Die Lern- und Lebensbedingungen für Schüler in Deutschland sind sehr uneinheitlich. Am besten lernt es sich im Main-Spessart-Kreis, nördlich des bayerischen Würzburg. Die schlechtesten Bedingungen herrschen dagegen in der Stadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt der „Deutsche Lernatlas 2011“, den der Spiegel am Montag veröffentlicht hat.
Um eine erste deutsche Übersicht in dieser Form zu schaffen, hat die Bertelsmann-Stiftung Deutschland in 412 Kreise und kreisfreie Städte zerlegt. In ihrer Bewertung stützte sie sich auf den Unesco-Bericht zur „Bildung für das 21. Jahrhundert“, der 1996 vier Bereiche des Lernens definierte: das schulische, das berufliche, das soziale und das persönliche Lernen. Die Qualität dieser Bereiche misst der Atlas an verschiedenen Kategorien, unter anderem an der Lernkompetenz der Grundschüler im Lesen, der Zahl der Klassenwiederholer, den Schulabgängern mit Abschluss, der Teilnahme an beruflicher Weiterbildung, der Arbeitslosigkeit, dem Engagement der Bürger für das Gemeinwohl, für Ältere, Kinder und Jugendliche. Dazu kommen die Wahlbeteiligung, die Nutzung von Bibliotheken, oder die Zahl der Museumsbesuche.
Bayern vorn, Bremen hinten
Alles zusammengenommen, finden sich die besten Bedingungen im Süden Deutschlands. Die schlechtesten Landkreise in Bayern und Baden-Württemberg seien noch immer besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg- Vorpommern, bilanziert die Bertelsmann-Stiftung. Eine Ausnahme bilde Sachsen, das besser sei als alle Bundesländer im Norden, wo „die große Leere“ herrsche. Das schulische und berufliche Lernen machen zwei Drittel der Gesamtpunktzahl aus. Die Stiftung wertete dazu bereits vorhandene Daten aus.
Beim Gesamtvergleich der 16 Bundesländer führt Bayern, das Schlusslicht bildet Bremen. Hessen liegt auf Platz 5, Berlin auf Platz 13. Nimmt man allerdings einzelne Bereiche, entstehen verschiedene Bilder. In der Kategorie persönliches Lernen etwa liegt Berlin weit vorne, wegen seines guten Angebots an Museen, Theatern und Bibliotheken. Unter den großen Städten ist München Spitzenreiter. Beim sozialen Lernen führt Stuttgart, beim beruflichen Lernen München, beim schulischen Lernen Dresden.
Es gibt eine scharfe Ost-West-Teilung, was das soziale Lernen betrifft. Der Osten liegt hier weit zurück. Grund sei, dass nach dem Zusammenbruch der DDR auch deren soziale „Engagementstrukturen“ zusammengebrochen seien, so die Studie.
Weiteres: www.deutscher-lernatlas.de
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