gegner dieser Abgabe aufgetreten. Auf Druck von Merkel und Sarkozy hatte er die Haltung jedoch im vergangenen Jahr aufgegeben. Seitdem setzt sich Brüssel für diese Finanzsteuer ein. Allerdings beansprucht die Kommission das erhoffte Aufkommen von 57 Milliarden Euro zum Teil für sich. Dies wiederum lehnen Berlin und Paris ab. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kalkuliert in seiner Haushaltsplanung bereits mit Einnahmen von zwei Milliarden Euro für Deutschland.
Nach dem Konzept der Kommission soll die Einführung in allen 27 Staaten Wettbewerbsverzerrungen in der EU verhindern. Um Abwanderungen nach New York oder anderen Handelsplätzen entgegen zu wirken, soll das Wohnortprinzip greifen: Wenn ein Handelspartner in der EU angesiedelt ist, soll von 2014 an die Steuer von 0,1 Prozent auf den Handel mit Aktien und Anleihen fällig werden. Eine Bank mit Sitz in Deutschland könnte so nicht ohne weiteres Transaktionen in steuerfreie Regionen umleiten. Ziel ist, das schnelle Hin und Her vor allem im Hochfrequenzhandel per Computer zu stoppen. Zudem möchte die Kommission, die Verursacher an den Kosten der Finanzkrise beteiligen. Nach ihren Angaben haben die Staaten den Finanzsektor mit 4,6 Billionen Euro unterstützt. Die öffentliche Verschuldung sei durch die Bankenrettungen und den Konjunktureinbruch nach der Lehman-Pleite um mehr als 20 Prozentpunkte (im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung) gestiegen.
Systemrelevant: Die gefährlichsten Banken
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Systemrelevant: Die gefährlichsten Banken
Nahezu fantastische Zahlen können die japanischen Banken vorweisen, obwohl das Land selbst bei der Staatsverschuldung ganz oben mitmischt. Eine Eigenkapitalquote von 78,36 Prozent hat die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ - die Bank Sumitomo Mitsui kann 77,64 Prozent vorweisen.
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Ebenfalls aus Japan kommt Mizuho mit einer Eigenkapitalqote von 77,10 Prozent.
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Die erste amerikanische Bank ist die Bank of New York Mellon - hier eine Filiale in Brüssel. Sie hat eine Eigenkapitalqote von 13,41 Prozent - dabei liegt die Bilanzsumme bei einem Bruchteil von dem, was die Deutsche Bank in ihrer Bilanz ausweist. Kurz auf Mellon folgt mit 11,08 Prozent die State Street.
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Auch die nächsten Kandiaten kommen aus USA: Wells Fargo - die im Logo noch an die Postkutschen-Geldtransfers erinnert - kommt auf 10,17 Prozent...
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...das drittgrößte US-Institut Bank of America kommt auf 10,08 Prozent - und damit über die Quote von neun Prozent, welche die europäische Bankenaufsicht bis Mitte 2012 von den Banken dort fordert.
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Die Citigroup - hierzulande bekannt durch ihren Ableger Citibank - verfügt über 8,66 Prozent Eigenkapitalquote.
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Goldman Sachs hat nur ein Drittel der Bilanzsumme der Deutschen Bank, aber 8,58 Prozent Eigenkapitalquote.
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Den Frankfurtern ist die amerikanische Bank JPMorgan Chase vor allem wegen des Marathons bekannt. Doch die New Yorker Bank läuft den deutschen Banken auch mit 8,32 Prozent Eigenkapitalquote weit davon.
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Die letzte systemrelevante Bank aus den USA ist Morgan Stanley - mit einer Quote von 8,10 Prozent.
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Lange vor der ersten deutschen Bank schaffen es die Italiener auf die Liste der systemrelevanten Banken mit hoher Eigenkapitalquote: Unicredit schafft 7,28 Prozent.
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Doch noch immer keine deutsche Bank - die größte Bank der Euro-Zone ist die spanische Santander Bank. Sie muss bis 2012 ihre Quote von 6,65 Prozent auf neun Prozent steigern.
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Die nächsten auf der Liste sind schon wieder im Ausland: Die Bank of China in Peking hat 6,46 Prozent Quote.
