In den neuen Bundesländern wissen die Schüler im Durchschnitt mehr über die Geschichte als in den alten. Außerdem lernen sie im zeitgeschichtlichen Schulunterricht mehr hinzu. Dies ist das Fazit einer Studie des Forschungsverbunds SED-Staat der Freien Universität (FU) Berlin.
Bereits im Juni hatten die Wissenschaftler um den FU-Historiker Klaus Schroeder Ergebnisse einer Befragung von 7500 Neunt- und Zehntklässlern veröffentlicht. Nun liegt eine weitergehende Studie vor. Dafür wurden 785 Schüler verschiedener Schularten in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren mehrfach befragt. Damit sollte auch der Wissenszuwachs im Unterricht erfasst werden.
Am 13. August beginnt in Hessen das neue Schuljahr 2012/ 2013. Die Zahl der Lehrerstellen steigt auf rund 50.400. Laut Kulturministerium sollen 150 neue Lehrer eingestellt werden, Gymnasien sollen zwischen G8 und G9 wählen können. Kultusministerin Nicola Beer geht davon aus, dass die meisten beim Turbo-Abitur (G8) bleiben werden. Zugleich soll G8 verbessert und geprüft werden. Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen (Inklusion) bekommt keine besondere Priorität. Beer will abwarten, wie sich die Anmeldezahlen an den Förder- und den Regelschulen entwickeln. Beide Systeme sollen nebeneinander bestehen bleiben. Islamunterricht soll laut Beer zum Schuljahr 2013/14 starten. Allerdings seien mit den muslimischen Partnern noch Einzelheiten zum Unterricht zu klären. Wie sieht es in den übrigen Bundesländern aus?
Hitler wird relativiert
„In Thüringen wissen die Schüler überdurchschnittlich viel über die deutsche Zeitgeschichte“, lautet das Urteil der Forscher. Sie führen das auf einen guten Geschichtsunterricht zurück. Im untersuchten Zeitraum lernten die Neunt- und Zehntklässler so viel hinzu, dass sie sich bei der Beantwortung der Fragen um 11,5 Prozentpunkte verbesserten.
Wissen und Einstellungen fallen jedoch oft auseinander. So ist zum Beispiel das zeitgeschichtliche Wissen der Schüler in Sachsen-Anhalt am größten unter allen fünf Bundesländern. Zugleich meinen 25 Prozent der Schüler, die Politik Adolf Hitlers wäre richtig gewesen, hätte es den Zweiten Weltkrieg und die Judenvernichtung nicht gegeben. In Nordrhein-Westfalen wiederum ist nicht nur das Wissen am geringsten. Hier gibt es auch den höchsten Anteil von Schülern, die den Nationalsozialismus positiv bewerten.
Die mangelnde Fähigkeit vieler Schüler, zwischen Demokratie und Diktatur zu unterscheiden, sehen die Forscher als besonders problematisch an. Trotz eines relativ großen Geschichtswissens hat ihren Aussagen zufolge mehr als die Hälfte der Thüringer Schüler ein neutrales oder positives DDR-Bild. Offenbar wird es weniger durch die Schule als durch Eltern und Großeltern geprägt.
Bayerische Schüler wiederum glauben zu 60 Prozent, dass man sich in der Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung nicht mit rechtlichen Mitteln gegen staatliche Willkür wehren konnte. Sie seien überzeugt von der Idee des „Rechtsstaats dank Wiedervereinigung“, sagen die FU-Forscher.
Schüler in Baden-Württemberg wiederum haben zwar ein durchschnittliches Wissen. Allerdings, so die Forscher, gelinge es hier besser als in anderen Ländern, ein Bewusstsein für die Unterschiede zwischen Demokratie und Diktatur zu vermitteln. Die Lehrpläne bezögen sich stark auf freiheitliche, demokratische Werte.
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