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Stresstest: Kapital-Lücke deutscher Banken wächst nicht weiter

Die milliardenschwere Kapitallücke deutscher Banken wird nicht noch größer - immerhin. Die EU-Bankenaufsicht will den Stresstest nicht weiter verschärfen. Die Banken atmen auf.

Die Banken-Stresstests sollen zeigen, ob die Geldinstitute ausreichend auf künftige Krisen vorbereitet sind.
Die Banken-Stresstests sollen zeigen, ob die Geldinstitute ausreichend auf künftige Krisen vorbereitet sind.
Foto: dpa
Berlin –  

Die deutschen Banken können ein wenig aufatmen: Die ohnehin milliardenschwere Kapitallücke, die sie bis Juni 2012 schließen müssen, wird nicht noch größer. Die EU-Bankenaufsicht EBA habe beschlossen, an die Kapitaldecke der Institute nicht noch höhere Maßstäbe anzulegen als geplant, sagten zwei mit den Plänen der Aufseher vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Damit müssen die fünf betroffenen deutschen Banken zusammen voraussichtlich 9,6 Milliarden Euro aufbringen, wie es in Regierungs- und Finanzkreisen hieß. Erste Berechnungen nach einem „Blitz-Stresstest“ im Oktober hatten für die deutschen Institute nur eine Lücke von knapp 5,2 Milliarden Euro ergeben.

Die im Oktober vorläufig ermittelte Zahl von 106 Milliarden Euro für die 70 wichtigsten europäischen Banken dürfte angesichts der Verluste im dritten Quartal ebenfalls noch gestiegen sein. Allein die Commerzbank braucht nach Reuters-Informationen fünf Milliarden Euro: Ihr Aufsichtsrat will am Freitag darüber beraten, wie sie die Lücke zu der geforderten harten Kernkapitalquote von neun Prozent schließen will, ohne dass Vorstandschef Martin Blessing noch einmal um Staatshilfe bitten muss.

Im Gespräch ist laut Finanzkreisen ein Paket von Maßnahmen, das einen Rückkauf von Hybridanleihen, die Ausgabe von Zwangswandelanleihen („CoCo-Bonds“) und eine Härtung der 750 Millionen Euro schweren Stillen Einlage der Allianz einschließt. Ein Befreiungsschlag für die Bank wäre eine Trennung von Teilen des Immobilienfinanzierers Eurohypo, die in die Hand des Staates gehen könnten. Entscheidungen wurden aber für Freitag noch nicht erwartet.

"Betriebswirtschaftlicher Wahnsinn"

Nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ plant die Bank bis Mitte 2012 mit einer Milliarde Euro Gewinn, mit dem die Kapitaldecke aufgestockt werden kann. Dazu kommt der Abbau von Bilanzrisiken um rund 30 Milliarden Euro. Diese müssten dann nicht mehr mit drei Milliarden Eigenkapital unterlegt werden. Dabei will Deutschlands zweitgrößte Bank dem Bericht zufolge Kunden in strategisch weniger wichtigen Märkten wie Russland oder Tschechien anbieten, Kredite vorzeitig zurückzuzahlen. „Das ist zwar betriebswirtschaftlich Wahnsinn, aber die Kapitalquote ist im Moment leider wichtiger“, zitierte die Zeitung einen Commerzbank-Manager.

Der Streit unter den Aufsehern hat die Ermittlung und die Veröffentlichung des endgültigen Kapitalbedarfs schon um mehr als zwei Wochen verzögert. Zuletzt drehte sich dieser um die unterschiedliche Berechnung des Eigenkapitals in europäischen Ländern. Die von der EBA geforderte Vereinheitlichung wäre vor allem zulasten der deutschen Institute gegangen. Das habe die deutsche Bankenaufsicht BaFin aber abgewendet, sagten mehrere Insider. Vor der Veröffentlichung soll am nächsten Mittwoch der Aufsichtsrat der EBA letzte Hand anlegen. Spätestens dann soll auch klar sein, in welchem Ausmaß Banken „CoCo-Bonds“ zur Deckung der Lücke verwenden dürfen, die sich erst in der Krise in Eigenkapital verwandeln.

Wegen der langen Unsicherheit über die Kriterien hatten die deutschen Bankenverbände die EBA gebeten, den Geldhäusern bis Mitte Januar Zeit für die Ausarbeitung ihrer Pläne zur Kapitalaufstockung zu geben. Bisher galt dafür eine Frist bis Weihnachten. In dem von Reuters eingesehenen Antwortbrief hat EBA-Chef Andrea Enria erstmals Bereitschaft signalisiert, den Instituten mehr Zeit zu geben. Vor allem die Landesbanken mit Kapitalbedarf - LBBW und NordLB - müssen die Maßnahmen in ihren Gremien noch abstimmen.

Der Deutschen Bank fehlen Finanzkreisen zufolge rund 2,8 Milliarden Euro. Die Lücke könne sie mit den erwarteten Gewinnen und einer leichten Reduzierung der Bilanzrisiken schließen - ohne eine Kapitalerhöhung. Die DZ Bank, die nach vorläufigen Berechnungen von einer Aufstockung verschont worden wäre, muss etwa 350 Millionen Euro aufbringen. (rtr)

Datum:  2 | 12 | 2011
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