kalaydo.de Anzeigen

Treffen der Finanzminister: "Alles hängt mit allem zusammen"

Wie der neue Finanzminister Wolfgang Schäuble sich mit trockenem Humor und bisweilen trivialen Sätzen an die globalen Finanzthemen wagt. Von Timot Szent-Ivanyi

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (rechts) und Bundesbankpräsident Axel Weber beim Treffen der G20-Finanzminister in St. Andrews, Schottland.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (rechts) und Bundesbankpräsident Axel Weber beim Treffen der G20-Finanzminister in St. Andrews, Schottland.
Foto: dpa

St. Andrews. Wolfgang Schäuble ist ein unbeschriebenes Blatt. Zumindest für die Organisatoren des Gipfels der G20-Finanzminister, die sich am Wochenende im schottischen St. Andrews trafen. Kein Foto, kein Name, nur ein weißes Feld und die Bemerkung "not confirmed" (nicht bestätigt) - das war alles, was sich unter "Germany" in der Teilnehmerliste fand.

Dabei hatte Schäuble schon bei seiner Amtsübernahme vor zehn Tagen seine Teilnahme an dem Treffen zugesagt. In der internationalen Finanzpolitik kenne er sich zwar noch nicht so gut aus, gab er zu. Es gehe ihm vor allem darum, seine Ministerkollegen kennenzulernen und zuzuhören.

Und das macht Schäuble in Schottland sehr konsequent. Er trifft sich mit fast allen Finanzministern zu Gesprächen, redet mit EU-Währungskommissar Joaquin Almunia und dem Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn. Schäuble will nicht nur in die komplizierten Finanzmarktthemen eindringen, sondern vor allem verstehen, wie seine Kollegen ticken.

Dass er fachlich noch nicht mithalten kann, grämt den neuen Minister nicht. Er hat zwar in den vergangenen Tagen stapelweise Akten studiert, wie seine Mitarbeiter berichten. Aber Schäuble sagt: "Ein Minister muss nicht alles wissen." Das ist auch ein Grund dafür, warum Schäuble bei der Wahl seiner engsten Mitarbeiter ganz pragmatisch vorgegangen ist. Finanz-Staatssekretär Jörg Asmussen etwa diente zwar in dieser Funktion schon Peer Steinbrück und ist selbst auch SPD-Mitglied. Doch für Schäuble zählt allein die Tatsache, dass Asmussen ein Fachmann und international bestens verdrahtet ist.

Asmussen, der das Wochenende in St. Andrews durchverhandeln muss, ist es dann auch. Ein eingespieltes Team sind die beiden noch nicht. Bei Fachfragen der Journalisten, die Schäuble nicht beantworten kann, rettet er sich mehrfach in langatmige Ausführungen über die Bedeutung einer Weltordnungspolitik, die in der Bemerkung gipfelt, alles hänge mit allem zusammen. Erst als er merkt, dass die Fragesteller gelangweilt die Augen verdrehen, darf Asmussen ran.

Bei der Abschluss-Pressekonferenz macht Schäuble dann aus der Not eine Tugend. Er kokettiert mit seinem Neuling-Status. Das tut er mit einem trockenen Humor, dem man dem ernst wirkenden 67-Jährigen gar nicht zutraut. "Sie müssen schon sagen, wer zuerst antworten soll", sagt er zu einem Journalisten, der eine Frage gleichzeitig an ihn und Bundesbankpräsident Axel Weber stellt: "Die bessere Antwort bekommen sie von Weber. Aber wenn sie wissen wollen, ob ich das Thema überhaupt begriffen habe, dann muss ich natürlich beginnen."

Autor:  Timot Szent-Ivanyi
Datum:  9 | 11 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

  • 6.784,79 Pkt. +56,60 (+0,84%)
  • 10.376,18 Pkt. +122,62 (+1,20%)
  • 780,29 Pkt. +6,44 (+0,83%)
  • 9.260,34 Pkt. +208,27 (+2,30%)
  • 1,3091 USD -0,0036 (-0,27%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Fotostrecke
Plaßmanns Krise (52 Bilder)
Spezial
Tag der Nachhaltigkeit - Für kurze Strecken mit dem Auto gibts ne 6. (Archivbild)

Wie grün ist die Stadt am Main und was muss sie tun, um noch grüner zu werden? Eine Nachhaltigkeitserie über Frankfurt - unterstützt von Siemens Deutschland.

Deregulierung

So sprachen sie vor der Krise

Von Sebastian Dullien | Kommentieren
Die großen Deregulierer: Christian Wulff, Peer Steinbrück, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz

Heute machen sich die Politiker wieder für Regulierung stark. Die Frankfurter Rundschau erinnert an die Worte von gestern - und veröffentlicht exklusiv den Deregulierungs-Index.  Mehr...

Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Video

Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.