Allmählich wird die gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft beängstigend. So froh blicken die Unternehmen in die Zukunft, als habe es Lehman und den ganzen Schlamassel nicht gegeben. Ihre Geschäftserwartungen offenbaren einen Optimismus, der nicht so recht passt zu einer historischen Krise und eher für eine Hochkonjunktur steht.
Davon aber ist Deutschland weit entfernt. Für viele Firmen gibt es gute Gründe zu guter Laune, weil die Gewinne schon wieder sprudeln und sie auf den internationalen Märkten dank des Comebacks der Weltwirtschaft an alte Erfolge anknüpfen. Die deutsche Volkswirtschaft insgesamt aber bewegt sich auf ausgesprochen dünnem Eis, und noch immer ist die Gefahr groß, dass sie einbricht.
Erstaunlicherweise übernimmt in diesen Tagen ausgerechnet die Kanzlerin die Rolle der Mahnerin, die vor Euphorie warnt. Üblicherweise ist es Aufgabe der Regierungschefin, Zuversicht zu verbreiten. Angela Merkel aber braucht Pessimismus, um ihre Schuldenpolitik zu rechtfertigen. Ginge es dem Land wirklich schon so gut, entfiele Schwarz-Gelb das letzte Argument für Rekorddefizite.
Über Merkels Therapie, nämlich ihre Steuersenkungen im sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz, lässt sich streiten. Ihre Diagnose aber trifft den Kern: In so manchen Köpfen ist die Dimension der Krise noch immer nicht angekommen. Es geht hier nicht um eine Delle, sondern einen Bruch mit langwierigen, gravierenden Auswirkungen.
Deutschland arbeitet sich aus der Krise. Wenn es gut läuft, folgt auf den Absturz eine lange, mühsame, zähe Erholung mit kleinem Wachstum und großen Problemen.
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