Wer auf Nachhaltigkeit und soziale Verhältnisse achtet, hätte schon vor Jahren wissen können, dass aus Griechenland Unheil droht. Seit 2008 hat das Land bei der Münchner Ökorating-Agentur Oekom Research, die sich als Komplementär der großen US-Finanzratingagenturen versteht, seinen Primestatus verloren.
„Griechenland hat bereits schlechte Bewertungen in unserem Nachhaltigkeitsrating erhalten, als konventionelle Ratingagenturen hier noch Noten im A-Bereich verteilt haben“, sagt Oekom-Analyst Oliver Rüter. Er hat gerade ein neues Länderrating erstellt, das 51 Staaten und die EU bewertet. 20 Länder und die EU haben dabei Prime-Status erreicht, was als Signal für eine sichere Anlage gilt. Griechenland, die USA oder China gehören nicht dazu.
„Bei Investoren, die sich in der Vergangenheit am Nachhaltigkeitsrating orientiert haben, liegen heute keine griechischen Staatsanleihen im Depot“, sagt Rüter. Das sind vor allem große institutionelle Anleger und Finanzdienstleister mit langfristigem Anlagehorizont.
Einer der wichtigsten Oekom-Kunden ist beispielsweise der Versicherungsriese Munich Re. Insgesamt beeinflussen die Oekom-Analysen aktuell Anlagen im Volumen von gut 140 Milliarden Euro. Die Öko-Analysten glauben einen verlässlicheren Blick auf die Entwicklung auch von Staaten zu haben, weil reine Finanzratings die nur unzureichend widerspiegeln würden.
150 ökologische und soziale Kriterien kommen bei den jährlichen Länderratings von Oekom zum Tragen. Dazu zählen der Stand der Meinungs- und Pressefreiheit, Investitionen in Bildung und Infrastruktur, der Energiemix oder auch der Umgang mit dem Klimawandel. „Wir bewerten, wie ein Staat mit seinen Menschen und natürlichen Ressourcen umgeht“, erklärt Oekom-Sprecher Rolf Häßler.
Denn auf lange Sicht reflektiere das die Chancen, ausgeliehenes Geld wieder zurückzahlen zu können. Diese Sicht der Dinge mündet dann in einer von A+ bis D- reichenden Skala. Bis B+ reicht der Primestatus.
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