kalaydo.de Anzeigen

Kommentar zur Kreditklemme: Her mit dem Geld!

Die Politik knöpft sich Banker vor, die mit Krediten knausern. Mit recht. Wenn die Kreditinstitute mit dem billigen Geld der Notenbanken lieber spekulieren, sind andere Wege gefragt. Von Bernd Salzmann

Bernd Salzmann ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Bernd Salzmann ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

In Wahlkampfzeiten spielt die Politik gern den starken Mann. Diesmal knöpft sie sich die Banker vor, die mit Krediten knausern. Doch Wahlkampf hin, Wahlkampf her: Die Zurückhaltung des Finanzkapitals, die sogenannte Realwirtschaft mit frischem Geld auszustatten, könnte zu vermeidbaren Pleiten führen und notwendige Investitionen verhindern, also die Krise künstlich verlängern. Da ist ordentlich Tamtam sogar geboten: Wer eine Kreditklemme zulässt, muss an seine Aufgaben erinnert werden.

Schließlich ist es die Sache der Banken, die Wirtschaft mit Darlehen zu versorgen. Einen Anspruch darauf kann es im Einzelfall freilich nicht geben.

Spezial: Banken
Mitreden

Erst kippen die Banken - dann wackelt die Weltwirtschaft. Nun wird die Finanzbranche umgebaut. Spezial: Banken im Umbruch.

Was sagen Sie dazu? Diskutieren Sie mit - schreiben Sie Ihre Meinung gleich hier unter den Artikel.

Niemand kann ein Interesse daran haben, dass Kreditgeber unverantwortliche Risiken eingehen - und die gibt es gerade in einer schweren Krise nun mal besonders häufig, weil die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen am Boden liegt.

Erst recht nicht der Steuerzahler, der dann wieder als Retter in der Not von den Finanzinstituten gerufen würde, wenn leichtfertig vergebene Darlehen en masse platzen.

Es darf aber auch nicht sein, dass Banken sich bei der Europäischen Zentralbank zu einem Mini-Zins mit fast einer halben Billion Euro eindecken, die Hälfte umgehend wieder bei der Notenbank parken und mit dem anderen Teil an den Devisenmärkten spekulieren, weil sie dort mehr als mit soliden Firmen im Kreditgeschäft verdienen können.

Schließlich vergibt die Notenbank das Geld nur so preiswert, um die Kreditvergabe anzukurbeln. Wenn die Banken sich nicht besinnen, bleibt Politik und Zentralbank nur eine Wahl: Sie müssen kreditsuchende Unternehmen auf direktem Weg finanzieren.

Autor:  BERND SALZMANN
Datum:  5 | 7 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Spezial
Tag der Nachhaltigkeit - Für kurze Strecken mit dem Auto gibts ne 6. (Archivbild)

Wie grün ist die Stadt am Main und was muss sie tun, um noch grüner zu werden? Eine Nachhaltigkeitserie über Frankfurt - unterstützt von Siemens Deutschland.

Deregulierung

So sprachen sie vor der Krise

Von Sebastian Dullien | 1 Kommentar
Die großen Deregulierer: Christian Wulff, Peer Steinbrück, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz

Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index.  Mehr...

Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Video

Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.