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Sexismus und der Fall Brüderle
Rainer Brüderle steht nach Aussagen der Stern-Autorin Laura Himmelreich in der Kritik. Der Fall stößt eine Debatte an über alltäglichen Sexismus.

01. Februar 2013

Rainer Brüderle: Spitzname "Popo-Grabscher"

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Samstag, 26.01.2013: Sexismusdebatte... Abgründe tun sich auf. Foto: Thomas Plaßmann

Weitere Journalistinnen berichten von unangenehmen Begegnungen mit Rainer Brüderle. In der Medienwelt hat er offenbar einen Ruf.

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Weitere Journalistinnen berichten von unangenehmen Begegnungen mit Rainer Brüderle. In der Medienwelt hat er offenbar einen Ruf.

Rainer Brüderle beteiligt sich nicht an der Diskussion um seine Person. Während er zu den Vorwürfen, die Stern-Autorin Laura Himmelreich gegen ihn erhoben hat, schweigt, melden sich weitere Journalistinnen zu Wort, die unangenehme Erfahrungen mit dem FDP-Spitzenmann gemacht haben. Das berichtet Der Westen.

Im NDR-Magazin Panorama 3 erzählen sie, dass der FDP-Mann seit Jahren für anzügliche Bemerkungen und Annäherungsversuche bekannt sei. "Popo-Grabscher" hätten einige Frauen Brüderle getauft.

Begegnungen mit Rainer Brüderle

Gesine Enwaldt war von 1998 bis 2000 Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio. Sie berichtet über eine Begegnung mit Rainer Brüderle. Ihr Gespräch mit ihm "driftete relativ schnell ab in eine eher schlüpfrige, unangenehme Ebene, wo es von seiner Seite aus nur noch um Anmache ging", berichtet sie. Sie habe die Situation als "extrem unangenehm empfunden" und deshalb "einfach verdrängt".

Hanni Hüsch, Berlin-Korrespondentin für die ARD von 1998 bis 2005, erzählt, dass genau so etwas "immer mal wieder Thema zwischen uns Kolleginnen in Berlin gewesen" sei. Rainer Brüderle habe "durchaus bei uns den Ruf, dass es als Frau nicht zwanghaft schicklich ist, mit dem in einem Zimmer allein zu sein ... und dass er schon ganz gerne mal verbal übergriffig sein konnte".

Patricia Schlesinger, Panorama-Reporterin in der Hauptstadt von 1990 bis 1995, nennt keine Namen. Sie erzählt aber ebenfalls von einschlägigen Erfahrungen "mit einem Politiker aus der FDP, vor vielen, vielen Jahren". Das Kamerateam habe schon zusammengepackt, da spürt sie "eine Hand auf dem Knie" und hört den Satz: "Wir sollten unbedingt mal einen Wein trinken gehen - am besten noch heute."

Journalistinnen fordern "Respekt"

Hüsch findet es "fatal", wie die Verteidiger von Brüderle jetzt aus der Angegriffenen - Himmelreich - die Täterin machten. Brüderle werde "in Watte gepackt" und fast "auf die Ebene eines Opfers" gehoben. Es gehöre in Berlin nämlich zum normalen Geschäft, dass Journalisten mit Politikern auch abends an der Bar redeten, sagt Hüsch. Es sei "hanebüchen" zu behaupten, Himmelreich hätte den Vorfall provoziert, meint Ewaldt.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Justizministerin und Parteifreundin Brüderles, hatte seine Äußerung als Kompliment verteidigt, „Natürlich hat er sich richtig verhalten“, sagt sie. „Wenn ich auch ein Dirndl tragen kann, und das steht mir gut, wo ist denn da die Beleidigung?“

Was die Journalistinnen im Umgang mit Politiker fordern, ist "Respekt" und Professionalismus. Diese Schranke habe Rainer Brüderle in den Fällen, über die berichtet wird, nicht eingehalten. Eine Stellungnahme des Spitzenpolitikers steht weiter aus.

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Spezial

Rainer Brüderle steht in der Kritik, seit Stern-Autorin Laura Himmelreich ein Treffen mit dem Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion beschreibt. Der Fall stößt eine Debatte an über alltäglichen Sexismus.

Sexismus-Debatte

 

Ist Sexismus ein Problem?

Der Fall Brüderle hat eine Sexismus-Debatte in Deutschland entfacht - was meinen Sie: Ist Sexismus auch nach den Kämpfen der Frauen-Emanzipation noch ein Problem?

Ja, es behindert die Gleichstellung der Geschlechter.
Ja, aber das ist eine Generationenfrage und hört bald auf.
Nein, die Debatte ist reine Hysterie.
Nein, es gibt wichtigere Themen für die Gesellschaft.
Weiß nicht, bin nicht betroffen.
Leitartikel zur Sexismus-Debatte
Frauen protestieren gegen Sexismus.

Alle sollten sich trauen zu reden wie Laura Himmelreich. Je öffentlicher das Thema Sexismus ist, desto öffentlicher sind die Taten.

Sexismus

Auf Twitter brechen Menschen das Schweigen aus Scham und Hilflosigkeit über sexistische Erlebnisse. Unter dem Hashtag #Aufschrei schildern sie ihre Erfahrungen. Den Anfang machte Anne Wizorek alias @marthadear.

Presseschau
Eine "Stern"-Journalisten erhebt Sexismus-Vorwürfe gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle.

Die von einer Stern-Reporterin erhobenen Vorwürfe gegen FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle schlagen hohe Wellen. Eine Presseschau.

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