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Kommentar zu Griechenland: Tragödie

Niemand weiß, wie das Land außer mit Oliven und Sonne auf den Weltmärkten bestehen will. Die Griechen haben Zumutungen akzeptiert, die anderswo undenkbar wären - das rechtfertigt nicht, das Land fallen zu lassen.

Das moderne griechische Drama lässt sich so erzählen: Da leben elf Millionen Menschen jahrelang über ihre Verhältnisse und lassen es sich gut gehen, während andere Völker sparen. Man kann die Geschichte aber auch so erzählen: Die griechischen Arbeitnehmer, die Rentner, die Familien und die jungen Leute nehmen Härten auf sich, wie sie im westlichen Europa in Friedenszeiten undenkbar waren. Dem Treiben der privilegierten Schichten in einem Gemeinwesen ohne Fairness fühlt sich der Einzelne hilflos ausgeliefert.

Das Fatale an der griechischen Tragödie ist, dass in beiden Versionen Wahrheit steckt. Der Freitag belegte dies erneut. In Athen lieferten einzelne, unverantwortliche Politiker das nächste Verwirrspiel. In Deutschland wurden Umfragen veröffentlicht, die von tiefem Misstrauen gegenüber einem ganzen Volk zeugen. Das eine ist idiotisch, das andere gefährlich und ungerecht. Tatsächlich ist Griechenland sowohl ein beinah hoffnungsloser Sanierungsfall als auch ein Reformvorbild.

Niemand weiß, wie das Land außer mit Oliven und Sonne auf den Weltmärkten bestehen will. Und doch haben die Griechen Zumutungen akzeptiert und Veränderungen eingeleitet, die alles rechtfertigen, nur nicht, das Land fallen zu lassen. Die Fortschritte sind größer als unterstellt. Schon deswegen wäre es töricht, ausgerechnet jetzt den Geldhahn zuzudrehen und die unkontrollierte Pleite einzuleiten. Das nächste Hilfspaket für Griechenland senkt mit dem Verzicht der privaten und wohl auch öffentlichen Gläubiger die Schuldenlast auf ein Niveau, das schwer erträglich bleibt und dennoch eine spürbare Entlastung bringt. Zugleich hat die Europäische Zentralbank mit ihren massiven Hilfen für die Banken und die klammen Euro-Staaten die Ansteckungsgefahr für Italien und Spanien ein wenig gemildert. Damit ist die Krise nicht gebannt. Sie wird über Jahre, möglicherweise Jahrzehnte als treuer Wegbegleiter erhalten bleiben.

Doch die Lage im Euro-Raum hat sich etwas beruhigt. Da kann in Deutschland kein Interesse daran haben, die gesamte Währungsunion in neue, noch dramatischere Turbulenzen zu stürzen. Das Geld fürs nächste Griechenland-Programm ist gut angelegt.

Autor:  Markus Sievers
Datum:  11 | 2 | 2012
Kommentare:  2
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