Athen. Erleichterung in Griechenland nach dem Brüsseler Gipfelbeschluss: "Wir haben erreicht, was wir wollten - Hilfe zur Selbsthilfe", heißt es in Athener Regierungskreisen. "Uff - wir können aufatmen" titelte die regierungsnahe Zeitung "Ta Nea".
Auch die konservative "Apogevmatini" stellte fest: "Griechenland atmet durch". Und das Boulevardblatt "Ethnos" meldete ein "Sicherheitskissen Europas". Aber keines, auf dem sich die Griechen ausruhen können: Der Brüsseler Beschluss sei "sehr befriedigend", sagte Ministerpräsident Gi orgos Papandreou.
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Der Premier unterstrich aber: Die EU hat damit den Griechen keinen Freibrief, keinen Blankoscheck ausgestellt. Die Regierung sei jetzt entschlossener denn je, "die großen, einschneidenden Veränderungen in der Wirtschaft, in Politik und Gesellschaft unseres Landes anzugehen."
Der griechische Finanzminister, Giorgos Papakonstantinou, betonte, Griechenland hoffe, von dem jetzt aufgespannten "Sicherheitsnetz" niemals Gebrauch machen zu müssen: "Wir wollen uns auch weiterhin die benötigten Gelder am Kapitalmarkt leihen." Mit dem Brüsseler Beschluss sei aber die Gefahr eines griechischen Staatsbankrotts gebannt.
Die griechische Börse reagierte geradezu euphorisch auf die Entscheidung des Europäischen Rates: Zu Handelsbeginn schoss der Athener Aktienindex um fast vier Prozent in die Höhe. Besonders gefragt waren Bankaktien. Sie profitierten von einer Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die zumindest ebenso wichtig ist wie der Beschluss der EU-Staats- und Regierungschefs: Wie EZB-Chef Jean-Claude Trichet mitteilte, wird die Bank auch nach dem Jahresende 2010 Anleihen bis zur Bonitätsklasse "BBB-" als Sicherheiten akzeptieren.
Damit können sich die griechischen Geschäftsbanken, aber auch andere Kreditinstitute, die Anleihen dieser Güteklasse halten, auf längere Sicht bei der EZB zu günstigen Konditionen mit Liquidität versorgen. Zugleich stützt der EZB-Beschluss damit die Kurse der griechischen Staatsanleihen, die von zwei Ratingagenturen bereits in die Kategorie "B" heruntergestuft wurden.
Mit einiger Nervosität erwartet man nun im Athener Finanzministerium, wie die Märkte auf die Entscheidungen der EZB und des EU-Gipfels reagieren. Die Hoffnung ist, dass die Kurse der griechischen Staatsanleihen jetzt steigen und damit die Risikoprämien bei den Zinsen spiegelbildlich zurückgehen - ein Trend, der sich am Freitag bereits abzeichnete.
Bestätigt er sich, könnte die staatliche griechische Schuldenagentur bereits in den nächsten Tagen die Finanzmärkte mit einer neuen Anleihe testen. Bei der Ausgabe der jüngsten Staatsanleihe musste Griechenland den Anlegern noch 6,2 Prozent Zinsen zahlen - rund doppelt so viel wie der deutsche Finanzminister für vergleichbare Bundesanleihen anbietet.
Zinsen in dieser Größenordnung würden eine nachhaltige Konsolidierung der griechischen Staatsfinanzen unmöglich machen. Vor allem in den beiden kommenden Monaten hat Griechenland großen Finanzbedarf: im April und Mai werden Anleihen im Volumen von rund 22 Milliarden Euro fällig. Um diese Bonds zu refinanzieren, muss Athen bis Ende Mai noch rund 15 Milliarden an den Kapitalmärkten aufnehmen.
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