Düsseldorf. Ihre Stimme überschlug sich und wurde mehrfach von aufgebrachten Aktionären übertönt. Aber das konnte der Frankfurter Rechtsanwältin Ulrike Binder egal sein.
Ihr Votum auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Düsseldorfer IKB war 530 Millionen Euro wert: Binder vertrat Lone Star, den Hauptaktionär der Deutschen Industriebank, und konnte mit 90 Prozent der Aktien die wütenden Anteilseigner locker überstimmen.
So kam Lone Star seinen umstrittenen Willen: Ob die früheren Aufsichtsräte und Vorstände ihre Pflicht verletzt und damit den Beinahe-Kollaps der Bank verschuldet haben, das soll nicht weiter überprüft werden. Die laufende Sonderprüfung wird gestoppt.
Damit wird der erste Sündenfall unter den deutschen Finanzinstituten nur noch schwerlich aufzuklären sein. Die IKB war im Sommer 2007 die erste Bank, die über ihre Fehlspekulationen im amerikanischen Immobilienmarkt kurz vor der Pleite stand. Die einstige Mittelstandsbank hatte Milliarden in unseriöse Immobilien investiert.
Bundesregierung und staatliche KfW-Bank pumpten zehn Milliarden Euro in die Bank. Monate später kaufte der US-Finanzinvestor Lone-Star für eine geschätzte Summe von wenig mehr als 100 Millionen Euro das Traditionshaus. So profitierte das Institut aus Dallas von der Beinahe-Pleite.
Die Prüfung bleibt aus, denn die gewonnenen Erkenntnisse könnten möglicherweise eine "unbegründete Klageflut" zur Folge haben, versuchte der Vorstandsvorsitzende der IKB-Bank, Hans-Jörg Schüttler, den aufgebrachten Aktionären zu erklären.
Dies könne die krisengeschüttelte Gesellschaft in ihrer Existenz gefährden. Die 600 Kleinaktionäre buhten. Schon jetzt sind am Landgericht Düsseldorf noch rund 100 Klagen geschädigter Kleinaktionäre anhängig.
Auch Carsten Heise, Vertreter der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) forderte eine Prüfung ein. Die Rettung der Bank habe Steuerzahler und Aktionäre Milliarden gekostet. Sollen "die Verantwortlichen nie zur Rechenschaft gezogen werden?", rief der Düsseldorfer Rechtsanwalt. Es liege im öffentlichen Interesse, "Ross und Reiter" zu nennen.
Denn die Banker und Aufsichtsräte haben offenbar rechtzeitige Warnungen vor der Krise am amerikanischen Wohnungsmarkt in den Wind geschlagen. Dies legt ein früherer Bericht der Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PwC) nahe.
Demnach verwies schon 2004 ein interner Prüfbericht auf nicht "unerhebliche Risiken" aus Finanzgeschäften im US-Immobilienmarkt. Zwei Jahre später heißt es in einem Bericht des Beirats einer Tochtergesellschaft schon, ein "Worst Case Szenario" sei wahrscheinlich.
In den folgenden Monaten wurden laut PwC die Manager nur lückenhaft informiert und die Öffentlichkeit getäuscht: Als die ersten amerikanischen Kreditbanken trudelten, bringt die IKB entgegen besseren Wissens positive Pressemitteilungen heraus, die nun für "bedenklich" erachtet werden. Es liegt nahe, das nun auch die Sonderprüfer auf ähnliche Mängel gestoßen wäre.
Nun sollen alle diese Fehler und Pflichtverletzungen nur noch "intern geklärt" werden. "Ausgerechnet die Organe, die uns in die Krise geführt haben, sollen über das Desaster aufklären", sagt Markus Kienle, Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.
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