Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

28. Februar 2011

Staatskrise: Der (Alp-)Traum von der Drachme

 Von Gerd Höhler
Griechenland - auf der Suche nach Wegen aus der Krise.  Foto: dpa

Wege aus der Krise? Ein Abschied vom Euro würde in Griechenland eine ökonomische Todesspirale auslösen. Linkspolitiker empfiehlt den Austritt aus der Staatengemeinschaft und die Einführung einer staatlichen Planwirtschaft.

Drucken per Mail

Viele Griechen haben noch etwas altes Geld: in Schubladen schlummern Drachmenscheine und Münzen. Ursprünglich als Andenken aufgehoben, könnten sich die Restbestände der ausrangierten Währung als nützlich erweisen. Wenn nämlich das hoch verschuldete Griechenland den Euro abgeben und zur Drachme zurückkehren muss. Diese Möglichkeit brachte jetzt eine Gruppe europäischer Ökonomen, darunter Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, ins Gespräch.

Aber was würde eine Rückkehr zur Drachme für Griechenland und den Euro bedeuten? Populär wäre ein solcher Schritt unter den Griechen nicht. Zwei Drittel, so eine Umfrage vom Dezember 2010, wären dagegen. Kein Wunder, denn die Drachme war eine schwindsüchtige Währung mit vielen Nullen. Als Griechenland Anfang 2002 der Währungsunion beitrat, bekam man für einen 10000-Drachmenschein, damals die größte Banknote, gerade mal 30 Euro. Zwar war fast jeder Grieche ein Drachmenmillionär, aber viel wert war das Geld nicht. Der Euro dagegen brachte relative Preisstabilität und ermöglichte günstige Kredite. Deshalb möchten die meisten Griechen ihn nicht wieder hergeben.

Manche Ökonomen argumentieren, mit einer Rückkehr zur Drachme könnte Griechenland abwerten. Damit würden sich die griechischen Exporte ebenso verbilligen wie die Dienstleistungen für ausländische Touristen.

Austritt aus der EU

Manche glauben auch politische Argumente für die Rückkehr zur Drachme zu haben: Mit dem Austritt aus der Währungsunion könne sich Griechenland aus dem „deutschen Gefängnis des Euro“ befreien, erklärt der griechische Politiker Panagiotis Lafazanis, Fraktionssprecher der Linksallianz Syriza. Er sieht die Wiedereinführung der Drachme als ersten Schritt zur sozialistischen Umgestaltung Griechenlands. Als weiteren Schritt auf diesem Weg empfiehlt Lafazanis den Austritt aus der Europäischen Union, die Verstaatlichung aller Banken, die Abschaffung des freien Kapitalverkehrs und die Einführung einer staatlichen Planwirtschaft – Nordkorea lässt grüßen.

Was der Linkspolitiker Lafazanis als Königsweg in ein sozialistisches Paradies erachtet, ist für den früheren sozialistischen Wirtschafts- und Finanzminister Giannos Papantoniou der sichere Abstieg des Landes in eine „ökonomische Hölle“. Tatsächlich hätte eine Rückkehr zur Drachme wohl verheerende Nebenwirkungen, die ihre ungewissen Vorteile bei weitem überwiegen würde. Die Griechen müssten ihre Staatsschulden von rund 340 Milliarden Euro mit Drachmen bedienen – ein Ding der Unmöglichkeit, vor allem wegen der massiven Abwertung, mit der die Währungsumstellung ja einher gehen müsste, um überhaupt Sinn zu machen.

Angst vor Kapitalflucht

Realistisch wäre eine Wiedereinführung der Drachme also nur, wenn Griechenland gleichzeitig den Staatsbankrott erklären und die Bedienung seiner Euro-Schulden einstellen würde. Zugleich müsste der Staat die Notenpresse anwerfen, um die heimischen Banken zu refinanzieren. Griechenland geriete damit in eine Todesspirale aus Inflation und immer neuen Abwertungen. Das Land würde wirtschaftlich ausbluten, soziale Unruhen wären programmiert.

Im Athener Finanzministerium heißt es denn auch, „jede Diskussion über eine Rückkehr zur Drachme ist irreal und schadet bei den Bemühungen des Landes, die Schuldenkrise zu meistern“. Denn Gerüchte über einen Austritt aus der Eurozone könnten zu einer massiven Kapitalflucht führen, weil viele Griechen versuchen würden, ihre Euro-Bestände ins Ausland zu schaffen.

Aber nicht nur für Griechenland hätte eine Rückkehr zur Drachme fatale Folgen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte zwar jetzt im Nachrichtenmagazin „Focus“, eine Wiedereinführung der Drachme sei „kein Tabu“; er halte sie aber für falsch. Der Minister sorgt sich offenbar, dass der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion das Vertrauen in den Euro erschüttern und eine Kettenreaktion auslösen könnte: „Das wäre der Anfang vom Ende der gemeinsamen Währung“, warnte Schäuble.

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Wirtschaft-Spezial

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Videonachrichten Wirtschaft

Deregulierung

So sprachen sie vor der Krise

Von Sebastian Dullien | 5 Kommentare
Die großen Deregulierer: Christian Wulff, Peer Steinbrück, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz

Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index.  Mehr...

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.