Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat am Freitag die Bonität von 34 italienischen Banken herabgestuft. Davon betroffen sind unter anderen die Banken UniCredit, Intesa Sanpaolo, Banca Nazionale del Lavoro und Mediobanca. Sie wurden auf BBB+ mit negativem Ausblick heruntergestuft. Am 13. Januar hatte die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Italiens insgesamt um zwei Stufen herabgestuft. Das Land wird seitdem bei der langfristigen Bonität mit der Note BBB+ statt A bewertet.
Unter dem Druck der Finanzmärkte hatte das italienische Parlament im vergangenen Dezember den dritten Sparplan innerhalb eines halben Jahres verabschiedet. Die Verschuldung Italiens entspricht 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das Land steuert auf eine Rezession zu. Das Programm von Regierungschef Mario Monti zur Wiederankurbelung der Wirtschaft zeigt bislang noch keine durchschlagende Wirkung.
Für ihre Einstufungen verwenden die Rating-Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt in der Regel mit der Bestnote AAA, es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen unterteilt werden.
Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch Ramsch genannt wird. Die Skala reicht nach unten bis D. Diese bedeutet praktisch den Bankrott. Griechenland rangiert derzeit kurz vor D auf Stufe CCC. Das Land ist somit schlechter bewertet als Pakistan oder die Fidschi-Inseln.
Weltweit gibt es rund 150 Rating-Agenturen, aber viele sind nur regional oder für bestimmte Branchen von Bedeutung. Rund 90 Prozent des Marktes teilen die drei US-Firmen Standard & Poor’s, Moody's und Fitch unter sich auf. Zur Überwachung der Rating-Agenturen hat die EU eine neue Marktaufsichtsbehörde geschaffen. Die ESMA (European Securities and Markets Authority) ist in Paris angesiedelt und nahm ihre Arbeit zu Jahresbeginn auf.
Das Europaparlament fordert, dass die Rating-Agenturen zu mehr Transparenz bei ihren Bewertungen verpflichtet werden. Auch das Vergütungssystem solle geändert werden. Bislang zahlen Emittenten neuer Wertpapiere zumeist für die Noten ihrer Bonitätsprüfer. Dies sei, als ob Schüler ihre Lehrer für die Benotung zahlten, kritisiert Sven Giegold, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament. Bei grober Fahrlässigkeit oder Fehlverhalten sollen die Agenturen haften, schlagen EU-Abgeordnete vor. (afp/dpa)
Auch die Kreditwürdigkeit von Ägypten hat die Ratingagentur S&P weiter herabgestuft. Angesichts schwindender Auslandsreserven und den anhaltenden Unruhen im Land habe man die Kreditwürdigkeit Ägyptens von B+ auf B mit einem negativen Ausblick gesenkt, teilte S&P am Freitag mit. Der Übergang des Landes zur Demokratie könnte sich hinauszögern und zu schwächeren politischen Institution und weiteren Konflikten im Inneren führen, hieß es weiter. Der regierende ägyptische Militärrat hat eine Machtübergabe vor Ende Juni angekündigt. Die Demonstranten fordern den umgehenden Rücktritt der Generäle. (afp/dapd)
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