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Schwachstelle Griechenland: Der Euro im Sog von Hellas

Die europäische Gemeinschaftswährung notiert so tief wie zuletzt im August. Das große Thema an den Märkten: Griechenland. Die Zweifel an der Stabilität Europas mehren sich. Von Bernd Salzmann

Fest verbunden: Der Euro und Griechenland.
Fest verbunden: Der Euro und Griechenland.
Foto: FR-Archiv

Erinnern Sie sich? Es ist ja noch nicht allzu lange her, da wurde bereits hitzig darüber diskutiert, wie tief der Dollar wohl noch fallen werde. Inzwischen ist es merklich still darum geworden. Kein Wunder: Am Mittwoch gab es in Asien gerade noch 1,4166 Dollar für einen Euro - so stark war die US-Währung zuletzt Mitte August vergangenen Jahres, und so schwach der Euro.

In der westlichen Hemisphäre ging es danach noch weiter bergab für die europäische Gemeinschaftswährung. Am Nachmittag notierte sie bei 1,4109. Matthias Grabbe, Devisenspezialist bei der BHF-Bank, erwartet sogar, dass der Euro kurzfristig noch weiter unter Druck gerät. 1,40 und sogar darunter hält er für möglich.

Das große Thema an den Märkten war gestern das von vorgestern und am Tag davor: Griechenland. Es verliert in einem besorgniserregenden Tempo an Reputation - und Euroland gerät in seinen Sog. Nie zuvor war es für Käufer griechischer Staatsanleihen so teuer wie heute, sich gegen einen Kreditausfall zu versichern. Der CDS-Spread für fünfjährige Bonds erreichte gestern mit 345 Punkten "ein neues Top" (Grabbe) - und übertrifft damit selbst noch Länder wie Bulgarien und den Libanon, die zwischen 220 und 240 rangieren. Deutschland, ein Primus in Europa, steht bei 31. In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt das: Wer zehn Millionen Euro in griechische Staatsanleihen investiert und sich gegen einen Kreditausfall versichern will, muss dafür 345000 Euro aufbringen. Griechenland läuft deshalb Gefahr, irgendwann keine Käufer mehr für seine Bonds zu finden. Über kurz oder lang würde das den Staatsbankrott bedeuten.

Politikern und Notenbankern ist es bisher nicht gelungen, die Sorgen an den Märkten zu dämpfen. All ihre Hoffnungen ruhen auf einer Haushaltssanierung. "Gelingt es dort nicht, die Haushaltsprobleme rasch in den Griff zu bekommen, wird die Diskussion um einen europäischen Bail-out (zu Deutsch "aus der Klemme helfen", die Red.) an Vehemenz gewinnen und schließlich eine Eigendynamik entfalten. Der am Ende resultierende Präzedenzfall würde aber die Legitimation des Euro in den übrigen Ländern massiv beschädigen und so an den Grundfesten der Währungsunion rütteln", erklärte Bundesbankvorstand Hans Georg Fabritius am Mittwoch.

Schlimm genug, aber wenn es nur das wäre. An den Märkten wird spekuliert, welches Euroland als nächstes in die Bredouille kommen könnte. "Folgt auf den Sirtaki der Fado?", ist eine Studie von Volkswirten der Bank Unicredit überschrieben.

"Griechenland zeigt die Schwachstellen des Systems", sagt Sonja Marten, Devisenspezialistin der DZ Bank. Andere Länder, andere Sitten. Also keine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik. Aber eine gemeinsame Währung. Diese Problematik sei schon bei der Euro-Einführung Thema gewesen, zumindest für die Kritiker, erinnert sich BHF-Experte Grabbe - und dann fällt das Wort, das derzeit alle Bankökonomen im Munde führen: konjunkturelle Divergenz.

Das macht Amerika und damit den Dollar stark. Dort würde keiner über den Austritt oder den Rauswurf Kaliforniens spekulieren. Im Unterschied zu Europa wird den USA zugetraut, schneller aus der Krise zu kommen. Das zieht Zinserhöhungen nach sich, und die ziehen Anleger an. Und dann ist da auch noch China, das seine Geldpolitik bereits zu straffen beginnt.

Schwarzmalerei aber bilde nicht die Realität ab, meint Grabbe. Der Euro befinde sich nicht im freien Fall. "Wir werden auch wieder eine Umkehr sehen", prognostiziert er. Auch DZ-Bank-Spezialistin Marten hält nichts davon, nach dem Dollar nun den Euro schwach zu reden. "Auch das halte ich für übertrieben", sagt sie.

Autor:  Bernd Salzmann
Datum:  21 | 1 | 2010
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