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26. Januar 2016

Ernst-Reuter-Schulen in Frankfurt: Jahrelanger Stillstand an ERS

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Die Sanierung der Ernst-Reuter-Schule ist überfällig.  Foto: peter-juelich.com

Sie ist seit Jahren angekündigt als die bisher teuerste Schulsanierung in Frankfurt. Passiert ist an den Ernst-Reuter-Schulen I und II bisher noch nichts. Dort fühlt man sich hinters Licht geführt.

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Sie ist seit Jahren angekündigt als die bisher teuerste Schulsanierung in Frankfurt. Von 56 Millionen Euro ist die Rede – plus 20 Millionen Euro für den Bau von Turnhallen. Doch passiert ist an den Ernst-Reuter-Schulen (ERS) I und II in der Nordweststadt noch nichts. Schulleiterin der ERS I, Monika Schmidt-Dietrich, ist deshalb genervt. „Schon als ich 2007 als Schulleiterin anfing, stand die Sanierung kurz bevor.“ Stand der Dinge heute: „Wir haben das Gefühl, hingehalten und immer wieder vertröstet zu werden.“

Der Schulkomplex in der Nordweststadt stammt aus den 60er Jahren. Die Fliesen fallen von den Wänden, zwei marode Sporthallen mussten schon vor Jahren abgerissen werden. Das Grundstück, auf dem die Hallen standen, hat die benachbarte Europäische Schule für ihren Erweiterungsbau erhalten. Als Ausgleich bekam die Ernst-Reuter-Schule die sogenannte Hundewiese zugewiesen. Dort sollten neue Hallen gebaut werden. „Das war aber alles Augenwischerei“, sagt Schmidt-Dietrich. Auf dem Grundstück dürfe gar nichts gebaut werden. „Nach dem Planungsrecht kann dort höchstens ein Sportplatz entstehen.“

WÖHLERSCHULE: Warten auf Container
KONRAD-HAENISCH-SCHULE: Neubau in fünf Jahren
BERTHOLD-OTTO-SCHULE: Gerümpel auf dem Hof
MICHAEL-ENDE-SCHULE: Feuchter Keller

Seit Jahren lernen die Neuntklässler der Wöhlerschule in alten Containern. Einen Wasseranschluss gibt es nicht, ein Putzeimer mit Wasser steht stattdessen bereit. Ein Austausch der Container ist immer wieder versprochen worden. Zuletzt für diesen Winter. „Es verzögert sich, weil die Schule noch Änderungswünsche hatte, die auch die Kosten erhöhten“, sagt Martin Müller, Referent von Bildungsdezernentin Sarah Sorge. „In vier Monaten etwa werden die Container da sein.“ Schulleiterin Renate Bleise glaubt daran nicht, denn für die Container gibt es derzeit nicht mal eine Ausschreibung. Außerdem ärgert sie die Darstellung des Dezernats. Denn was die Schule will, ist ein Wasseranschluss und ein Waschbecken im Container. „Darum ging es von Anfang an, nur hat das Amt falsch geplant. Das ist nicht unsere Schuld.“ sabu

Mehrere Monate hat die Konrad-Haenisch-Schule auf ihre zusätzlichen Container gewartet. „Es gab Verzögerungen“, sagt Schulleiterin Birgid Frenkel-Brandt. „Aber vergangene Woche wurden sie fertiggestellt und es funktioniert inzwischen auch die Heizung.“ Zwei Container mehr hat die Grund-, Haupt- und Realschule in Fechenheim bekommen, um die bereits bestehende Anlage aufzustocken. Denn die Schule braucht dringend mehr Platz. „Durch die Container können wir jetzt wieder unsere Fachräume nutzen“, sagt Frenkel-Brandt. Etwa den Computerraum, der als Klassenraum genutzt werden musste. Am heutigen Dienstag ziehen die Klassen in die Container – die aber auch nur eine Übergangslösung sind. Bis ein Neubau auf dem Südhof der Schule steht. Wann genau das sein wird, weiß die Schulleiterin nicht. „Innerhalb von fünf Jahren, heißt es“, sagt Frenkel-Brandt. Die Planungsmittel seien dafür bereitgestellt und „wir gehen davon aus, dass der Neubau jetzt auf den Weg gebracht wird“. sabu

An der Berthold-Otto-Schule wartet man seit Jahren darauf, dass etwas passiert. Die Treppenhäuser müssen dringend saniert werden, wegen des Brandschutzes. Und weil die Geländer zu niedrig sind. „Da geht es um die Sicherheit der Kinder, das muss gemacht werden“, sagt Schulleiterin Ingrid König. Und 2012 war es auch schon einmal fast soweit. Ein Architekt war an der Griesheimer Grundschule, Pläne gab es. „Aber dann wurden die Gelder gestrichen“, sagt König. Seitdem hat sie nichts mehr darüber gehört. Auch wie es auf dem Außengelände weitergehen sollen, weiß die Schulleiterin nicht. Wegen der Sanierung der benachbarten Turn- und Schwimmhalle und wegen Kanalarbeiten mussten das Grün, die Spielgeräte und Fußballtore auf dem Hof weichen. Seit Herbst sind die Arbeiten beendet. Aufgeräumt hat keiner. Jetzt lägen Steinhaufen und Gerümpel herum, sagt König. „Es sieht einfach nur dreckig aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.“ Und über neue Spielgeräte und Tore würde auch niemand mit ihr sprechen. Geschweige denn über Risse in Wänden. Oder rostige Pfeiler auf dem Schulgelände. „Es wird nichts gemacht“, sagt König. „Und eine Perspektive wird uns auch nicht gegeben.“ sabu

