Es globalisiert den ganzen Tag. Und das schon die ganze Zeit. Das führt aber irgendwie nicht dazu, dass, nur mal als Beispiel, weltweit ordentliches Brot gegessen wird. So welches mit Rinde, bissfest, ein paar Körner vielleicht, Brot halt.
Für Auswärtige: Apfelwein, auch Ebbelwei genannt, ist ein Fruchtwein, der meist aus einer Mischung verschiedener, möglichst säurehaltiger Äpfel gekeltert und vergoren wird. Der natürliche Alkoholgehalt beträgt 5,5 bis 7 Prozent. Apfelwein hat einen herben, sauren Geschmack, der von Kneipe zu Kneipe aber gehörig variieren kann.
Für Auskenner: Apfelwein wird, da er häufig trüb ist, üblicherweise im Gerippten (Glas mit Rautenschnitt, dessen Schnitte das Licht reflektieren) serviert. Die Größe dieses Glases beträgt leider häufig 0,25 Liter. Die traditionelle Glasgröße ist jedoch 0,3 Liter. An ihr halten die traditionellen Apfelweingaststätten und deren Gäste fest. Das 0,25-Liter-Glas wird folgerichtig als „Beschisserglas“ bezeichnet, da es weniger Apfelwein zu meist gleichem Preis mit sich bringt.
Für Durstige: Folgende Apfelweinwirtschaften in Frankfurt keltern noch selbst:
Zur Buchscheer, Schwarzsteinkautweg 17 (Sachsenhausen), 069 / 635121.
Zu den drei Steubern, Dreieichstraße 28 (Sachsenhausen), auch Apfelwein- Verkauf, Tel. 069 / 62 22 29.
Weida Zum Blauen Bock, Saalburgstraße 36 (Bornheim), Tel.: 0 69 /45 35 36.
Zur Stalburg, Glauburgstr. 80 (Nordend), Tel. 069 / 557934.
Zur Germania, Textorstraße 16 (Sachsenhausen), Tel. 069/613336.
Zum Rad, Leonhardsgasse 2 (Seckbach), Tel. 069/479128.
Zum Gemalten Haus, Schweizer Straße 67 (Sachsenhausen), Tel. 069/614559
Für Touristen: Zentral am Frankfurter Römer gelegen, gibt es jetzt einen „Ebbelwoi Fan Shop“. Zu kaufen gibt es dort allerlei Merchandising-Produkte rund um das Stöffche, etwa Bücher, T-Shirts, Buttons, Bembel und Gläser. Wer tiefer in die Materie einsteigen will, reist nach Bornheim und besucht die Apfelweinhandlung in der Bornheimer Landstraße 18.
Für Kinder: Der Schoppe-Gummi: Fruchtgummis von höchster Qualität in Form des hessischen Apfelweinglases und exklusiv vertrieben von der Kelterei Stier in Maintal-Bischofsheim (Am Kreuzstein 25, Telefon: 06109/65099). Hergestellt mit Apfelsaft und daher völlig alkoholfrei. Jedes Päckchen mit 150 Gramm kostet 3,20 Euro.
Für Blogger: www.apfelwein-blog.de
Für Leser: „Beim Apfelwein“, B3-Verlag, ISBN 978-3-938783-51-1, 26 Euro. Eine Hommage an die Frankfurter Apfelwein-wirtschaften.
Das zweite, was seltsam ist in diesem Zusammenhang und kein Mensch versteht: Der Radius des Apfelwein-Ausschenkens ist im Angesicht der zur Verfügung stehenden Transportmittel (Boot, Flugzeug etc.) sehr klein. So schwer wäre es ja jetzt nicht, den Schoppen von A nach B zu kriegen, da kann B wirklich sonstwo liegen. A ist Sachsenhausen. Frankfurt-Sachsenhausen.
Apfelwein ist das beste Getränk der Welt. Jeder vernünftige Mensch denkt so. Apfelwein ist gesund (Obst = Vitamine), macht schlank (Säure = Verdauungsstörung Fehlanzeige) und gar nicht so betrunken, wenn man a) Wasser rein tut (erlaubt) oder Limonade (verboten, muss man heimlich zu Hause machen). Das alles kann Bier nicht. Na gut, Plörre kann man da auch hineinkippen.
Wenn sich die Gäste aus Hamburgberlinmünchen nur nicht immer so theatralisch sträuben würden, wenn man ihnen den zweiten Schoppen bestellt. „Nee du, lass mal, ich muss morgen früh raus, dochdoch, schmeckt große Klasse.“ Und dann bestellen sie ein Beck's Gold nach dem anderen.
Apfelwein ist außerdem total interaktiv. Vor allem im Herbst. Das zeigt eine Fotocollage in der Apfelweinwirtschaft „Zu den drei Steubern“ in der Dreieichstraße am Rand des immer noch als „Vergnügungsviertel“ durch die Frankfurt-Reiseführer irrlichternden Kopfsteindreiecks zwischen Klapper- und Großer wie Kleiner Rittergasse sowie Affentorplatz. Die besten Lokale liegen nämlich außerhalb. Jedenfalls, auf der Fotocollage bei den Steubern, geht es ums Keltern, und das tut Wirt Wolfgang Wagner im Hinterhof der Gaststätte seit 1955. Gemeinsam mit vielen Mitstreitern, denn allein geht es nicht. Jetzt sitzt er an einem dunkelbraunen Tisch unter der dunkelbraunen Wandleiste mit den goldenen Garderobenhaken, die sich um den Raum windet.
Bembel wie Orgelpfeifen
Hinter der Theke reihen sich Bembel wie Orgelpfeifen. „Was wollnse denn wissen?“ Zum Beispiel: Wann verwandeln Sie wieder Waschkörbe voller Äpfel so wie auf den Fotos in das Chefgetränk der Region/Erde/Milchstraße? „Nächste Woche, genau kann man das nicht sagen“, brummt Wagner. Nur so viel: „Sechs bis acht Wochen später gibt es den neuen Schoppen.“ Wagner ist einer von immer weniger Wirten, die noch selbst keltern. Als das moosgrüne Wählscheiben-Telefon schrillt, ist das Gespräch beendet.
Schon die Griechen und Römer kannten die Herstellung des Apfelweines (lat. vinum ex malis factum). Erstmals wird der Apfelwein um das Jahr 800 erwähnt, in Frankfurt ist er erst 800 Jahre später, um das Jahr 1600, nachgewiesen. Bereits 1638 wurde per Ratsverordnung eine Reinhaltungsbestimmung festgelegt, an die sich die Apfelweinkelterer noch heute halten müssen. 1754 wurde die erste Schankerlaubnis in Frankfurt erteilt, seit diesem Zeitpunkt wurde das Getränk auch versteuert.
Eine eigene gastronomische Kultur
Frankfurt hat, wie kaum eine andere Stadt, eine ganz eigene gastronomische Kultur entwickelt. Die Apfelweinwirtschaften sind Abbild der Stadtgeschichte, touristisches Aushängeschild, generationsübergreifender und Trost spendender Anlaufpunkt.
Es gibt in den Drei Steubern nur sechs Tische. Der Schoppen wird von Kennern wegen seiner Säure geschätzt (den Besuch aus Hamburgberlinmünchen deshalb lieber woanders ausführen). Häufig kommt der Autor Andreas Maier vorbei – der sich den Apfelwein von Wagner abfüllen lässt, wenn eine Reise ansteht.
Manchmal muss die Menschheit eben zwangsbeglückt werden.

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