Der Erfolg einer Rettung Griechenlands mit einem Sparpaket dass die Wirtschaftskrise dort noch verschärft scheint mehr als fraglich - das weckt Zweifel an der Reformstrategie der EU.
Oliven verschaffen Griechenland keine großen Exporteinnahmen.
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Oliven verschaffen Griechenland keine großen Exporteinnahmen.
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Frankfurt –
Am Sonntag wird das griechische Parlament voraussichtlich das von den Geldgebern geforderte neue Sparpaket beschließen. Das ist eine gute Nachricht für die Euro-Zone. Griechenland hingegen hat kaum Grund zum Jubeln. Kurzfristig, das ist sicher, werden die Maßnahmen die Wirtschaftskrise verschärfen. Aber auch auf lange Sicht ist der Erfolg der „Rettung“ fraglich.
Die EU scheint die Griechenland-Krise endlich eingegrenzt zu haben. Lange fürchtete man, die Krise des kleinen Landes, das nur rund zwei Prozent der Euro-Zonen-Wirtschaftsleistung ausmacht, könnte andere Euro-Staaten wie Italien oder Spanien anstecken. Diese Gefahr scheint derzeit gebannt, die Finanzmärkte haben sich vorerst beruhigt. „Europa hat das Griechenland-Problem für eine Weile entschärft“, so Holger Schmieding, Ökonom bei der Berenberg Bank.
Den Griechen jedoch stehen harte Zeiten bevor. Zum einen muss der Staat verschärft sparen, was die Wirtschaft weiter schrumpfen lassen wird. Zum anderen soll mit neuen Maßnahmen nun auch das Wirtschaftswachstum gestärkt werden. Hier setzen die Geldgeber unter anderem auf Strukturreformen, zum Beispiel auf die Öffnung bislang geschlossener Berufsbereiche.
Doch dies allein wird wenig bringen, meinen Experten. „Mehr Lizenzen für Taxi- oder Lkw-Fahrer und eine neue Gebührenordnung für Rechtsanwälte dürften in der aktuell desolaten Lage der Wirtschaft kaum den nötigen Schub geben“, meint der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. „Der Glaube an die Wirkung von Strukturreformen ist vielfach naiv.“
Der Rettungsschirm und die Staatsschulden
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Der Rettungsschirm und die Staatsschulden
Die Ära Berlusconi hat Italien einen Schuldenberg von 1843 Milliarden Euro beschert.
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Frankreich hat Schulden von 1591 Milliarden angehäuft - sind zusammen mit Italien 3434 Milliarden Euro.
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Spanien ist mit 639 Milliarden Euro verschuldet - macht zusammen 4073 Milliarden Euro.
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Die viel gescholtenen Griechen haben Schulden von gerade einmal 329 Milliarden Euro - macht 4402 Milliarden Euro.
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Portugal hat Staatsschulden von 160 Milliarden Euro - macht zusammen 4562 Milliarden Euro.
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Mit dem irischen Schuldenhügel von 148 Milliarden Euro stehen dem 1-Billion-Euro-Rettungsschirm zusammen 4710 Milliarden Euro an Staatsschulden gegenüber.
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Der Euro-Rettungsschirm soll bis zu 1000 Milliarden Euro (1 Billion) stemmen können, wenn die Krisenländer über ihre Schulden stürzen. Wie hoch sind deren Schulden derzeit?
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Glossar: Die Kürzel der Euro-Krise
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Glossar: Die Kürzel der Euro-Krise
PSI: Die Politik will private Gläubiger wie Banken und Versicherungen stärker an der Griechenland-Rettung beteiligen. In Fachkreisen wird dabei stets von PSI („Private Sector Involvement“, also Beteiligung des Privatsektors) gesprochen. Der Streit dreht sich darum, in welchem Ausmaß die Privaten auf Ansprüche gegen Griechenland verzichten.
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G20: Die Gruppe der 20 (G20) bezeichnet die Top-Wirtschaftsmächte. Zwei Drittel der Weltbevölkerung werden durch sie repräsentiert, ihre Beschlüsse haben globalen Einfluss. Anfang November beraten ihre Mitglieder erneut über die Euro-Rettung. Der Zusammenschluss wurde 1999 als Reaktion auf die Finanzkrisen in Asien, Brasilien und Russland gebildet.
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Troika: Das Wort Troika ist eigentlich keine klassische Abkürzung. Es kommt aus dem Russischen und bedeutet „Dreiergespann“. In der Schuldenkrise werden damit aber verkürzt drei Expertengruppen bezeichnet - nämlich EZB, IWF und EU-Kommission.
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SPIV: Als Option zur Euro-Rettung gilt auch ein Special Purpose Investment Vehicle (SPIV). Bei der „Investment-Zweckgesellschaft“ würden öffentliches und privates Kapital zusammengeführt. Eine oder mehrere Zweckgesellschaften könnten zentral oder gesondert in einem Land errichtet werden, das Hilfen bekommt. Die Zweckgesellschaft soll die Finanzierung von Euro-Ländern erleichtern. Sie würde in Staatsanleihen eines Landes investieren.
