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Schweizer Bank: USA beschlagnahmen Millionen von Wegelin

Die USA haben 16 Millionen Dollar der Schweizer Bank Wegelin beschlagnahmt. Hintergrund ist eine Anklage gegen Wegelin aus der Schweiz wegen Steuerhinterziehung.

Das Bankhaus Wegelin in St. Gallen neben einem Verbotsschild (29. Januar 2012): Die USA werfen der Bank vor, US-Kunden beim verstecken von Steuergeldern geholfen zu haben.
Das Bankhaus Wegelin in St. Gallen neben einem Verbotsschild (29. Januar 2012): Die USA werfen der Bank vor, US-Kunden beim verstecken von Steuergeldern geholfen zu haben.
Foto: REUTERS
Hamden/Zürich –  

Die Vereinigten Staaten von Amerika lassen keinen Zweifel mehr daran, dass sie sich nicht länger von steuermüden Landsleuten und Schweizer Banken narren lassen wollen. Erstmals verklagen sie jetzt eine Bank aus Übersee wegen Steuerhinterziehung. Ihr Gegner ist ausgerechnet das älteste Bankhaus der Schweiz: Wegelin & Co. − beziehungsweise was davon übrig ist.

Staatsanwälte werfen der Privatbank Kumpanei mit wohlhabenden US-Amerikanern vor. Mindestens 1,2 Milliarden Dollar soll sie für ihre Kunden vor der Steuer versteckt haben. Steuerhinterziehung wäre demnach ein Haupttätigkeitsfeld der vornehmen Privatbankiers, die mit einem verwalteten Vermögen von gut 20 Milliarden Franken im internationalen Maßstab eher zu den kleineren Adressen zählen.

Vorwurf Steuerhinterziehung: Das trifft die acht Partner der Bank Wegelin hart.
Vorwurf Steuerhinterziehung: Das trifft die acht Partner der Bank Wegelin hart.
Foto: dpa

Dem US-Justizministerium zufolge versuchte Wegelin, „das illegale amerikanische grenzüberschreitende Bankgeschäft der UBS zu gewinnen und machte sich absichtlich daran, undeklarierte Konten für US-Steuerzahler zu eröffnen, die die UBS verließen.“ Den US-Kunden sei auch gesagt worden, dass Wegelin weniger Risiken biete, weil die Bank außerhalb der Schweiz nicht präsent sei und die Schweiz eine lange Bankgeheimnis-Tradition habe. Gemäß der Anklage half Wegelin auch zwei nicht genannten Schweizer Banken, Steuerschwarzgeld in die Heimat der US-Kunden zurückzuführen.

16 Millionen beschlagnahmt

Regierungsstellen in USA froren bereits ein sogenanntes Korrespondenzbankkonto von Wegelin bei der Schweizer UBS in den USA ein und beschlagnahmten 16 Millionen Dollar. Anders als die kleine Privatbank aus St. Gallen verfügt die Branchengröße aus Zürich über Filialen in den USA − und eine Filiale war nötig, um den vom Department of Justice beschriebenen reibungslosen Geldfluss zwischen den Akteuren zu gewährleisten.

So soll Wegelin Schecks an die US-Steuersünder geschickt haben, wenn sie auf ihr Schweizer Konto zugreifen wollten. Diese Schecks konnten sie bei US-Banken einlösen, die sich das ausgezahlte Geld wiederum vom Wegelin-Konto bei der UBS zurück holten. Gegenüber der Großbank würden „in diesem Zusammenhang keine Vorwürfe erhoben“, sagte ein Sprecher der UBS der Frankfurter Rundschau. Korrespondenzbankkonten seien „normale Praxis“.

Der UBS-Sprecher hat allen Grund dazu, das so deutlich zu betonen: Es war die größte Schweizer Bank, die einst den Steuerstreit zwischen den Ländern diesseits und jenseits des Atlantik ins Rollen brachte. 2007 leiteten die USA eine Untersuchung gegen die UBS wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung ein. Das Verfahren, in das sich auch die Schweizer Regierung einschalten musste, endete damit, dass die UBS 780 Millionen Dollar Strafe zahlte und mit dem Segen der Schweizer Behörden die Namen von 4450 US-Kunden herausgab.

Andere Schweizer Banken, darunter Wegelin, boten den Kunden nun angeblich Zuflucht an. Neben Wegelin stehen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zehn weitere Schweizer Banken, darunter Credit Suisse und Julius Bär, im Visier der US-Behörden. Mit der Anklage gegen Wegelin steigt der Druck auf diese Institute.

Wegelin selbst schweigt zu den Vorwürfen. Das Institut habe von der Klageschrift „Kenntnis genommen“, sagte ein Sprecher der Frankfurter Rundschau. Sie werde „im Detail von Anwälten analysiert“. Angaben zur Sache selbst macht er mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht.

„Kapitalflucht geschieht in Notwehr“

Andere hingegen reden Klartext. „Bei jeder anderen Bank wäre er wegen seiner Unbelehrbarkeit rausgeflogen, aber Wegelin war seine Bank“, heißt es in der Schweizer Zeitung Blick. Die Rede ist von Konrad Hummler, der im selben Medium als „der großmäuligste“ Bankier des Landes bezeichnet wird. Hummler hatte das Bankgeheimnis als „Asylrecht“ bezeichnet und Steuerhinterziehung öffentlich gerechtfertigt: „Kapitalflucht geschieht in Notwehr.“

Das Unheil ahnend, entschloss sich Konrad Hummler vorige Woche zu einem „radikalen Schritt“. Er und sein Partner Otto Bruderer brachten den Großteil der Kunden und Mitarbeiter wegen der „zunehmend bedrohlichen Situation“ in den USA in die neue Notenstein Privatbank ein, die sogleich komplett von der Raiffeisen Gruppe übernommen wurde. Wegelin hat nun nur das US-Geschäft − und einen mächtigen Gegner. Klagen können die Existenz einer Bank bedrohen, da Geschäftspartner und Kunden abspringen. (mit rtr)

Autor:  Bernd Salzmann
Datum:  3 | 2 | 2012
Kommentare:  2
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