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Kolumne zu Griechenland: Herr D. und die Schulden

Griechen sind auf Deutsche schlecht zu sprechen. Das hat Herr D. am eigenen Leib erfahren - mit Merkelzins und kichernden Wirtinnen, die das eigentliche Geheimnis offenbaren. Hans W. Korfmann

Hans W. Korfmann ist freier Autor in Berlin und Herausgeber der Kreuzberger Chronik.
Hans W. Korfmann ist freier Autor in Berlin und Herausgeber der Kreuzberger Chronik.
Foto: FR

Schon im Reisebüro hatte ihm die Ticketverkäuferin den Scherz erzählt, den sich eine Athener Tageszeitung am 1. April gestattet hatte, als sie schrieb, Angela Merkel würde Athen besuchen. Ganz Griechenland spuckte in die Hände und rief: "Die soll nur kommen, wenn sie sich traut." Die Griechen, sagte die Frau, seien auf die Deutschen nicht gut zu sprechen.

Sie hatte recht. Schon der Taxifahrer am Flughafen begrüßte ihn grinsend mit "Sie kommen aus Deutschland?" - und verlangte für die Fahrt an die Südküste zehn Euro Merkelzins zusätzlich.

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Und als sich der Herr D. in dem kleinen Laden von Christina seine Sonnenmilch kaufte und bemerkte, dass so eine Tube früher zwei Euro gekostet hätte, meinte sie: "Die kommt aber aus Deutschland. Eigentlich kommt alles aus Deutschland, die Autos, die Panzer, die Handys. Die Sonnenkollektoren sind von Siemens, die Waschmaschinen von Bosch. Ohne uns hätte Deutschland doch schon längst Konkurs anmelden müssen."

Und als der Herr D. meinte, immerhin brächten die deutschen Urlauber jeden Sommer auch wieder eine ganze Menge Geld zurück, tippte sie die Milch in die Kasse und sagte: "Sie tun ja so, als hätte Deutschland keine Schulden. Mal sehen, wie viele Deutsche sich dieses Jahr noch einen Urlaub leisten können."

Tatsächlich war die kleine Taverne am Meer menschenleer, die dicke Wirtin saß mit einer Zeitung an einem ihrer Tische, dem Meer hatte sie den Rücken zugewandt. Als der Herr D. weitergehen wollte, rief sie: "Du kannst doch nicht wieder gehen, du bist doch mein einziger Gast." Also aß der Herr D. einen Salat und ein paar kleine Fische, und die Wirtin fragte ihn aus.

Wie es denn Deutschland so gehe in der Krise. Und als der Herr D. erzählte, dass Griechenland den Deutschen Sorgen bereite, da begann sie zu kichern, die 80-Jährige bekam einen geradezu jugendlichen Lachanfall. "Griechenland ist absolut bankrott."

Noch einmal musste sie kichern, dann fuhr sie fort: "Ganz Europa ist in Schwierigkeiten. Nur wegen uns! Und der griechische Staat ist pleite. Aber die Griechen haben trotzdem noch Geld, wahrscheinlich mehr als ihr. Die Griechen haben alle noch Geld, Häuser, Bäume, Grundstücke. Wenn Griechen fünf Kinder haben, dann haben sie fünf Handys, fünf Autos, fünf Häuser. Griechen haben immer Geld. Nur unser Staat hat keines mehr."

Die Alte, die sonst jeden Euro umdrehte, wurde plötzlich spendabel und goss dem Herrn D. das Glas randvoll. "Das geht auf mich. Und weißt du, warum die Griechen Geld haben? Weil sie keine Steuern zahlen. Weil alle Hotels, alle Restaurants, alle Arbeiter, alle Angestellten - weil die alle arbeiten schwarz.

Wie sonst sollen sich die Griechen dieses Leben noch leisten? Jetzt kostet ja alles Geld. Früher haben wir vom Land gelebt, von den Oliven, den Schafen. Davon hatten alle genug. Jetzt brauchen wir Geld. Wir müssen kaufen. Der Esel fraß Gras, das Auto kostet Benzin. Die Lampen brannten mit Öl. Jetzt zahlen wir Strom. Wir müssen alles kaufen, und deshalb schummeln wir. Und deshalb die Pleite."

Wieder begann die Wirtin zu kichern, der Busen wogte wie die schwere See. Als der Herr D. bezahlen wollte, sah sie kurz aufs Meer hinaus, überlegte und sagte: "Ach, gib mir zehn Euro!" Kaum hatte der Herr D. den Schein hinübergereicht, war er schon in irgendeiner der vielen Falten ihres schwarzen Gewands verschwunden.

Hans W. Korfmann ist freier Autor.

Autor:  Hans W. Korfmann
Datum:  27 | 4 | 2010
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