Mit einem eindringlichen Appell hat sich der griechische Regierungschef kurz vor der Parlamentsabstimmung über das Sparpaket direkt an das Volk gewandt.
In einer am Samstag im Fernsehen übertragen Rede warnte Lukas Papademos: „Wir sind nur einen Atemzug vom Ground Zero entfernt“. Eine ungeordnete Pleite würde das Mittelmeer-Land in ein desaströses Abenteuer führen. Die Folge wären ein Kollaps des Lebensstandards sowie Engpässe bei Treibstoff und Medikamenten.
Die Zustimmung des unter dem Druck der internationalen Geldgeber ausgehandelten Sparpakets durch das Abgeordnetenhaus am Sonntag ist Voraussetzung für das dringend benötigte zweite Hilfspaket über 130 Milliarden Euro.
Theoretisch verfügt die von den Konservativen und der sozialistischen Pasok unterstützte Regierung über ausreichend Stimmen. Allerdings wächst die Zahl der Gegner des im Volk unpopulären Sparkurses.
Rund 20 Abgeordnete der beiden großen Parteien trotzen eindringlichen Appellen der Parteiführungen und drohten mit Ablehnung. Allerdings sind mehr als 80 Rebellen nötig, um das Gesetz zu Fall zu bringen. Die kleine rechtspopulistische Laos-Partei hat der Regierung bereits ihre Unterstützung aufgekündigt.
Das Spar- und Reformprogramm soll mit tiefgreifenden Einschnitten die Forderungen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds erfüllen. Es sieht unter anderem die Entlassung von rund 15.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst sowie milliardenschwere Privatisierungen vor.
Die 170 Seiten lange Liste mit griechischen Schuldensündern umfasst einige der bekanntesten Namen des Jetsets, viele bekannte Unternehmer - und sogar Sportler.
An erster Stelle der Liste steht mit Nikolaos Kasimatis ausgerechnet ein Steuerberater. Fast eine Milliarde Euro (952 087 781,55) schuldet er griechischen Steuerbehörden. Die Presse nennt ihn den „Schuldenschreck“. Er sitzt im Gefängnis - bezahlt hat er noch nicht.
Der Besitzer der größten griechischen Auto-Pannenhilfe (Express Service), Giannis Paftopoulos steht mit 14,29 Millionen Euro in der Kreide.
Der frühere Besitzer der Fußballmannschaft von Paok Saloniki, Giorgos Batatoudis schuldet dem Staat 2,5 Millionen Euro.
Der Besitzer eines der größten griechischen Textilunternehmen (Makedonika Klostiria), Sami Fais muss noch 1,82 Millionen Euro an die Staatskasse zahlen.
Einer der bekanntesten griechischen Versicherungsbesitzer (Aspis), Pavlos Psomiadis, hat Steuerschulden über 1,15 Millonen Euro.
Der in Griechenland sehr bekannte ehemalige Basketballspieler Michalis Misunow (früher bei Aris Saloniki aktiv) schuldet dem griechischen Staat 614.000 Euro.
Der griechische Volksmusiksänger Tolis Voskopoulos ist noch 515.092 Euro schuldig.
(rtr)
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