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IWF: Der Internationale Währungsfonds (IWF) spielt zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise eine wichtige Rolle. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Geldprobleme haben. Finanzhilfen sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. Bei allen Hilfsaktionen im Euroland, ob in Griechenland, Irland oder Portugal, war der IWF mit im Boot.
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EZB: Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Hüterin der europäischen Währung. Daher ist die Notenbank an allen wichtigen Beschlüssen in der Schuldenkrise beteiligt. Oberstes Entscheidungsgremium ist der EZB-Rat. Ihm gehören die Chefs der 17 nationalen Notenbanken und ein sechsköpfiges Direktorium an, an dessen Spitze der EZB-Präsident.
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ESM: Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) wird der Nachfolger des EFSF-Fonds. Spätestens Mitte 2013 soll er den befristeten Rettungsschirm dauerhaft ablösen und 500 Milliarden Euro an Kredithilfen bereitstellen.
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EFSM: Wenn vom EFSF-Rettungsschirm die Rede ist, fällt manchmal auch diese Abkürzung. Der Krisenfonds setzt sich nämlich aus dem Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) und dem EFSF zusammen.
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Die häufigsten Begriffe der Eurokrise - was sich dahinter verbirgt: EFSF: Einer der häufigsten Begriffe in der Schuldenkrise. Er bezeichnet den Rettungsschirm für notleidende Euro-Länder. Die Abkürzung steht für die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF). Ermöglicht wird damit ein Fonds, der schuldengeplagten Euro-Staaten mit Krediten hilft. Die EFSF kann Hilfen von bis zu 440 Milliarden Euro vergeben. Ihre Effizienz soll noch vergrößert werden: Ein Modell dafür ist ein sogenannter Hebel. Er soll die Schlagkraft des Fonds erhöhen, indem ein Teil der Anleihen notleidender Staaten von der EFSF gegen Ausfall versichert wird - dafür würden dann keine direkten Kredite mehr vergeben.
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CDS: Ein Schuldenschnitt ist auch deswegen so sehr umstritten, weil er Kreditausfallversicherungen (CDS oder „Credit Default Swaps“) auslösen könnte, sobald die Ratingagenturen für ein Land das Urteil „Zahlungsausfall“ („Default“) ausrufen. Es gibt Experten, die befürchten, dass dann eine unkontrollierbare Kettenreaktion in Gang kommt, die etliche Kreditinstitute in den Abgrund reißen könnte. (dpa)
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Daneben setzt das Reformprogramm vor allem auf eines: massive Lohnsenkungen im Land. Daher sinkt der Mindestlohn auf 590 Euro und das Arbeitslosengeld auf 320 Euro. Zudem werden Branchentarifverträge aufgebrochen. Künftig soll auf Unternehmensebene verhandelt werden. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit dürfte dies das gesamte Lohnniveau drücken. Ziel dieser Verbilligung ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands, so die EU-Kommission. Das Land soll sich aus der Krise exportieren.
Doch ist sehr die Frage, ob das klappen kann. Zum einen liegt das Lohnniveau bereits niedrig, in der Industrie verdient ein Arbeiter durchschnittlich 16 Euro, halb so viel wie in Deutschland. Zudem verfügt Griechenland kaum über weltmarktfähige, starke Exportfirmen. Die Industrie des Landes schrumpft seit Jahren. Die Wirtschaft ist geprägt von einer Unzahl kapitalschwacher Klein- und Kleinstbetrieben. Das zeigt sich an der Selbstständigenquote: 30 Prozent aller Erwerbstätigen sind Selbstständige, drei Mal so viel wie in Deutschland. Diese Firmen verfügen meist nicht über ausreichend Kapital, um auf dem Weltmarkt mitzumischen.
Zudem produzieren Griechenlands Kleinunternehmen vielfach technologisch eher anspruchslose Güter. „Damit stehen sie in direkter Konkurrenz mit den Niedriglohnländern Asiens, Ost- und Südeuropas“, so Patrick Artus, Ökonom bei der Bank Natixis. Und im wichtigen Tourismusbereich wird der Preiswettbewerb mit den klammen Staaten Nordafrikas immer härter.
Wegen der Schwäche der Exportindustrie und dem wachsenden Wettbewerb dürfte die Senkung des Lohnniveaus weniger einen Ausfuhrboom entfachen, als vielmehr die inländische Nachfrage weiter dämpfen. „Dadurch verschärft sich die deflationäre Spirale“, so Bofinger.
Um sich aus dieser Klemme zu befreien, könnte Athen die Steuern senken, um internationales Kapital anzuziehen. Diesen Weg hatte bereits Irland beschritten, dass über niedrige Unternehmenssteuern viele internationale Konzerne anlockte. Oder Athen könnte über Investitionen vielversprechende Industrien aufbauen. Für beides fehlt der Regierung jedoch das Geld.
Auf ausländische Mittel kann Griechenland kaum hoffen. „Im Moment investiert da keiner“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrieverbands DIHK, Martin Wansleben. Wansleben forderte Hilfen der EU zum Aufbau leistungsfähiger Institutionen in Griechenland.