Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

01. Dezember 2012

Ratingagentur ESM: Moody's stuft Euro-Rettungsschirm herab

Der Euro macht schwere Zeiten durch. Foto: dapd

Nach den jüngsten Fortschritten bei der Griechenland-Hilfe muss Europa in der Schuldenkrise wieder einen Rückschlag hinnehmen: Der Euro-Rettungsschirm büßt sein Spitzenrating ein. Die Agentur Moody's senkt die Bonitätsnoten von ESM und EFSF von „Aaa“ um eine Stufe auf „Aa1“.

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Berlin –  

Die Ratingagentur Moody's hat nach Frankreich auch den europäischen Rettungsschirmen ihre Spitzen-Bonität entzogen. Sowohl die Bewertung des permanenten Euro-Rettungsschirm ESM als auch die des provisorischen Hilfsfonds EFSF seien um eine Stufe von Aaa auf Aa1 gesenkt worden, teilte Moody's mit.

Der Ausblick für beide Rettungsschirme bleibt negativ. Grund für den Schritt seien die jüngste Herabstufung Frankreichs, des nach Deutschland zweitgrößten Beitragszahlers bei der Euro-Rettung.

Nach Ansicht von Moody's hängt die Kreditwürdigkeit der Rettungsschirme angesichts der wirtschaftlichen, institutionellen und finanziellen Verflechtungen ihrer größten Unterstützer an der Bewertung der größten Euro-Staaten. Die Ratingagentur hatte das Euro-Schwergewicht Frankreich vergangene Woche ebenfalls von Aaa auf Aa1 herabgestuft und das mit dem anhaltenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und der Unbeweglichkeit des dortigen Arbeits-, Waren- und Dienstleistungsmarktes begründet.

Deutschland behält Spitzenrating

Deutschland hält weiter das Top-Rating Aaa. Ein schlechteres Rating kann die Aufnahme von Geld am Kapitalmarkt erschweren und die Zinsen dafür steigen lassen.

Die Kreditstärke des ESM beruhe unter anderem auf der Sicherheit, dass dessen Mitglieder auch ihre Kapitalverpflichtungen erfüllen könnten, hieß es von Moody's weiter. Im unwahrscheinlichen Fall, dass Frankreich dieser Verpflichtung nicht nachkommen könne, sei es möglich, dass andere Unterstützer mit der Top-Bonität Aaa ebenfalls Schwierigkeiten damit haben könnten.

Der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM ist der Nachfolger des zeitlich begrenzten Rettungsschirms EFSF. Er soll strauchelnden Ländern der Währungszone mit Notkrediten beistehen und kann dafür bis zu 500 Milliarden Euro ausgeben. Die Kapitalbasis beträgt sogar 700 Milliarden Euro.

Die Herabstufung der Rettungsschirme kommt nach einer entscheidenden Woche im Kampf der Europäer gegen die Schuldenkrise. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Kollegen aus der Euro-Gruppe hatten sich in der Nacht zu Dienstag auf die Freigabe der seit Sommer aufgelaufenen Milliardenhilfen verständigt, die wegen der zögerlichen Programmumsetzung in Griechenland blockiert waren. Am Freitag stimmte auch der Bundestag den Maßnahmen zu. (dapd)

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