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Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

21. April 2010

Weltwirtschaft: Banken reichen Krise weiter

 Von Markus Sievers
Der Internationale Währungsfonds ist zu Finanzhilfe bereit, aber − wie Proteste in Griechenland zeigen − nicht überall willkommen.Foto: afp

Banken wanken nicht mehr - sie konnten von den Rettungsprogrammen profitieren - sondern ganze Staaten. Der IWF warnt: Hoch verschuldete Volkswirtschaften können an ihrem Defizit zugrunde gehen. Von Markus Sievers

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Erst kippen Banken - dann wackelt die Wirtschaft. Nun muss der Staat helfen. Reden Sie mit über Wege aus der Krise

Berlin. In der weltweiten Finanzkrise haben sich die Risiken nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) von den Banken auf die öffentlichen Haushalte verlagert. Demnach wackeln nicht mehr so sehr die Geldinstitute, sondern die unter den Schuldenbergen ächzenden Staaten.

Während die einen von den massiven staatlichen Rettungsprogrammen profitieren und sich stabilisieren, drohen die anderen unter den Kosten des Noteinsatzes zusammenzubrechen.

Der Internationale Währungsfonds ist zu Finanzhilfe bereit, aber  − wie Proteste in Griechenland zeigen − nicht überall willkommen.
Der Internationale Währungsfonds ist zu Finanzhilfe bereit, aber − wie Proteste in Griechenland zeigen − nicht überall willkommen.
Foto: afp

"Die größte Bedrohung hat sich verschoben vom privaten zum öffentlichen Sektor in entwickelten Volkswirtschaften", stellt der IWF fest. Wie die Griechenland-Krise zeigt, bedrohen die Schuldenlasten vor allem hoch entwickelte Volkswirtschaften in Europa und Nordamerika, weniger die Schwellenländer in Asien und Lateinamerika.

Erstaunlich gut stehen die Banken dar. Ganz besonders gilt dies für die deutschen Adressen. Sie haben laut IWF die Finanzkrise weitgehend verarbeitet und 80 Prozent ihrer Verluste von insgesamt 261 Milliarden Dollar bereits abgeschrieben. Weltweit liege der Durchschnitt bei 65 Prozent.

Der Internationale Währungsfonds, und dessen Chef Dominique Strauss-Kahn, sind zu Finanzhilfen bereit.
Der Internationale Währungsfonds, und dessen Chef Dominique Strauss-Kahn, sind zu Finanzhilfen bereit.
Foto: dpa

Aber rund um den Erdball ist die Finanzbranche glimpflicher davon gekommen als angenommen. Gegenüber Oktober schraubte der IWF seine Schätzung der Gesamtverluste bei Krediten und Verbriefungen um eine halbe Billion Dollar auf 2,3 Billion Dollar (1,7 Billionen Euro) herunter. Dies begründet er mit der verbesserten Konjunktur und der Entspannung an den Finanzmärkten.

Landesbanken unter Druck

Entwarnung gibt der Währungsfonds gleichwohl nicht. Die Erholung in der Finanzbranche sei fragil und erfasse nur einzelne Bankengruppen. Die Bankbilanzen enthielten noch immer in großem Umfang giftige Papiere, die wirtschaftlichen Aktivitäten von Verbrauchern und Firmen stockten weiterhin. Auch der Kreditfluss sei bislang nicht wie gewünscht in Gang gekommen.

Große Unterschiede weist der Bericht auch für die verschiedenen Gruppen im deutschen Bankenmarkt aus. So gut wie durch sind der Analyse zufolge die privaten Institute, die den Großteil ihrer Einbußen aus Krediten und Verbriefungen aufgedeckt und verarbeitet hätten. Dagegen kämen auf die Landesbanken und Sparkassen in diesem Jahr Verluste aus diesen Geschäften von 47 Milliarden Dollar zu.

Öffentlich-rechtliche Anbieter wie die BayernLB, die WestLB oder die HSH Nordbank waren durch Fehlspekulationen in Schieflagen geraten und mussten auf Kosten der Steuerzahler gestützt werden. Die übrigen Banken hierzulande haben laut IWF einen Abschreibungsbedarf von 21 Milliarden Dollar.

Kredite für Griechenland

Mit der Frage, wie die Banken an den Kosten der Krise beteiligt werden können, wollen sich Ende der Woche die Finanzminister der 20 wichtigsten Volkswirtschaften (G 20) auf ihrem Gipfel und der Frühjahrstagung des IWF befassen. Die deutsche Bankenabgabe sei innerhalb der G 20 umstritten, räumten Regierungsvertreter am Dienstag ein.

Unter anderem leisteten Kanada und Australien Widerstand. Unterstützung komme aus den USA und Großbritannien sowie von Frankreich. Als Nachteil der Bankenabgabe gilt, dass sie nur eine Branche belastet und führende Spekulanten wie Hedge-Fonds außer Acht lässt.

Thema in der US-Hauptstadt wird auch die Griechenland-Krise sein. Die Euro-Länder werden an Athen im Notfall gemeinsam Darlehen geben und keine Anleihen kaufen. Dies stellte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen klar. Geplant sei bei Bedarf ein "gepoolter Kredit". Seinen Anteil würde Deutschland über die staatliche KfW beisteuern und mit einer Bundesgarantie versehen.

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