Das Image der Lehrer in Deutschland hat sich verbessert. In einer aktuellen Umfrage landen die Lehrer direkt hinter dem Arzt, der Krankenschwester und dem Polizisten. 38 Prozent der Bevölkerung haben vor diesem Beruf die meiste Achtung. Vor neun Jahren waren es noch 20 Prozent. Offenbar hat die Debatte nach der Pisa-Studie – bei aller Kritik – den Stellenwert des Lehrens in der öffentlichen Wahrnehmung erhöht.
„Das Bild von einer frustrierten, gedemütigten Lehrerschaft bestätigt sich in dieser Studie nicht“, sagte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Studie „Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik“ in Berlin. Im Auftrag der Vodafone Stiftung hatte das Institut einen repräsentativen Querschnitt von Lehrern an allgemeinbildenden Schulen befragt, außerdem 2 096 Bundesbürger ab 16 Jahre, darunter 382 Eltern schulpflichtiger Kinder.
Dabei wurde viel Kritik laut. So bewerten 54 Prozent der Lehrer die Bildungspolitik als nicht oder weniger gut. Die Kritik ziehe sich gleichermaßen durch alle Bundesländer, sagte die Allensbach-Chefin Renate Köcher. Beklagt werde vor allem, dass die Vorgaben der Kultusbürokratie oft schwer im Alltag umsetzbar seien.
Vor allem Lehrer an Grund-, Haupt- und Realschulen – 38 bis 40 Prozent – sehen ihren Beruf zur Zeit als weniger attraktiv an. 33 Prozent begründen das mit hohen psychischen Belastungen. 31 Prozent sind der Meinung, dass sie immer mehr Aufgaben der Eltern übernehmen müssten. Es folgen Klagen über einen zunehmend schwierigeren Umgang mit Eltern und Schülern.
Jeder zweite Lehrer sagt aus, dass der Umgang mit Schülern heute schwieriger sei als früher. Unter Lehrern an Haupt-, Real- und Sekundarschulen behaupten dies sogar 62 Prozent. Begründet wird das damit, dass Schüler disziplin- und respektloser geworden seien, sich immer weniger konzentrieren könnten und keine Motivation hätten. Besonders auffällig ist die Ohnmacht, die viele Lehrer spüren. „Im Zweifel ist man als Lehrer machtlos“, egal was man unternehme – diese Aussage bejahen 56 Prozent. Nur 28 Prozent meinen, dass man mit den richtigen Methoden jede Klasse in den Griff bekomme.
Lehrer sehen sich nicht nur einem wachsenden Druck ausgesetzt – in den Klassen und von Seiten der Eltern. Die Hälfte von ihnen fühlt sich zudem durch die Lehrerausbildung nur unzureichend vorbereitet. Unter den jungen Lehrern, die bis zu 5 Jahre im Beruf sind, sind es sogar 62 Prozent. 20 Prozent aller Lehrer empfanden den Einstieg ins Berufsleben als Praxisschock.
Viele der befragten Eltern fordern nicht nur, dass Lehrer härter gegen undisziplinierte Schüler durchgreifen sollen. 43 Prozent von ihnen sagen auch, dass Schüler stärker nach ihren Begabungen gefördert werden müssten. Dies sehen 39 Prozent der Lehrer genauso. Aber offenbar fühlen sie sich am Limit ihrer Möglichkeiten. Nahezu ratlos stehen sie einer wachsenden Leistungskluft gegenüber. 60 Prozent sehen eine wachsende soziale Differenzierung. 97 Prozent sind davon überzeugt, dass der soziale Hintergrund des Elternhauses die Leistung der Schüler beeinflusst.
Dies hatte bereits die Pisa-Studie vor einem Jahrzehnt festgestellt. Aber das Schulsystem kann mit diesem Problem kaum umgehen. So sehen es 67 Prozent der Lehrer und 69 Prozent der Eltern als schwierig für Schüler an, zu einem späteren Zeitpunkt noch auf die Realschule oder das Gymnasium zu wechseln. Die Mitverantwortung der Lehrer dabei thematisiert die Studie leider nicht. Eine andere Untersuchung hatte ergeben, dass nicht wenige Lehrer ungerecht benoteten – je nach Herkunft der Schüler.
Trotz aller Probleme überwiegt bei 70 Prozent der Lehrer die Freude am Beruf. Entgegen landläufigen Vorstellungen sind es auch nicht angebliche Vorteile wie viel Freizeit oder lange Ferien, die junge Leute bewegen, Lehrer zu werden. 81 Prozent nannten als Motiv die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. 72 Prozent wollen Menschen etwas beibringen. Stark gestiegen ist allerdings das Sicherheitsbedürfnis. 40 Prozent der Junglehrer nennen als Grund, Lehrer zu werden: „Mir war es wichtig, dass ich einen sicheren Job habe.“
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