kalaydo.de Anzeigen

Kommentar zum BIP: Ungeliebter griechischer Schafskäse

Aus der Handelskrise speist sich in Griechenland die momentane Haushaltskrise. Und die könnte bei weiterer Zuspitzung als Euro-Schwäche wieder auf uns zurückschlagen. Von Roland Bunzenthal

Roland Bunzenthal ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Roland Bunzenthal ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Panta rhei, sagten die alten Griechen - und meinten damit, dass alles im Fluss ist und nichts bleibt wie es ist. Spötter des neuen Griechenlands übersetzen allerdings den Philosophen Heraklit inzwischen eher mit "alles geht den Bach runter".

Was hat die aktuelle Krise in Griechenland mit unseren jüngsten Wachstumszahlen zu tun, die das Statistische Bundesamt vorgelegt hat? Der Außenbeitrag hat mal wieder als Retter in der Not dafür gesorgt, dass das Bruttoinlandsprodukt im Herbst nicht noch weiter in den Keller abrutschte.

Im Vergleich des vierten zum vorangegangenen dritten Quartal 2009 heben sich bei uns die positiven Impulse des Außenhandels und die negativen des Binnenmarktes gegenseitig auf. Unter dem Strich bleibt eine Null.

Aber was bedeutet das? Unsere Exporte haben zwar noch immer den Rückwärtsgang eingelegt, doch noch wesentlich stärker - um rund sieben Prozent - sind die Importe zuletzt eingebrochen. Folge: Der Handelsüberschuss wächst schon wieder.

Griechischer Wein und Schafskäse sind offenbar nicht mehr die Renner auf deutschen Tischen. Zumindest wenn man sich die Handelsbilanz der beiden Länder anschaut: So exportierte Deutschland im vergangenen Jahr Waren im Wert von 6,7 Milliarden in das EU-Land. Umgekehrt kauften wir aber nur griechische Güter für 1,8 Milliarden Euro.

Natürlich muss man beim wirtschaftlichen Austausch auch die Ausgaben deutscher Touristen mit einbeziehen. Doch auch da führt die neue Sparsamkeit der Deutschen zu Einnahmeausfällen zwischen Peloponnes und Rhodos.

Aus der Handelskrise speist sich in dem geschichtsträchtigen Land die momentane Haushaltskrise. Und die könnte bei weiterer Zuspitzung als Euro-Schwäche wieder auf uns zurückschlagen. Schon beginnen pessimistische Gemüter, die Turbulenzen in der Ägäis als Start einer neuen wellenartig sich ausbreitenden Euroland-Krise zu orten.

Die innereuropäische Solidarität ist durch die Statistik-Tricks der Odysseus-Nachfahren stark belastet. Doch bleibt dem nach wie vor exportabhängigen Deutschland fast nichts anderes übrig, als Athen finanziell unter die Arme zu greifen.

Autor:  Roland Bunzenthal
Datum:  25 | 2 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Spezial
Tag der Nachhaltigkeit - Für kurze Strecken mit dem Auto gibts ne 6. (Archivbild)

Wie grün ist die Stadt am Main und was muss sie tun, um noch grüner zu werden? Eine Nachhaltigkeitserie über Frankfurt - unterstützt von Siemens Deutschland.

Deregulierung

So sprachen sie vor der Krise

Von Sebastian Dullien | 1 Kommentar
Die großen Deregulierer: Christian Wulff, Peer Steinbrück, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz

Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index.  Mehr...

Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Video

Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.