New York. Die US-Regierung muss den teilverstaatlichten Versicherungskonzern American International Group (AIG) mit weiteren 30 Milliarden Dollar stützen, um ihm vor dem Kollaps zu bewahren.
AIG meldete einen Quartalsverlust von 61,7 Milliarden Dollar - das ist fast eine halbe Million Dollar pro Minute. Der Verlust ist der höchste in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. Im gesamten Jahr 2008 hat der Versicherer damit ein Minus von knapp 100 Milliarden Dollar gemacht.
Zudem wandelt die Regierung Vorzugsaktien in Höhe von 40 Milliarden Dollar in Anteile um, "die Stammaktien ähneln", teilten das Finanzministerium und die Notenbank Federal Reserve mit. Auch sollen die Bedingungen für die bereits erhaltenen Regierungshilfen in Höhe von 152 Milliarden Dollar umstrukturiert werden.
AIG hatte sich mit Hypothekenpapieren verspekuliert, die in der Finanzkrise rapide an Wert verloren haben und nun nicht mehr verkauft werden können. Im September musste der ehemals größte Versicherungskonzern des Landes zum ersten Mal mit Steuerzahlergeld vor dem Kollaps gerettet werden.
Der Staat hielt seitdem rund 80 Prozent an dem ehemals größten Versicherer der Welt. "Die langfristige Lösung für das Unternehmen, die Kunden, die US-Steuerzahler und das Finanzsystem ist eine geregelte Restrukturierung und eine neue Ausrichtung der Firma", teilte Finanzminister Tim Geithner mit.
Geithner und der Notenbank-Chef Ben Bernanke warnten jedoch, dass AIG auch in Zukunft noch weitere Hilfen der Regierung in Anspruch nehmen könnte. Eine Pleite von AIG würde in den USA und darüber hinaus viele andere Institute mitreißen. Wegen diesem so genannten systemischen Risiko will die Regierung einen Zusammenbruch unbedingt verhindern.
Auch der Dow Jones Index reagierte auf die schlechten Aussichten: Er fiel am Montag kurz nach Börsenstart zum ersten Mal seit 1997 auf unter 7000 Punkte.
Im Gegenzug für die Staatsmilliarden überträgt AIG die Mehrheitsanteile an den beiden Lebensversicherungssparten AIA und Alico an die Notenbank des Bundesstaats New York. AIA gilt als Kronjuwel unter den asiatischen AIG-Sparten. AIG behalte die Kontrolle über AIA und Alico, die New Yorker Fed werde aber gewisse Rechte erhalten, um ihre Interessen zu wahren.
Die Rolle der US-Regierung ändert sich damit von einem kurzfristigen Kreditgeber zu einem langfristigen Investor. Ursprünglich war vorgesehen, dass AIG durch den Verkauf von Konzernteilen die Staatsmilliarden zurückzahlt. Doch der Verkauf geht nur schleppend voran. AIG-Chef Edward Liddy hat auf diese Weise erst 2,4 Milliarden Dollar auftreiben können.
An den Verhandlungen über neue Regierungshilfen waren auch führende Ratingagenturen beteiligt. Ohne weitere staatliche Eingriffe hätte eine Abstufung der Bonität gedroht, was AIG weitere Milliarden gekostet hätte. Denn der Konzern muss im Falle einer Abstufung Banken, die es gegen Kreditausfälle versichert hat, Barsicherheiten von mindestens sieben Milliarden Dollar stellen.
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