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Deutscher Schulpreis: Rückenwind für die Gesamtschule

Schon zum zweiten Mal liegt Deutschlands beste Schule in Niedersachsen. Die Gesamtschule in Göttingen erhält wegen ihres herausragenden Unterrichtskonzepts viel Lob - und den Deutschen Schulpreis 2011.

Bundespräsident Wulff überreicht den Deutschen Schulpreis 2011.
Bundespräsident Wulff überreicht den Deutschen Schulpreis 2011.
Foto: dpa

Bereits zum zweiten Mal ist Deutschlands beste Schule eine Gesamtschule in Niedersachsen. Wegen ihres „exzellenten Unterrichtskonzepts“ überreichte Bundespräsident Christian Wulff den Deutschen Schulpreis 2011 gestern in Berlin an Lehrer und Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Göttingen.
„Eine Superschule, mit ganz, ganz großer Motivation bei Schülern, Eltern und Lehrern“, lobte Wulff, der die Schule selbst aus seiner Zeit als Ministerpräsident Niedersachsens schon seit Jahrzehnten kennt. Ein bisschen ließ sich der Bundespräsident aber auch das Dilemma anmerken, das ihn offenbar umtrieb.

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Klarer Trend

Der Deutsche Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung wird seit 2006 an Schulen verliehen, die sich mit innovativen Konzepten, aber auch mit Mut und Engagement den Herausforderungen der Zukunft stellen. Der Hauptpreis ist mit 100000 Euro dotiert, vier weitere Preise mit je 25000 Euro. Die Sonderpreise der Akademie und der Sonderpreis der Jury sind mit je 15000 Euro verbunden.

Auch zwischen den Preisverleihungen will die Akademie dafür sorgen, dass auch andere Schulen von den Schulpreis-Trägern lernen.

In diesem Jahr bewarben sich 119 Schulen, 15 kamen in die engere Auswahl. Weitere Informationen auf der Website des Deutschen Schulpreises. jago

Schüler und Lehrer der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule jubeln über die Auszeichnung.
Schüler und Lehrer der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule jubeln über die Auszeichnung.
Foto: dpa

Schließlich war er mal CDU-Regierender eines Bundeslandes, welches immer mit Verve das gegliederte Schulsystem favorisierte. Nun musste er ausgerechnet eine Gesamtschule küren. Von „Sondereffekten“ in der Lehrer- und Elternschaft sprach Wulff; aber auch davon, dass er sich trotz seines Einsatzes für getrennte Schultypen immer mehr für Gesamtschulen eingesetzt habe als seine Vorgänger.

Der Schulleiter der Lichtenberg-Schule, Wolfgang Vogelsaenger, konterte – wenn auch höflich: „Wir sind immer gehen den Strom geschwommen. Wir können Rückenwind gut gebrauchen. Erfolg haben wir, weil wir Kinder nicht nach Leistung sortieren. Und nicht: Obwohl wir es nicht tun.“ Dass sich Schüler in getrennten Gruppen besser entwickelten, so Vogelsaenger, sei ein „großes Ammenmärchen“.

Ausgewählt hat die Göttinger Schule natürlich nicht der Bundespräsident – sondern eine Expertenjury, der von Manfred Prenzel über Eckhard Klieme bis zu Otto Seydel, Jürgen Oelkers und dem KMK-Generalsekretär Erich Thies die Führungsriege der deutschen Bildungswissenschaft angehört. Und die war sichtlich beeindruckt von dem Göttinger Modell: „So einen Unterricht habe ich noch nicht erlebt“, schwärmte der Direktor des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, Hans Anand Pant. Vieles, was die Lichtenberg-Schule mache, könne „modellhaft in allen Schulen Deutschlands Anwendung finden“.

Dabei ist die 1975 gegründete Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule eine, die seit ihrer Gründung zur Hochzeit der Gesamtschulbewegung so ziemlich alles anders macht als die Mehrheit. Abschulen gibt es schon deshalb nicht, weil nicht nach Leistung – auch nicht in A-, B- und C-Gruppen! – sortiert wird. Sitzenbleiben ist tabu, Noten gibt es bis zur achten Klasse auch nicht. Stattdessen kommen Schüler, Lehrer und Eltern in ihren „Tischgruppen“ mehrmals im Jahr zum Dialog über mehr und weniger Erreichtes zusammen. Die Tischgruppe ist das zentrale Prinzip des Lernens: In ihr lernen immer vier bis sechs Schüler gemeinsam, stärkere und schwächere zusammen. Die Gruppen – die sich häufig erst Wochen lang beschnuppern, bis sie in ihrer Zusammensetzung feststehen – bleiben auf Dauer in dieser Konstellation erhalten. Auch die Eltern kommen in Kontakt.

Gemeinsames Lernen im Fokus

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Dass die Jury des von Robert-Bosch- und Heidehof-Stiftung verliehenen Preises jedenfalls mit ihrem Hauptpreis vor allem Schulen kürt, die auf gemeinsames Lernen setzen, ist nach der gestrigen Verleihung wohl Standard. Von fünf Hauptpreisen gingen je zwei an eine Grundschule und an eine Gesamtschule.

Im vergangenen Jahr wurde gar eine Schule ausgezeichnet, die unter absoluten Ausnahmebedingungen zu hervorragenden Ergebnissen kommt: Eine Krankenhausschule im Allgäu, deren Kinder zu unterschiedlichen Altersgruppen gehören und mal für ein paar Tage, mal für ein paar Wochen nach Lehrplänen aus der ganzen Republik unterrichtet werden.

Bewertet werden die Schulen, die von den Jury-Mitgliedern jeweils gründlich über einige Tage inspiziert werden, nach den Kriterien Unterrichtsqualität, Leistung, Umgang mit Vielfalt und Verantwortung. Und danach, ob sie sich als lernende Institution begreifen.

Vier weitere Schulpreise für das Jahr 2011 wurden gestern dem Johann-Schöner-Gymnasium in Karlstadt, der Marktschule Bremerhaven, der Grundschule Hackenberg in Remscheid sowie der Johannes-Gutenberg-Schule in Wolmirstedt überreicht.

Der Sonderpreis, der Schulen prämiert, die unter schweren Bedingungen Hervorragendes leisten, ging an das Genoveva-Gymnasium in Köln-Mülheim. An der Schule, an der die meisten Schüler aus zugewanderten Familien stammen, gelinge es, „Jugendliche unabhängig von der Herkunft zum Abitur zu führen“, würdigte die Jury. Der Preis der Akademie, der ungewöhnliche Konzepte fördert, wurde der Heinz-Brandt-Oberschule in Berlin-Weißensee überreicht. Ihr ist es geglückt, sich als Hauptschule alleine, ohne kooperierendes Gymnasium oder Realschule, zu einer Sekundarschule, die auf alle Abschlüsse vorbereitet, umzuwandeln.

Autor:  Jeannette Goddar
Datum:  10 | 6 | 2011
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