St. Andrews. Wolfgang Schäuble ist ein unbeschriebenes Blatt. Zumindest für die Organisatoren des Gipfels der G20-Finanzminister, die sich am Wochenende im schottischen St. Andrews trafen. Kein Foto, kein Name, nur ein weißes Feld und die Bemerkung "not confirmed" (nicht bestätigt) - das war alles, was sich unter "Germany" in der Teilnehmerliste fand.
Dabei hatte Schäuble schon bei seiner Amtsübernahme vor zehn Tagen seine Teilnahme an dem Treffen zugesagt. In der internationalen Finanzpolitik kenne er sich zwar noch nicht so gut aus, gab er zu. Es gehe ihm vor allem darum, seine Ministerkollegen kennenzulernen und zuzuhören.
Und das macht Schäuble in Schottland sehr konsequent. Er trifft sich mit fast allen Finanzministern zu Gesprächen, redet mit EU-Währungskommissar Joaquin Almunia und dem Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn. Schäuble will nicht nur in die komplizierten Finanzmarktthemen eindringen, sondern vor allem verstehen, wie seine Kollegen ticken.
Dass er fachlich noch nicht mithalten kann, grämt den neuen Minister nicht. Er hat zwar in den vergangenen Tagen stapelweise Akten studiert, wie seine Mitarbeiter berichten. Aber Schäuble sagt: "Ein Minister muss nicht alles wissen." Das ist auch ein Grund dafür, warum Schäuble bei der Wahl seiner engsten Mitarbeiter ganz pragmatisch vorgegangen ist. Finanz-Staatssekretär Jörg Asmussen etwa diente zwar in dieser Funktion schon Peer Steinbrück und ist selbst auch SPD-Mitglied. Doch für Schäuble zählt allein die Tatsache, dass Asmussen ein Fachmann und international bestens verdrahtet ist.
Asmussen, der das Wochenende in St. Andrews durchverhandeln muss, ist es dann auch. Ein eingespieltes Team sind die beiden noch nicht. Bei Fachfragen der Journalisten, die Schäuble nicht beantworten kann, rettet er sich mehrfach in langatmige Ausführungen über die Bedeutung einer Weltordnungspolitik, die in der Bemerkung gipfelt, alles hänge mit allem zusammen. Erst als er merkt, dass die Fragesteller gelangweilt die Augen verdrehen, darf Asmussen ran.
Bei der Abschluss-Pressekonferenz macht Schäuble dann aus der Not eine Tugend. Er kokettiert mit seinem Neuling-Status. Das tut er mit einem trockenen Humor, dem man dem ernst wirkenden 67-Jährigen gar nicht zutraut. "Sie müssen schon sagen, wer zuerst antworten soll", sagt er zu einem Journalisten, der eine Frage gleichzeitig an ihn und Bundesbankpräsident Axel Weber stellt: "Die bessere Antwort bekommen sie von Weber. Aber wenn sie wissen wollen, ob ich das Thema überhaupt begriffen habe, dann muss ich natürlich beginnen."
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