Im Keller der Michael-Ende-Schule in Rödelheim ist es feucht. „Es riecht dort nach Schimmel – auch wenn wir ihn nicht sehen“, sagt Schulleiter Stefan Franz. „Und der Putz bröckelt.“ Die Fachräume der Haupt- und Realschule befinden sich im Kellergeschoss. Etwa der Computerraum. Tag und Nacht müssen Ventilatoren laufen, Fenster immer wieder geöffnet werden. „Anders ist der Raum nicht trocken zu kriegen“, sagt Franz. Zwar habe die Stadt etwa die Wände im Computerraum erst im vergangenen Jahr neu verputzt, „aber die Feuchtigkeit kommt immer wieder durch“, sagt Franz. „Das müsste grundlegend saniert werden.“ Dass die Computerräume nur eingeschränkt nutzbar sind, fiel eine Zeit lang aber ohnehin nicht ins Gewicht: „Wir hatten Anfang 2015 kaum noch funktionsfähige Computer“, sagt Franz. Ersatz für die neun Jahre alten Rechner bekam er für Herbst 2016 in Aussicht gestellt. Vorschlag der Stadt: Bis dahin könnten die fünf Jahre alten ausgemusterten Rechner einer anderen Schule übernommen werden. „Da fühlt man sich als Haupt- und Realschule manchmal aufs Abstellgleis gestellt“, sagt Franz. Im Sommer kamen dann die alten Computer – angeschlossen wurden sie aber erst in den Winterferien. Und da auch nicht alle. Bis heute nicht. sabu

An der Ernst-Reuter-Schule fühlt man sich hinters Licht geführt. Zudem ärgert sich die Schulleiterin darüber, dass die Uhren an der Ernst-Reuter-Schule wieder zurückgedreht würden. „Kollegium, Eltern und Schüler machen sich seit fünf Jahren Gedanken, welche Wünsche wir bei einer Sanierung haben“, sagt Schmidt-Dietrich. Nun habe sie von der Stadt mitgeteilt bekommen, dass zunächst ein mindestens ein Jahr langer Beteiligungsprozess vor der Sanierung geplant sei. Damit Eltern, Schüler und Lehrer mitreden können. „Das brauchen wir nicht“, sagt Schmidt-Dietrich. „Wir fangen so ja nur wieder bei Stunde null an.“

Auch neu für die Schulleiterin: „Das Stadtschulamt hat uns gesagt, dass Abriss und Neubau der Schule zur Diskussion stehen“, sagt Schmidt-Dietrich. Bisher sei immer von einer Sanierung die Rede gewesen. Das wäre der Schulleiterin auch lieber. „Die Aufteilung in Höfe ist ja ein pädagogisch durchdachtes Konzept“, sagt Schmidt-Dietrich. Ein Neubau würde dann sicher nicht mehr so überlegt angelegt werden.

Netze sollen verhindern, dass Fliesen auf Schüler stürzen.  Foto: peter-juelich.com

Im Bildungsdezernat schließt man einen Abriss des Schulkomplexes tatsächlich nicht aus. „Das ist nicht so abwegig“, sagt Martin Müller, Referent von Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne). Schließlich sei eine genaue Kostenschätzung noch nicht erfolgt. Es könne sich daher noch ergeben, dass Abriss und Neubau günstiger seien als eine Gesamtsanierung. „Wir müssen auf die Wirtschaftlichkeit gucken.“

Schule, Lehrer, Eltern und Schüler einbeziehen

Vor der konkreten Planung will das Dezernat einen Beteiligungsprozess schalten, „damit Schulleitung, Kollegium, Eltern und Schüler von vornherein mit ihren speziellen Bedürfnissen einbezogen werden und man nicht im Galopp nachbessern muss“, sagt Müller. Denn es würden immer Wünsche während des Baus von der Schule kommen, „die zu Verzögerungen führen und die Kosten erhöhen“. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft habe mit dieser „Phase 0“ sehr gute Erfahrungen gemacht.

Am Ende sei eine Sanierung dann günstiger, würde sich nicht verzögern – „und alle sind zufriedener“. Unter fachkundiger Begleitung soll die Phase 0 ablaufen, ein externes Planungsbüro wird dafür nun gesucht. Ein Jahr soll das Beteiligungsverfahren dauern. „Aber das heißt nicht, dass in dieser Zeit der Bleistift ruht“, sagt Müller. „Das ist kein Zeitverlust, da wird dann auch parallel geplant.“

Wenn sich die Schule zudem schon Gedanken gemacht habe, dann würde es vielleicht auch schneller gehen. „Aber so kann schon gleich zu Beginn abgeklärt werden, ob Ideen überhaupt realisierbar sind“, sagt Müller.
Für den Baubeginn ist weiterhin das Schuljahr 2018/2019 vorgesehen. Nach zwei Jahren sollen die Arbeiten beendet sein. Und dass auf der Hundewiese kein festes Gebäude errichtet werden darf, ist dem Bildungsdezernat bekannt. „Da muss die Beschlusslage noch angepasst werden“, sagt Müller. Das sei auch bereits mit dem Planungsdezernat geklärt. „Das ist eine reine Formalität.“

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