Die Nacht zum 26. Januar verbringt Kurth bei ihr im Nordend. Als er sie weckt, muss es gegen vier Uhr morgens sein, sofort merkt sie, dass etwas nicht stimmt. Kurth gesteht, kleine Fläschchen mit ätherischen Ölen aus ihrem Badezimmerschrank ausgetrunken zu haben, sie geraten in Streit, schließlich überredet sie ihn, hinüber ins Bürgerhospital zu gehen. Der Polizei erklärt Bosch später, nur langsam seien sie vorangekommen, weil Max orthopädische Stützmanschetten an den Beinen getragen habe.
Die Pforte des Bürgerhospitals ist um diese Zeit verschlossen, nur über eine Sprechanlage hört sich der Pförtner ihr Problem an und weist sie schließlich ab. Es gebe keine psychiatrische Abteilung in der Klinik, sagt er, als sie protestieren, verweist er das Paar an den Hintereingang. Auch dort lässt er sie dann aber nicht hinein. Kurz darauf hat Maximilian Kurth ein Messer in der Hand.
Es gibt unscharfe Bilder von diesem Moment, die einzigen, die eine Überwachungskamera in der Schleuse des Hintereingangs aufgezeichnet hat an diesem Morgen. Schemenhaft sind darauf zwei Gestalten zu sehen, von denen eine der anderen ein Messer an die Kehle zu halten scheint. Was von nun an geschieht, ist sekundengenau festgehalten im Polizeiprotokoll. Und doch voller Lücken.
"Kein Messer in der Hand", heißt es im Funkspruch
Um 4.36 Uhr geht bei der Polizei ein Notruf ein. Der Streifenwagen mit der Kennung Frank-2/99 fährt zu dieser Zeit auf dem Alleenring, am Steuer sitzt Polizeioberkommissar Martin Weigelt, 28, daneben Polizeikommissar Fabian Kowalski, 27. Auf der Rückbank haben sie in dieser Nacht den Kommissaranwärter Florian Schneider, 25, dabei, es ist seine erste Nacht im Revier. Um 4.37 Uhr melden sie in die Zentrale, „gleich da“ zu sein.
Nur 66 Sekunden später meldet sich Frank-2/99 erneut in der Zentrale, es ist Anwärter Schneider, der in sein Handfunkgerät spricht: „Mann mehrfach angeschossen“, ruft er, „dringend Rettungswagen und Notarzt“.
Und noch einmal 53 Sekunden später erreicht erneut ein Funkspruch die Zentrale, diesmal über die Anlage im Streifenwagen: „Schusswaffengebrauch“, ruft die Stimme: „Es hieß hier Person mit Messer im Hinterhof. Bei Eintreffen ist diese sofort auf uns losgegangen und hat Angriffsbewegungen in unsere Richtung gemacht mit erhobenem Arm.“ Als die Zentrale fragt, ob die Person ein Messer gehabt habe, antwortet die Stimme: „Kein Messer in der Hand, haben es nicht gesehen, ob er es weggeschmissen hat.“
Maximilian Kurth liegt zu dieser Zeit auf dem Hinterhof seitlich im Schnee, er hat nicht nur zwei zerschossene Unterschenkel und eine durchbohrte Brust. Auch sein Oberarm ist verletzt von mehreren Hieben mit einem Schlagstock. An seiner Stirn wird der Rechtsmediziner später tiefe Schürfwunden feststellen, die von Fußtritten stammen.

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