Jede Woche zeigt der unregulierte Kapitalmarkt eine noch hässlichere Fratze als in der Vorwoche. Kaum hatten die Staaten den Kollaps des Bankensystems halbwegs abgewendet, brechen die Devisenmärkte zusammen und mit ihnen die Aktienmärkte. Die ganz große Spekulation wird rückabgewickelt, der Carry-Trade. Die Weltwährungskrise ist nah!
Seit Jahren verschuldeten sich die Zocker immer stärker zu Minizinsen im japanischen Yen, nur um das so generierte Geld in Hochzinswährungen wie die isländische Krone, den ungarischen Forint oder den australischen Dollar zu transferieren. Viele Hedgefonds speisten mit dem Yen-Geld ihre Anlagen in den Aktienmärkten der aufstrebenden Länder oder Rohstoffen. Das Ergebnis: Erstens schwächte sich der Yen immer weiter ab, die anderen Währungen, auch der Euro, legten immer stärker zu. Zweitens haussierten die gekauften Aktien und Rohstoffe dramatisch. Das hatte nichts mit fundamentalen Daten zu tun, sondern war allein der Spekulation geschuldet.
Doch seit ein paar Wochen geht das Spiel anders herum. Es hat sich in den vergangenen Tagen extrem beschleunigt. Die Zocker müssen ihre Positionen schließen und reißen die Hochzinswährungen, die Aktien und selbst manche Staaten in den Abgrund.
Alles geht so schnell, dass erneut Kettenreaktionen ausgelöst werden. Kettenreaktionen, die die Kernschmelze des kapitalistischen Systems wieder wahrscheinlicher machen. Die Milliarden, die es braucht, um Osteuropa, Asien und Lateinamerika gleichzeitig zu stabilisieren dürften locker an die Dimension der Rettungspakete für die Banken heranreichen.
Deshalb sind jetzt rasche und radikale Eingriffe die erste Pflicht. Der freie Devisenhandel muss verboten werden. Nur noch ein von den Notenbanken reguliertes Fixing sollte ein-, zweimal am Tag zur Aufrechterhaltung der realen Geldflüsse durchgeführt werde. Ähnliche Eingriffe müssen auch für die Börsen erwogen werden.
Langfristig ist an der Erkenntnis kein Vorbeikommen: Frei schwankende Wechselkurse auf unregulierten Märkten schaden dem System. Ein international koordiniertes Festwechselkurssystem à la Bretton Woods muss der erste Tagesordnungspunkt auf dem Weltfinanzgipfel sein.
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