Seit 2006 wird der Deutsche Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung an Schulen verliehen, die sich mit innovativen Konzepten, aber auch mit Mut und Engagement den Herausforderungen der Zukunft stellen.
Der Hauptpreis ist mit 100.000 Euro dotiert und geht in diesem Jahr an die Evangelische Schule Neuruppin. Vier weitere Preise, mit je 25.000 Euro, gehen nach Bochum, Bonn, Bremen und Hamburg. Den Sonderpreis der Jury mit 15.000 Euro enthält eine Schule im nordrhein-westfälischen Harsewinkel.
122 Schulen hatten sich beworben, 20 kamen in die engere Auswahl. Jede wurde zwei Tage lang inspiziert – nach den Kriterien Unterrichtsqualität, Leistung, Umgang mit Vielfalt und Verantwortung, sowie danach, ob sie sich als lernende Institution begreifen.
An Premieren mangelte es in diesem Jahr nicht: Zum ersten Mal haben führende Bildungsforscher ein Gymnasium zur besten Schule Deutschlands gekürt, zum ersten Mal eine konfessionelle Schule und zum ersten Mal eine, die in den neuen Ländern steht: Das Evangelische Gymnasium in Neuruppin ist Träger des Hauptpreises des Deutschen Schulpreises 2012.
In den vergangenen Jahren erhielten Grund- und Gesamtschulen sowie eine Krankenhausschule den Preis. Dass nun mit der Schule im Norden Brandenburgs erstmalig ein Gymnasium gekürt wurde, war dem Sprecher der Jury bei der Preisverleihung in Berlin dann auch eine Bemerkung wert. Bisher, erklärte der Innsbrucker Bildungswissenschaftler Michael Schratz, hätte kein Gymnasium die Kriterien erfüllt. Das Evangelische Gymnasium in Neuruppin aber sei in allen Bereichen exzellent.
Gegründet wurde die Schule von Menschen, die den Mut hatten und die Mühe nicht scheuten, nicht lange nach der Wende etwas Neues zu versuchen: Im Jahr 1993 machte sich eine Elterninitiative auf den Weg, eine Schule zu schaffen, die zu den ersten konfessionellen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gehörte – und die eine ganz neue Lernkultur schuf. Mit 78 Schülern und fünf Lehrern begann man; heute gehören zu der Schule in Trägerschaft der Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg auch eine Grundschule und eine Oberschule. Insgesamt lernen 982 Schüler auf dem Gelände der ehemaligen russischen Kaserne im offenen Ganztagsbetrieb.
Besonders beeindruckt hat die Jury, die zwei Tage an der Schule zu Besuch war, die enge Bindung zwischen Lernenden und Lehrenden. Da berichteten Schüler, die kurz vor dem Abi alles hinschmeißen wollten, die Schulleiterin habe sie persönlich besucht und überredet, es doch bitte weiter zu versuchen. Da wurde Schülern nicht nur das selbstständige Lernen, sondern auch das selbstständige Lehren zugetraut: Regelmäßig unterrichten Schüler des Gymnasiums die Klassen an der Grundschule. Auch das Schülercafé ist in den Händen jugendlicher Geschäftsführer. Traditionell religiös, erklärte Jury-Mitglied Schratz, sei die Schule zwar nicht. „Aber sie legt Wert auf starke Bindungen. Das ist wichtig. Denn wir wissen: Ohne Beziehung funktioniert Lernen nicht.“
Dies zeichnet auch die mit den zweiten Preisen gekürten Schulen aus. Sie bemühen sich um jeden einzelnen Schüler, holen ihn da ab, wo er steht, und helfen ihm, so weit zu kommen, wie er kann. Besonders beeindruckend können das ganz offenbar Schulen, die dazu gezwungen sind, sich auf nicht nur unterschiedliche, sondern auch dauernd neue Schüler einzustellen: Mit der Paul-Martin-Schule in Bonn wurde bereits zum zweiten Mal eine Krankenhausschule gekürt – und damit eine Schule, an der Kinder und Jugendliche für ein paar Wochen oder Monate nach ganz verschiedenen Lehrplänen lernen und von denen viele wegen psychiatrischer Erkrankungen in Behandlung sind.
Auch die Grundschule am Pfälzer Weg in Bremen ist ein Ort, an dem die Vorstellung fantasievollen Unterrichts, der jeden anspricht, zunächst schwerfällt. Sie steht inmitten der Trabantenstadt Osterholz-Tenever, die Mitte der 70er-Jahre von der gewerkschaftseigenen Neuen Heimat als moderne Wohnstätte erdacht wurde – und kaum zehn Jahre später zu einem Ort wurde, aus dem die Massen flohen. Jede dritte Wohnung wurde im vergangenen Jahrzehnt abgerissen.
Inmitten dieser Tristesse erlebt der Besucher – auch die FR vor einigen Jahren – die Schule als Insel fröhlicher Lebendigkeit. Mit einer Grundstimmung, die einen spüren lässt, dass die Schüler hier gerne lernen. Neun von zehn haben einen Migrationshintergrund. In der Schule arbeiteten Lehrer, heißt es in der Laudatio, die sich „mit großer Energie und Leidenschaft“ dafür einsetzten, dass „niemand in der Anonymität der hoch aufragenden Wohntürme verlorengeht“. Die Schulleiterin Maresi Lassek nennt es: „die Schätze der Kinder heben“. Und sie sagt, dass die Kompetenzen der Kinder mit der Sprache, die sie sprechen, nichts zu tun hätten.
Ein anderer wertvoller Hinweis, was eine gute Schule auszeichnet, kam von Anke Bachmann, der Leiterin der Evangelischen Schule Neuruppin. Was denn das schädlichste für eine Schule sei, fragte die Moderatorin Gabi Bauer. „Schlechte Laune!“, antwortete die gekürte Schulleiterin. Weitere zweite Preise gingen an die Erich-Kästner-Schule in Bochum und die Schule Rellinger Straße in Hamburg.
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