Sachsen hat das strukturell leistungsfähigste Bildungssystem Deutschlands, gefolgt von Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern. Das Schlusslicht aller 16 Bundesländer bildet Schleswig-Holstein, knapp hinter Berlin. Hessen landet auf Platz 9.
Das ist das Ergebnis des Bildungsmonitors 2012, einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Der zum neunten Mal veröffentlichte Bildungsmonitor bewertet anhand von 13 Handlungsfeldern die Infrastruktur und Teilhabechancen in den Bildungssystemen der Bundesländer.
Die Spitzenreiter Sachsen und Thüringen bieten laut Studie sehr gute Bedingungen für eine individuelle Förderung von Kindern aus sogenannten bildungsfernen Haushalten. „Beide Länder bekämpfen erfolgreich die Entstehung von Bildungsarmut“, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Berlin. Sie böten zudem einen breiten Zugang zu akademischen Abschlüssen. „Thüringen gibt pro Kopf am meisten Geld für die Bildung seiner Bürger aus“, sagte Pellengahr.
Seit Pisa 2001 haben alle Bundesländer große Fortschritte gemacht, lautet das Urteil des IW-Bildungsökonomen Axel Plünnecke. Exemplarisch zeige sich das am Ausbau der Kitaplätze für Kinder unter drei Jahre. Das Angebot stieg in den letzten fünf Jahren von 13,6 auf 25,2 Prozent. Auch das Ganztagsangebot an Schulen verbesserte sich.
Als Folge dieser Fortschritte holten Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Bildung auf. Verließen im Jahre 2000 noch fast 20 Prozent aller „ausländischen Schulabgänger“ ohne Abschluss die Schule, so waren es im Jahre 2010 etwa 13 Prozent. Dafür erlangten 12,5 Prozent die Studienberechtigung, gegenüber 7,6 Prozent im Jahre 2000. Die Abiturientenquote insgesamt stieg an allgemeinbildenden Schulen seit 2011 von 29,9 auf 31 Prozent, der Anteil der Absolventen in den Ingenieurwissenschaften von 16,3 auf 16,9 Prozent. Bis 2010 sei die Wertschöpfung in Deutschland allein durch die Zunahme an Hochschulabsolventen seit dem Jahr 2000 um 9,4 Milliarden Euro gestiegen, so die Autoren der Studie.
Allerdings unterscheiden sich die Quoten zwischen den Ländern noch immer sehr stark. So liegt zum Beispiel Bayern hinter den ersten drei Ländern vor allem beim Ausbau der Kitaplätze für Unter-Drei-Jährige zurück. Auch ist die Zahl der Hochschulabsolventen, gemessen am Bedarf der Wirtschaft, zu gering.
Im Vergleich zum Bildungsbarometer 2011 verbesserten sich einige Länder besonders deutlich, darunter Hamburg und Bremen. Hamburg stieg gar von Platz 14 auf Platz 8. Hier wuchs unter anderem der Anteil der Grundschüler, die in Ganztagsschulen lernen, von 18,2 auf 29,2 Prozent.
Das Land Hessen wiederum liegt auf Rang 9. Erheblicher Ausbaubedarf bestehe hier laut Studie bei der frühkindlichen Förderung und dem Ausbau der Ganztagsschulen.
Dass Berlin seine „rote Laterne“ an Schleswig-Holstein abgeben konnte, liege an den besonderen Stärken der Hauptstadt „bei der Forschungsorientierung, der Förderinfrastruktur und den Betreuungsbedingungen“, sagen die Autoren der Studie. Verbessert hat sich Berlin in vielen Bereichen. So sank die Zahl der ausländischen Schulabbrecher von 1 217 im Jahr 2000 auf 711 im Jahr 2010. Mit 17,1 Prozent ist die Quote aber noch immer sehr hoch.
Gerade aus Berlin hatte es jüngst auch Kritik am Bildungsmonitor gegeben. So monierte im Jahre 2011 der damalige Bildungssenator Jürgen Zöllner eine Verzerrung bei der Messung des Stellenwerts, den die Bildung im Landeshaushalt hat. Obwohl Berlin bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Schüler bundesweit an der Spitze liege, lande es im Bildungsmonitor hinten, kritisierte Zöllner. Die Studie erfasse nämlich die relativen Bildungsausgaben. Und diese seien in Berlin geringer, angesichts der hohen Schulden und der immensen Transferleistungen, die die Stadt aufgrund ihrer sozialen Situation zu zahlen habe.
Auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist als Auftraggeber der Studie nicht unumstritten. Das Bündnis wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie bezahlt, sie gilt als neoliberal. Gleichwohl bezeichnet der INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr Investitionen in die Bildungssysteme als „investive Sozialpolitik“. Dabei hätten alle Länder noch immer viel zu tun, vor allem beim Ausbau der frühkindlichen Betreuung und der Erschließung weiterer Reserven.
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