Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

15. Januar 2009

Postbank: Anleger laufen davon

 Von BERND SALZMANN
Foto: FR-Infografik

Postbank-Chef Appel verteidigt die neue Vereinbarung mit der Deutschen Bank.

Drucken per Mail

Die schwindende Aussicht auf ein lukratives Abfindungsangebot der Deutschen Bank hat die Aktionäre der Postbank am Mittwoch maßlos enttäuscht. Die Anleger trennten sich scharenweise von dem Titel, der in der Spitze 19 Prozent seines Wertes einbüßte und auf ein Rekordtief von 11,61 Euro einbrach.

Postchef Frank Appel zeigt sich vom Ergebnis der Nachverhandlungen mit der Deutschen Bank hingegen ebenso zufrieden wie die Manager des Geldhauses. "Wir bekommen unser Geld früher", sagt er. Und: "Wir gewähren keinen Preisnachlass." Für 62,4 Prozent der Postbank-Aktien würde die Deutsche Bank mit 4,9 Milliarden Euro sogar 100 Millionen mehr zahlen als ursprünglich vereinbart. Der Rest der Anteilscheine befindet sich in Streubesitz.

Der Vorteil für die Deutsche Bank, die derzeit wie alle Finanzinstitute darauf bedacht ist, ihr Kapital zu schonen: Sie muss sich den Einstieg bei der begehrten Post-Tochter nicht mehr komplett "in bar" erkaufen. Sie zahlt 1,1 Milliarden Euro in eigenen Aktien, die aus einer Kapitalerhöhung stammen - und macht die Post mit rund acht Prozent zu ihrem Großaktionär. Und: Sie muss den anderen Klein- und Großaktionären erst in drei Jahren ein Pflichtangebot machen, dessen Höhe deutlich niedriger als die ursprünglich von Anlegern erwarteten 57,25 Euro je Aktie sein dürfte. Durch eine neu vereinbarte Pflichtumtauschanleihe gelangt die Deutsche Bank erst dann an mehr als die dafür erforderlichen 30 Prozent der Aktien. Für die Höhe der Abfindung gilt ein Durchschnittsaktienpreis, der über einen Zeitraum von drei Monaten vor Fälligkeit erhoben wird.

Großaktionär der Deutschen Bank wird der gelbe Riese allerdings nicht lange bleiben, versichert der Postchef. "Wir werden zügig Schritte einleiten", sagt er. Von einer Teilverstaatlichung der Deutschen Bank, wie zuletzt in der Öffentlichkeit geunkt, könne daher "keine Rede sein", zumal der Staat bei einer Beteiligung der Post an der Deutschen Bank in der Größenordnung von acht Prozent indirekt lediglich 2,5 Prozent halten würde.

Doch dies wird irgendwann nur noch in Randnotizen eine Rolle spielen. Viel wichtiger ist: Einer der größten Deals in der deutschen Bankengeschichte scheint nun perfekt. Die Deutsche Bank, die sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Investmenthaus entwickelt hatte, erwirbt die Mehrheit an Deutschlands größter Filialbank mit 14,2 Millionen Kunden und baut nun mit Hilfe ihrer neuen Marke das Brot- und Buttergeschäft massiv aus - und gewinnt so an Stabilität.

Jetzt kommentieren

Wirtschaft-Spezial

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Videonachrichten Wirtschaft

Deregulierung

So sprachen sie vor der Krise

Von Sebastian Dullien | 5 Kommentare
Die großen Deregulierer: Christian Wulff, Peer Steinbrück, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz

Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index.  Mehr...

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.