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Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

28. Februar 2011

Neuer Ärger um BayernLB: Schmiergeld für Manager?

 Von Thomas Magenheim

Längst ist klar, dass die BayernLB mit der österreichischen HGAA ein schlechtes Geschäft gemacht hat. Doch den Staatsanwälten fallen immer neue Ungereimtheiten auf - jetzt stehen ehemalige Manager auch im Verdacht, sich selbst bereichert zu haben.

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Der Fehlkauf der österreichischen HGAA durch die BayernLB ist um einen Verdachtsmoment reicher. Bislang ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft seit eineinhalb Jahren gegen die dafür verantwortlichen Manager offiziell wegen Untreue und Betrug. Nun wollen die Fahnder offenbar zusätzlich herausfinden, ob sich Landesbanker dabei bestechen ließen, was der Affäre eine neue Dimension verleihen würde. In einem Durchsuchungsbeschluss im Fall HGAA sei vom Verdacht der „Eigenbereicherung“ durch BayernLB-Manager die Rede, will die Süddeutsche Zeitung erfahren haben. Die Justiz hält sich bedeckt.

Landtag alarmiert

Die Vorwürfe Betrug und Untreue seien lediglich „Arbeitstitel“ und andere Tatbestände nicht ausgeschlossen, sagte ein Justizsprecher ausweichend. Ob im Fall der Landesbanker mittlerweile auch dem Verdacht von Bestechlichkeit nachgegangen werde, könne er aus taktischen Ermittlungsgründen nicht sagen. Die betroffenen Manager um den ehemaligen Landesbankchef Werner Schmidt streiten jedes Verschulden beim Kauf der HGAA ab und beteuern, nicht gegen Gesetze verstoßen zu haben.

Mitglieder des Landesbank-Untersuchungsausschusses im bayerischen Landtag sind dagegen alarmiert. „Diesen Verdacht habe ich schon lange“, sagt einer von ihnen zum Schmiergeld-Vorwurf. Er selbst könne ihn nicht belegen. Es wäre „traumhaft“ im Sinne der Wahrheitsfindung, wenn die Staatsanwaltschaft das beweisen und eine Erklärung für das HGAA-Debakel liefern könnte, assistierte ein Kollege.

An Fahrlässigkeit allein mag im Fall der HGAA nicht jeder glauben. Die BayernLB hat die damals schon in Bilanzskandale verwickelte Bank 2007 unter dubiosen Umständen gekauft. Zum einen hat sich der BayernLB-Vorstand nicht an Kaufpreislimits gehalten und überteuert sowie trotz aller Warnungen ohne jede Garantie gegen etwaige Risiken erworben. Verkäufer war eine 40 Mitglieder zählende Investorengruppe um den Vermögensverwalter Tilo Berlin. Der musste sich die Anteile und auch einen Kredit dafür aber erst verschaffen. Den erhielt er ausgerechnet von der BayernLB, an die er die HGAA-Anteile dann mit sattem Aufschlag weiterreichte. 50 Prozent, umgerechnet 182 Millionen Euro Gewinn, hätten die Investoren gemacht, wundern sich bis heute Mitglieder des Untersuchungsausschusses.

Jetzt könnte Licht ins Dunkel kommen. Dem Vernehmen nach untersucht die Justiz europaweit die von den Investoren ausgehenden Geldströme, nachdem diese ihren Reibach gemacht hatten. Sie will also wissen, ob in Form sogenannter Kickback-Zahlungen von ihnen Geld an bayerische Landesbanker zurückgeflossen ist.

Die brisante Frage lautet also, ob sich BayernLB-Manager dafür haben bezahlen lassen, dass die HGAA zu teuer und ohne jede Risikohaftung den Besitzer gewechselt hat. Am Ende brachte das dem Kreditinstitut einen Schaden in Höhe von rund 3,7 Milliarden Euro.

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