Als erste Großbank hat die britische Standard Chartered angekündigt, ihre Kreditbeziehungen zu Instituten in der Euro-Zone zu überdenken. „Wir haben uns das mal angeschaut und festgestellt, dass wir nicht mehr so stark vertreten sein müssen wie in der Vergangenheit“, zitierte die „Financial Times“ am Montag den Asien-Chef der Bank, Jaspal Bindra. „Das beträfe mehr als nur ein oder zwei Banken. Es ist angemessen zu sagen, dass wir insgesamt unser Engagement bei europäischen Banken reduziert haben.“
Wegen der Euro-Schuldenkrise leihen sich die Banken derzeit untereinander kaum mehr Geld, weil sie sich angesichts drohender Abschreibungen auf Staatsanleihen gegenseitig misstrauen. Sie parken ihr überschüssiges Geld lieber bei der Europäischen Zentralbank - trotz niedriger Zinsen.
Standard Chartered kappt laut Bindra zwar keine bestehenden Kreditverbindungen, überdenkt aber eine Verlängerung des Engagements bei Fälligkeit. Dabei hat die Bank dem Bericht zufolge vor allem die Geldhäuser im Visier, die möglicherweise Kapitalbedarf haben. Im Gegenzug würden chinesische Banken als Geschäftspartner interessanter. „Wir haben unser Engagement bei einigen der staatseigenen chinesischen Banken erhöht, weil das ja quasi-staatliche Anlagen sind und keine privaten Investments“, zitierte die Bank den Manager. Das Institut selbst war zunächst nicht erreichbar.
Top-Banker sorgen sich vor allem um die Refinanzierung ab einer Laufzeit von zwei Jahren. „Die Bereitschaft von Investoren, sich längerfristig in Banken zu engagieren, ist nicht sehr ausgeprägt“, sagte Deutsche-Bank -Chef Josef Ackermann vergangene Woche. Ohne Hilfen der EZB sähe die Lage noch dramatischer aus. Die Notenbank hat Banken in der Euro-Zone bislang rund eine halb Billion an Geldern zur Verfügung gestellt, um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden. Die europäischen Regierungen hoffen, dass nach den geplanten Kapitalstärkungen der Institute das Vertrauen zurückkehrt. (rtr)
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.
Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index. Mehr...