kalaydo.de Anzeigen

Schuldenschnitt in Griechenland: "Wir sind dicht davor, die Sache abzuschließen"

Der von der griechischen Regierung herbeigesehnte Schuldenschnitt ist fast perfekt: "Wir sind dicht vor der Einigung", heißt es aus Verhandlungskreisen.

Ohne Schuldenschnitt keine Hilfszahlungen: Das weiß der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos.
Ohne Schuldenschnitt keine Hilfszahlungen: Das weiß der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos.
Foto: dapd

Das Pokern um einen Rettungsbeitrag der Privatgläubiger Griechenlands für das pleitebedrohte Land hat ein Ende. Im Rahmen eines freiwilligen Anleihentausches werden die Gläubiger auf 65 bis 70 Prozent ihrer Ansprüche (NPV) verzichten, wie ein mit dem Vorgang vertrauter Banker am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagte. „Wir sind sehr dicht davor, die Sache abzuschließen“, hieß es weiter. Eine vorläufige Einigung wurde für den Abend erwartet, über technische Details soll jedoch noch über das Wochenende weiter verhandelt werden.

Bereits am Morgen waren Ministerpräsident Lucas Papademos, Finanzminister Evangelos Venizelos und der Chef des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, zu einer weiteren Verhandlungsrunde zusammengekommen. Die Gespräche sollten am Abend (18.30 Uhr MEZ) fortgesetzt werden, wie Venizelos ankündigte. Davor geschaltet wurde noch eine Telefonkonferenz mit Vertretern der Euro-Zone. Der direkte Draht ist nötig, damit ein gemeinsamer Vorschlag aus Athen bereits bei einem Treffen der Eurofinanzminister am Montag erörtert werden kann.

Börse reagiert abwartend

Die Regierung in Athen feilscht bereits seit Monaten mit dem IIF über einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger. Der Schuldenschnitt ist die Voraussetzung dafür, dass das Euro-Land dringend benötigte Mittel aus einem 130 Milliarden Euro schweren Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) erhalten kann. Ohne das Geld droht dem Land bereits im März ein ungeordneter Bankrott, wenn Staatsanleihen im Volumen von 14,5 Milliarden Euro bedient werden müssen. Im Gegenzug für die Hilfen muss sich das Ägäisland jedoch auf weitere Reformen verpflichten - Gespräche darüber mit der Troika aus EU, IWF und EZB gingen in Athen am Freitag in die nächste Runde.

An der Börse wurden die Nachrichten von einer kurz bevorstehenden Abschluss der Verhandlungen mit Zurückhaltung aufgenommen. Zwar gebe es durchaus Hoffnung, dass eine Einigung erzielt und dadurch eine Pleite des Mittelmeerstaates verhindert werde, sagten Händler. Anleger hielten angesichts der Erfahrungen der vergangenen Monate ihr Geld aber lieber zusammen und warteten ab.

Privatbanken: Schuldenschnitt allein wird Probleme nicht lösen

Die Lage in Griechenland sei „wirklich ernst“, betonte der Präsident des deutschen Privatbankenverbandes BdB, Andreas Schmitz. Ein Schuldenschnitt allein werde die Probleme des Landes nicht lösen. Zugleich zeigte sich Schmitz mit Blick auf die laufenden Verhandlungen über einen Anleihetausch Griechenlands optimistisch: Er rechne mit einem Erfolg der Gespräche, sagte er, auch wenn diese angesichts der „heterogenen Gläubigerstruktur“ nicht einfach seien. Es komme dann aber auch darauf an, dass eine Einigung auch umgesetzt werde.

Aus den Verhandlungskreisen in Athen verlautete, der an die Investoren auszugebende neue Bond werde vermutlich eine Laufzeit von 30 Jahren haben und einen Tilgungsaufschub von zehn Jahren. Die Zinsen sollen demnach im Laufe der Jahre schrittweise steigen und im Schnitt im Bereich von vier Prozent liegen. Der Anfangszins soll bei 3,5 Prozent liegen. Die Höhe des Zinskupons hatte sich zuletzt als höchste Hürde bei den Verhandlungen erwiesen, da die Vorstellungen zwischen der griechischen Regierung und den Privatinvestoren zu weit auseinanderklafften. (rtr)

Datum:  20 | 1 | 2012
Kommentare:  1
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Spezial
Tag der Nachhaltigkeit - Für kurze Strecken mit dem Auto gibts ne 6. (Archivbild)

Wie grün ist die Stadt am Main und was muss sie tun, um noch grüner zu werden? Eine Nachhaltigkeitserie über Frankfurt - unterstützt von Siemens Deutschland.

Deregulierung

So sprachen sie vor der Krise

Von Sebastian Dullien | 1 Kommentar
Die großen Deregulierer: Christian Wulff, Peer Steinbrück, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz

Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index.  Mehr...

Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Video

Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.