Standard & Poor’s, das im Sommer mit einer spektakulären Herabstufung der USA Schlagzeilen machte, ist sicherlich die Ratingagentur, die am meisten um ihr in der Hypothekenkrise ruiniertes Ansehen zu kämpfen hat. Die eigene Nachlässigkeit in der Vergangenheit scheint man gelegentlich mit übertriebener Schärfe in der Gegenwart vergessen machen zu wollen.
Doch an einem Tag, an dem sich die wichtigsten Notenbanken der Welt, von den USA über Europa bis Japan, zu einer konzertierten Aktion zur Stabilisierung des globalen Finanzsystems aufgerafft haben, lassen selbst die graduellen Herabstufungen aufhorchen. Sie sind ein notwendiger Warnschuss, auch wenn sie manche Betroffenen wie die Bank of America „weniger schlimm als befürchtet“ genannt haben. Die Abwertung betrifft Banken auf der ganzen Welt. Das schärfere Urteil ist eine Erinnerung daran, dass eben auch außerhalb von Europa im Bankensystem nicht alles Gold ist, was glänzt.
Und diese Einsicht betrifft in vorderster Linie auch die USA, die den Europäern in jüngster Zeit immer wieder Lektionen in Sachen Stabilisierung der Finanzmärkte erteilt haben. Mithilfe von massiven Geldspritzen aus Steuergeldern und einer ohne die Skrupel der Europäischen Zentralbank agierenden US-Notenbank habe man das Weltfinanzsystem gerettet, betont US-Finanzminister Timothy Geithner immer wieder. Doch auch in den Vereinigten Staaten sind nicht alle Probleme gelöst – fast die Hälfte der 15 Herabstufungen betrifft US-Institute. Das Paradebeispiel für die weiter bestehenden Risiken ist die Bank of America, das größte Finanzinstitut der USA. Die Bank wurde in den vergangenen Monaten von den Nachbeben der Hypothekenkrise eingeholt. Sie hat in der Finanzkrise einen der größten Hypothekenvermittler der USA übernommen. Countrywide Financial wurde damit zwar gerettet – doch Bank of America unterschätzte die faulen Hypothekenkredite. In den USA gibt es immer noch keine Lösung für die enormen Verbindlichkeiten vieler Konsumenten und Hausbesitzer. 13,3 Billionen Dollar Kreditschulden stehen in den Büchern der Banken. Das sind fast doppelt so viel wie vor zehn Jahren und viermal mehr als vor einer Generation.
Viele dieser Schulden werden nie zurückbezahlt werden. Die USA haben zwar Schritte unternommen, um die Krise zu mildern, aber sie schwelt weiter. Die dadurch provozierten, kritischen Bewertungen ihrer Solvenz könnten für einige Banken richtig teuer werden. Als die Ratingagentur Moody’s beispielsweise Bank of America im September um zwei Stufen abwertete, sprach das Finanzinstitut davon, dass man vermutlich 3,2 Milliarden Dollar zusätzliche Sicherheiten aufbringen müsse, um spekulative Geschäfte mit den so genannten Derivaten abzusichern. Hinter den Herabstufungen steht nämlich auch die Einsicht, dass die großen Banken weltweit nicht mehr so einfach mit staatlicher Hilfe rechnen können, wenn sie sich wieder einmal verzocken sollten. Das ist im Sinne eines stabilen, globalen Finanzsystems unumgänglich.
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