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Rating auf Ramsch-Niveau: Panik in Griechenland

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit von Griechenland erneut herabgestuft. Die Abwertung auf das Ramsch-Niveau bezeichnet der Regierungssprecher als unerklärlich: "Geldeinlagen in Griechenland sind sicher". Von Stephan Kaufmann

Die griechische Zentralbank in Athen.
Die griechische Zentralbank in Athen.
Foto: afp

Die Situation für Griechenland und die EU wird immer gefährlicher. An den Märkten ging die Spekulation auf eine Pleite Athens gestern weiter, die Zinsen erreichten neue Höchststände, der Euro fiel. Am Abend senkte die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) ihre Einstufung griechischer Staatsanleihen auf Ramsch-Niveau: Die Einstufung werde von bisher "BBB+" auf "BB+" reduziert, teilte S&P am Dienstag mit. Der Ausblick bleibe negativ. Die Herabstufung reflektiere die politischen, wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Herausforderungen für die griechische Regierung, sagte der zuständige Analyst Marko Mrsnik.

Vertreter Griechenlands bezeichneten die Herabstufung als "unerklärlich". "Es ist nunmehr ein klar europäisches Thema", sagte der griechische Regierungssprecher Giorgos Petalotis wenige Minuten später. Es war das erste Mal, dass Athen so schnell auf eine solche Entwicklung reagierte. Auch Finanzminister Giorgos Papakonstantinou versuchte, die Griechen zu beruhigen: "Die Geldeinlagen in griechischen Banken sind garantiert und absolut sicher", versicherte er

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Die griechische Zentralbank in Athen.
Die griechische Zentralbank in Athen.
Foto: afp

Es wird befürchtet, die Hilfsaktion von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) könnte nicht ausreichen, sich wegen deutscher Bedenken verzögern oder gar ausfallen. "Unter den aktuellen Bedingungen wird ein Zahlungsausfall Griechenlands immer wahrscheinlicher", sagte Citigroup-Chefvolkswirt Willem Buiter. Damit gefährdet die Krise zunehmend andere EU-Staaten. Denn Investoren befürchten, Griechenland könnte mittelfristig zu einer Umschuldung gezwungen sein. Diese brächte "deutliche Verluste für die Gläubiger des Landes mit sich", warnte Buiter.

Ansteckungsgefahr wächst

Das griechische Debakel mit dem Euro

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Abgeschreckt durch Verluste bei ihren Griechenland-Papieren könnten Investoren dann beginnen, die Anleihen von anderen hoch verschuldeten EU-Staaten wie Portugal, Irland, Italien oder Spanien auf den Markt zu werfen. Damit sänken die Anleihekurse, spiegelbildlich zögen die Zinsen für diese Länder an. Ihnen droht ein griechisches Szenario.

Am Dienstag gerieten denn auch die Anleihen von Spanien, Irland und Portugal unter Druck. Die Risiko-Prämie portugiesischer gegenüber deutschen Anleihen hat sich im April bereits verdoppelt. "Wir fühlen das Ansteckungsrisiko", sagte Portugals Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos. Im laufenden Jahr muss sich das Land 25 Milliarden Euro an den Märkten borgen.

Doch die Zinsen steigen. Die Rating-Agentur S&P senkte gestern ihre Note auch für dieses Land. Grund seien die "vergrößerten haushaltspolitischen Risiken", sagte Länderanalyst Kai Stukenbrock. Trotz der Reformen der portugiesischen Regierung im öffentlichen Sektor blieb der Haushalt schwach. Die portugiesische Wirtschaft werde 2010 trotz der weltweiten Konjunkturerholung stagnieren.

Wichtig für Deutschland

Während Griechenland und Italien ein Problem mit hohen Staatsschulden haben, sind es in den anderen EU-Staaten vor allem Schulden des privaten Sektors, die anfällig für Spekulation machen. Die Schulden privater Haushalte betragen in Griechenland laut der Bank Unicredit nur 50 Prozent der Wirtschaftsleistung. Spanien kommt auf mehr als 80 Prozent, Portugal und Irland kommen auf rund 100 Prozent. Ähnlich die Schulden der Unternehmen: Griechenlands Firmen haben Kredite über 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufgehäuft. Bei Spanien sind es 140, bei Portugal und Irland sogar rund 160 Prozent. Zur Finanzierung sind die Länder stark von Kapital aus dem Ausland abhängig. Versiegt dieses oder steigen die Zinsen, ist die Pleite nah.

Die Ausbreitung des griechischen Problems setzt nun den Euro unter Druck. Kein Wunder: Spaniens Wirtschaftsleistung ist viermal so hoch wie die Griechenlands, seine Schulden doppelt so hoch. Das Land steht bei deutschen Banken mit fast 240 Milliarden Euro in der Kreide, Italien mit 190 Milliarden, dreimal mehr als Griechenland. Spanien kaufte 2009 Waren für 31 Milliarden Euro aus Deutschland, Italien für 51 Milliarden. Griechenland orderte nur für 6,7 Milliarden Euro.

Der EU läuft die Zeit weg. Bis zum 19. Mai muss sich Griechenland acht Milliarden Euro borgen, bis dann muss die Rettung stehen. "Wer auch immer das Drehbuch zur Griechenland-Krise geschrieben hat - ihm winkt eine glorreiche Zukunft in der Filmindustrie", sagte Marco Annunziata, Chefvolkswirt bei Unicredit. (mit dpa)

Autor:  Stephan Kaufmann
Datum:  27 | 4 | 2010
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