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Ratingagentur Moody's: Frankreich droht Verlust der Spitzenbonität

Die US-Ratingagentur warnt nur wenige Tage nach der Panne bei S&P vor einer tatsächlichen Abwertung Frankreichs. Der Warnschuss kommt an den Börsen an: Die Aktienmärkte in Deutschland und Frankreich sind deutlich im Minus.

Ein Schild mit der französischen Ratingnote AAA im Occupy La Defense-Camp im Geschäftsviertel von Paris.
Ein Schild mit der französischen Ratingnote AAA im "Occupy La Defense"-Camp im Geschäftsviertel von Paris.
Foto: dpa
Paris –  

Frankreich gerät immer tiefer in den Strudel der Euro-Schuldenkrise. Die Ratingagentur Moody's warnte am Montag davor, dass das zweitgrößte Euroland sein „AAA“-Toprating verlieren könnte, falls die Refinanzierungskosten dauerhaft hoch blieben und wegen der Konjunkturflaute den Haushalt belasteten. An den Märkten und in der EU-Kommission wuchsen die Sorgen, dass nun auch Schwergewichte des Währungsraums tiefer in den Abwärtsstrudel der Schuldenkrise geraten.

„Die Krise trifft den Kern der Euro-Zone, wir sollten uns darüber keine Illusionen machen“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Moody's' Warnschuss trug dazu bei, dass die Aktienmärkte in die Knie gingen. Der deutsche Dax und der französische CAC 40 lagen je rund 2,6 Prozent im Minus.

Frankreich ist zuletzt stärker ins Visier der Finanzmärkte geraten und muss bereits höhere Refinanzierungskosten für seine Schulden zahlen. Die Regierung in Paris will mit einem härteren Sparkurs das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen, steht nach Ansicht von Moody's aber vor einer schwierigen Aufgabe: „Anhaltend hohe Kosten für die Kreditaufnahme würden die fiskalischen Herausforderungen der französischen Regierung vergrößern, während sich der Wachstumsausblick verschlechtert, was negative Kreditauswirkungen hätte“, schrieb Moody's-Experte Alexander Kockerbeck im wöchentlichen Kreditausblick der Agentur. Er verwies darauf, dass die Renditeaufschläge zehnjähriger französischer Staatsanleihen vorige Woche erstmals seit Bestehen der Währungsunion um zwei Prozentpunkte über deutschen Bonds lagen.

Frankreich zahlt doppelt so viel wie Deutschland

Damit zahle Frankreich für langfristige Finanzierungen Anlegern fast das Doppelte als Deutschland. Ein Renditeanstieg um einen Prozentpunkt bedeute pro Jahr etwa Zusatzkosten von rund drei Milliarden Euro, erklärte Moody's. Das von der Regierung erwartete Wachstum von nur einem Prozent 2012 erschwere den angepeilten Schuldenabbau.

Der Moody's Konkurrent Standard & Poor's hatte jüngst - nach eigenen Angaben - versehentlich Frankreichs Toprating „AAA“ herabgestuft. Dies hatte für große Empörung in Frankreich gesorgt, aber vor allem für heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten. Denn für den Kampf der Euroländern gegen die Krise wäre es ein heftiger Rückschlag: Sollte Frankreich sein „AAA“-Rating verlieren, wäre auch das „AAA“-Rating des EU-Rettungsschirms EFSF gefährdet, betonte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. „Ich möchte nicht, dass das passiert“, sagte Juncker in Mainz. Zur möglichen Herabstufung Frankreichs ergänzte er: „Ich würde das der tatsächlichen Lage Frankreichs für nicht angemessen halten.“

Für Finanzmarktprofis kommt der Warnschuss von Moody's aber nicht überraschend. „Dass Frankreich substanziell etwas gegen die Haushaltsprobleme getan hat, ist bisher nicht zu erkennen“, kritisierte HSBC-Volkswirt Rainer Sartoris. Die Regierung in Paris will immerhin mit harter Sparpolitik den Verlust seiner Kreditwürdigkeit verhindern. Anfang des Monats kündigte Ministerpräsident Francois Fillon Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen von 65 Milliarden Euro bis 2016 an. (rtr)

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Datum:  21 | 11 | 2011
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