Frankfurt a.M. Soll Deutschland seine Exporte verringern, um die Weltwirtschaft weniger anfällig zu machen? Die Debatte, zunächst leise in den USA von Präsident Barack Obama angestoßen und dann von Frankreichs Finanzministerin Christiane Lagarde aufgegriffen, geht weiter.
Geäußert hat sich jetzt zum Thema der Chef der Euro-Gruppe, der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, in einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Frankfurt am Main: "Ich teile vieles, was Frau Lagarde gesagt hat, aber nicht alles."
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Zu weit geht ihm die grundsätzliche Kritik an der Exportorientierung Deutschlands: Europa hätte sich nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich anders entwickelt, wenn es "das Bestreben Deutschlands nicht gegeben hätte".
Eine Änderung des deutschen Wirtschaftsmodells hin zu verstärkten Importen sei kurzfristig unrealistisch, könne aber langfristig ins Auge gefasst werden. Umso so mehr sei es erforderlich, dass die EU-Länder ihre Wirtschaftspolitik koordinierten. Der Euro alleine könne die wirtschaftliche Angleichung nicht schaffen.
Erlaubt sein müssten kritische Fragen zur Wirtschaftspolitik eines EU-Landes oder - wie im Falle Griechenlands - zur "Lohnfindung im öffentlichen Sektor". Sonst sei gemeinschaftliches Handeln in der EU nicht möglich.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht die Sache weniger differenziert. Deutschland müsse auf Wachstum und Konsolidierung setzen. Das Problem in Europa seien nicht Länder, die überdurchschnittlich wettbewerbsfähig seien, sondern jene, die Fehler gemacht hätten und hinterherhinkten.
Junkers hatte übrigens auch noch gesagt, nicht verstehen könne er, dass die Bundesregierung auf die Kritik an der hohen deutschen Exportlastigkeit wie eine "beleidigte Leberwurst" reagiere. (cri/fr)
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