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Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

20. November 2012

Ratingagentur: Moody's stuft Frankreichs Kredite herab

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Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici blickt nach der Herabstufung durch die Rating-Agentur Moodys sorgenvoll in die Zukunft. Foto: dapd/Mayo

Frankreich verliert nun auch bei der Ratingagentur Moody's seine Bestnote. Die Regierung in Paris versucht die Entscheidung kleinzureden. Höhere Zinsen kann sie sich angesichts ihres Schuldenbergs schlecht leisten.

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Das wird ein nervöser Tag für die Finanzmärkte: Unmittelbar vor dem Finanzministertreffen der Eurozone, bei dem es wieder einmal um Hilfen für Griechenland geht, , hat die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Frankreichs herabgestuft. Moody's erklärte in Frankfurt, Frankreichs Bewertung sinke von der Bestnote AAA auf AA1, zudem bleibe der Ausblick negativ. Frankreich ist, nach Deutschland, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Würde das Land in den Strudel der Euro-Krise geraten, würde die Währungsunion vermutlich scheitern.

Moody's begründete den Schritt mit den schlechten langfristigen Wachstumsaussichten für Frankreich. Sie würden belastet durch zahlreiche Strukturprobleme und einen anhaltenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Der Arbeitsmarkt sowie die Märkte für Güter und Dienstleistungen seien zu unflexibel. In der Konsequenz der Wachstumsschwäche sei auch ungewiss, wie sich Frankreichs Haushaltslage entwickeln werde. Frankreich sei anfällig für Schocks im Zuge der Eurokrise.

Die seit Juni amtierende sozialistische Regierung versuchte, die Tragweite der Rating-Entscheidung kleinzureden. Zugleich machte Finanzminister Pierre Moscovici die konservative Vorgänger-Regierung für die Herabsetzung der Kreditwürdigkeit verantwortlich. "Dies ist eine Strafe für das frühere Management", erklärte er in Paris. "Diese Entscheidung betrifft die Situation, wie sie uns von unseren Vorgängern hinterlassen wurde: Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, Wachstumsschwäche, wachsendes Defizit."

Für Berlin gilt noch: AAA

Moscovici nahm die Herabstufung zum Anlass, jetzt erst recht entschlossene Reformen der Wirtschaft zu fordern. Seine Regierung plant unter anderem ein 20-Milliarden-Paket zur steuerlichen Entlastung von Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen oder erhalten. Moody's schrieb allerdings dazu, dass die geplanten Reformen vermutlich nicht ausreichen würden, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Zudem zeigten die Erfahrungen mit allen französischen Regierungen der letzten 20 Jahre, dass solche Reformen kaum je konsequent umgesetzt würden.

Moody's ist die zweite der großen Rating-Agenturen, die Frankreichs Kreditwürdigkeit herabgestuft hat. Bereits im Januar hatte Standard and Poor's dem Land die Bestnote aberkannt. Nur Fitch hält noch am Tripel-A-Rating für Paris fest. Schlechtere Rating-Noten können dazu führen, dass ein Land höhere Zinsen bieten muss, um seine Anleihen am Markt platzieren zu können. Für Frankreich, dessen Schuldenstand über 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beträgt, könnte das Milliardenbelastungen für den Haushalt bedeuten.

Nach der Entscheidung von Moody's gibt es in der Eurozone nur vor vier Länder, die von den Agenturen mit der Bestnote AAA bedacht sind: Deutschland, Finnland, Luxemburg und die Niederlande. Allerdings haben die Agenturen den Ausblick beispielsweise für Deutschland bereits auf negativ gesetzt. Dies bedeutet, dass sie eine Herabstufung in Kürze für möglich halten.

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