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Kolumne zur Bankenabgabe: Schamlos wie immer

Eine neue Studie von DB Research verdient besondere Beachtung. Sie befasst sich mit der Frage, was gegen künftige Finanzkrisen zu unternehmen ist, und plädiert für einen Fonds, der strauchelnde Banken geordnet abwickelt. Unverfroren. Von Mario Müller

Mario Müller ist freier Autor.
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Foto: FR

In der Deutschen Bank wird nicht nur viel Geld gemacht, sondern auch nachgedacht. Dafür hat sich das größte Geldhaus der Republik einen eigenen Think Tank namens Deutsche Bank Research zugelegt. Aufgabe der dort Beschäftigten ist es, sich Gedanken über "Trends in Wirtschaft, Gesellschaft und Finanzmärkten" zu machen, vor allem natürlich über solche, die in Beziehung zum Bankgeschäft stehen, also helfen, noch mehr Geld zu machen.

Okay, bei der jüngsten Krise, also der Manifestation des Trends von Finanzmärkten, immer wieder Unheil über Wirtschaft und Gesellschaft zu bringen, ließ die Prognosequalität der DB Researcher zu wünschen übrig. Man kann ja nicht an alles denken.

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Aber im Gegensatz zu selbst ernannten Vordenkern und Dampfplauderern wie etwa Matthias Horx liefern die Trendforscher der Deutschen Bank allemal genügend Diskussionsstoff, der zu weiterem Nachdenken reizt.

Schließlich geht es ihnen nicht nur um die Erkenntnis dessen, was passieren könnte, sondern vor allem auch um den Versuch, künftige Entwicklungen zu beeinflussen. Und bekanntlich ist die Überzeugungskraft der Deutschen Bank nicht zu unterschätzen.

In diesem Zusammenhang verdient eine soeben veröffentlichte Studie von DB Research besondere Beachtung. Sie befasst sich mit der Frage, was gegen künftige Finanzkrisen zu unternehmen ist, und plädiert für die Einrichtung eines Fonds, der strauchelnde Banken geordnet abwickelt.

Diese Idee erscheint nicht sonderlich originell. Mit ihr beschäftigen sich zahlreiche Regierungen. Auch Berlin plant einen entsprechenden Geldtopf, in den die Banken jährlich rund 1,2 Milliarden Euro einzahlen sollen. Bemerkenswert ist allerdings, dass DB Research, wie zuvor schon Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, eine Beteiligung des Staats an dem Fonds fordert.

Wer das Verhalten vieler Banker vor und nach der Krise Revue passieren lässt, wird sich über die Unverfrorenheit des Vorschlags und seiner Rechtfertigung kaum wundern. Der Staat müsse schon deshalb einspringen, weil die Stabilität der Finanzmärkte schließlich ein öffentliches Gut sei, heißt es allen Ernstes in der Studie.

Außerdem habe er die Krise mit verursacht - durch eine zu lockere Geldpolitik, mangelnde Aufsicht oder indem er Rating-Agenturen eine zu große Rolle einräumte. Fehlt nur noch der Hinweis, der Staat sei selbst schuld, wenn er Banken zulasse.

Doch es kommt noch besser. Die Studie behauptet, es könnte "als unfair angesehen" werden, alle Lasten der Finanzbranche aufzubürden. Leider bleibt offen, wem sie diese Einschätzung zuschreibt. Ackermann jedenfalls dürfte kaum gemeint sein. Denn die Banken-Abgabe entspricht einer Steuer, erhöht also zunächst die Kosten. Die entscheidende Frage ist, wer dafür aufzukommen hat.

Im Zweifel trifft es aber nicht die Aktionäre oder Manager. Vielmehr werden die Banken versuchen, am Personal zu sparen und/oder die Steuern auf die Kunden abzuwälzen. Das ist tatsächlich unfair: Nach dem Verursacherprinzip wäre es erforderlich, Führungskräfte und Anteilseigner direkt zu besteuern. Man muss kein Trendforscher sein, um diese Möglichkeit auszuschließen.

Im Übrigen weist DB Research darauf hin, dass es bei großen Krisen keine Alternative zu staatlichen Hilfen gibt. Zumindest darin ist dem Think Tank zuzustimmen.

Mario Müller ist freier Autor.

Autor:  Mario Müller
Datum:  12 | 4 | 2010
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