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Obwohl auch die Banken in Großbritannien von der Krise geschüttelt wurden, schafft es die HSBC mit 6,31 Prozent....
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... und selbst die Royal Bank of Scotland mit 5,29 Prozent Eigenkapitalquote noch weit vor die deutschen Banken.
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Die altehrwürdig anmutende englische Lloyds Banking Group kommt auf eine Eigenkapitalquote von 4,73 Prozent.
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Frankreich selbst drohen die Ratingagenturen schon mit Abwertung der Kreditwürdigkeit, aber eine der drei ältesten Banken Frankreichs verfügt bei einer etwas mehr als halb so großen Bilanzsumme wie die der Deutschen Bank über eine Eigenkapitalquote von 4,5 Prozent: Die Société Générale musste dabei sogar jüngst griechische Staatsanleihen im großen Stil abschreiben. Es folgt mit 4,47 Prozent die Credit Agricole.
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Ebenfalls aus Frankreich: BNP Paribas mit 4,29 Prozent.
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Auch die Schweiz hat systemrelevante Banken. Bei der Credit Suisse liegt die Eigenkapitalquote bei 4,38 Prozent, gefolgt von der schwedischen Nordea mit 4,22 Prozent.
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Die britische Barclays Bank hat weniger auf Staatsanleihen als auf Privatkunden gesetzt und hält sich deshalb für weniger gefährdet. Die Quote liegt bei 4,18 Prozent.
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Die Schweizer Bank UBS war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil einer ihrer Londoner Broker heimlich Milliarden verzockte. Sie zählt zu den weltweit größten Vermögensverwaltern und hat eine Eigenkapitalquote von 3,94 Prozent.
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Die Schlusslichter bei der Eigenkapitalquote: Die deutsche Commerzbank könnte nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch zwar erneut Staatshilfen benötigen, und liegt bei der Eigenkapitalquote mit 3,8 Prozent auf dem viertletzten Platz.
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Die niederländische ING Gruppe hat noch 3,76 Prozent.
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Den letzten Platz macht der Deutschen Bank nur ein Institut streitig, das gerade mit Staatshilfe gerettet werden muss. Den vorletzten Platz bekommt die Deutsche Bank mit 2,64 Prozent Eigenkapitalqote.
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Die belgisch-französische Bank Dexia muss auf Hilfen der belgischen Notenbank zurückgreifen. Ihre Eigenkapitalquote liegt bei 1,89 Prozent - ihre Bilanzsumme ist allerdings nur ein Viertel so groß wie die der Deutschen Bank.
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Die G20-Staaten haben 29 Banken als systemrelevant ausgeguckt: Diese Banken könnten bei ihrem Sturz die Welt erschüttern. Deshalb sollen sie das Polster aus Eigenkapital aufstocken, damit nicht der Steuerzahler bei einer Pleite wieder in die Bresche springen muss. Ein wichtiger Hinweis auf die Gefährlichkeit einer Bank ist ihre Eigenkapitalquote: Sie setzt das Eigenkapital in Beziehung zur Bilanzsumme. Wir zeigen ein Ranking der Banken nach dieser Quote auf Basis von Daten der Agentur Bloomberg.
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Zur Rechtfertigung führt Brüssel darüber hinaus an, dass Finanzgeschäfte anders als der Kauf von Brötchen oder Kleidung von der Mehrwertsteuer befreit sei. Die Finanzsteuer sei insofern nur ein Ausgleich für dieses Privileg. Sie solle möglichst alle Finanzgeschäfte erfassen. Die Realwirtschaft treffe sie wegen des geringen Tarifs kaum.
Aus diesem Grund lösen auch Warnungen von Bankenlobbyisten vor einer starken Belastung von privaten Anlegern bei Experten Kopfschütteln aus. So gingen Meldungen um, ein Riester-Sparer mit einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro könne in 20 Jahren um 4700 Euro gebracht werden, wenn er die maximale Förderung nutzen wolle. Dazu erklärte der Finanzwissenschaftler Max Otte in einer Anhörung im Bundestag, ihm sei diese Berechnungen „unbegreiflich“. Er komme auf eine Belastung für diesen Kleinsparer von gut 70 Euro.