Schuldenkrise
Die Krise hat Europa im Griff

02. Januar 2013

Wirtschaftskrise: Griechenlands heimliche Helfer

 Von Daniela Vates
Klassisch schön: Griechische Schauspielerinnen mimen Priesterinnen bei einem Olympia-Ritual an der antiken Sportstätte. Foto: PETROS GIANNAKOURIS/AP/dapd

Anpacken statt ablästern: Wir stellen fünf Deutsche vor, die den Menschen im vielgeschmähten Krisenstaat Griechenland mit Rat und Tat zur Seite stehen. Weil das Land sie begeistert.

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Anpacken statt ablästern: Wir stellen fünf Deutsche vor, die den Menschen im vielgeschmähten Krisenstaat Griechenland mit Rat und Tat zur Seite stehen. Weil das Land sie begeistert.

Griechenland sei immer ein Sehnsuchtsort für sie gewesen, hat Angela Merkel neulich erzählt. Damals, als sie noch nicht Kanzlerin war, als es die DDR noch gab und für sie am südbulgarischen Pirin-Gebirge Schluss war mit dem Reisen. Griechenland war von dort nicht weit, aber eben nicht erreichbar und Merkel sagt, sie habe gedacht: „Da möchtest du einmal in deinem Leben hin.“ Die künftige Kanzlerin ist mit dieser Sehnsucht nicht alleine gewesen.

Das Wort „Griechenland“ weckte – zumindest nach Ende der Militärdiktatur Mitte der 70er-Jahre – positive Assoziationen: kleine Inseln, antike Stätten, Philosophen, Strände, weiße Häuser, Tavernen, gemächliches Leben. Das hat sich gewandelt: Bei Griechenland dominieren heute, in Zeiten der milliardenschweren Euro-Rettung, negative Vokabeln wie Krise, Korruption, Schulden und Misswirtschaft. Es werden die Geschichten von griechischen Familien erzählt, die für ihren bereits toten Großvater noch Rente bezogen. Deutsche Politiker sagen Sätze wie: „Griechenland darf kein Fass ohne Boden werden.“ Und dass die deutschen Sparer nicht haften dürften für griechische Versäumnisse.

Verzweiflung über Sparprogramme

Aus Griechenland schallt es – teils ebenfalls vorurteilsbeladen – zurück. Die Verzweiflung über Sparprogramme, über drastisch gekürzte Renten und Gehälter, über steigende Arbeitslosigkeit ist groß. Da steht in Boulevardmedien und auf Demonstrationen der hässliche Deutsche wieder auf, als Besatzer und Spardiktator. Die Kanzlerin wird in Nazi-Uniform gezeigt, ein deutscher Konsul wird von Demonstranten mit Kaffee bekleckert.

Das sind die lauten Töne auf beiden Seiten, die häufig die Nachrichten bestimmen, weil das Drastische meist mehr Aufmerksamkeit bekommt als etwa die Demonstranten, die nur ruhig mitlaufen. Natürlich gibt es auch die. Und in Deutschland gibt es Leute, die bei Griechenland nicht nur an Milliarden denken, sondern von Land und Leuten schwärmen. Die nicht auf Merkel und Brüssel und das nächste Hilfsprogramm warten, sondern selber aktiv werden. Erste Kontakte haben viele über die deutsch-griechische Versammlung geknüpft, bei der sich Bürgermeister, Landräte und Gouverneure beider Länder treffen. Von Know-how-Partnerschaften, bei denen Wissen ausgetauscht wird, spricht die Bundesregierung. Parallel hat sich eine Initiative gegründet, die deutsche und griechische Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) miteinander verbinden will.

Fingerspitzengefühl gefragt

Es sind kleine Projekte, die angesichts der großen Probleme noch kleiner erscheinen. Es gilt, Widerstände zu überwinden und Fingerspitzengefühl zu zeigen: Nicht als Besserwisser auftreten, sondern als Partner. Vermutlich hilft die Überzeugung von Katrin Brenner von der Iserlohner Stadtverwaltung, die daran erinnert, dass auch in Deutschland fast jeder nach Steuerschlupflöchern sucht, und dass die eben einfach nicht so groß seien wie in Griechenland: „Augenbrauenhochziehen können wir uns nicht leisten“, sagt Brenner. Hier fünf Beispiele von Leuten, die die Augenbrauen unten lassen.

Internet-Seite für Städte und Kommunen: Deutsch-Griechische Versammlung – www.grde.eu
Anlaufstelle für Bürgerinitiativen, Verbände, Nicht-Regierungs-Organisationen: Greek-German Civil Society Initative – www.ggcs.eu
Kontakt für Feuerwehrfreunde: Förderverein des griechischen Feuer-, Zivil- und Katastrophenschutzes – www.freunde-esepa.de

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