Draußen lässt ein Straßenmusikant, der hinter seinem Hut hockt, die Gitarre erklingen. Drinnen, hinter den großen Panoramascheiben, schaffen 5.000 Bücher auf engstem Raum einen eigenen Kosmos. Da drängen sich die neuen Romane, alphabetisch geordnet, auf einem Rollwagen. Dort hinten locken die Krimis, an der Seite ein Ständer mit Bänden in Englisch. Im Hintergrund schaut der so früh gestorbene Kabarettist Matthias Beltz listig vom Schwarz-Weiß-Foto. Mitten im Raum aber warten Hans Dennerlein und Klaus Meichsner auf ihre Kunden.
Meichsner und Dennerlein: Die beiden sind in Frankfurt längst legendär. Seit 30 Jahren trotzen sie mit ihrer kleinen Buchhandlung am Lokalbahnhof in Sachsenhausen allen Zeitläuften. Am 1. Oktober feiern sie Jubiläum. Viele Kollegen in der Stadt haben aufgeben müssen: von Kohl am Roßmarkt bis Mühlhausen in der Schillerstraße. Zuletzt, vor wenigen Wochen, erwischte es Naacher in der Gartenstraße. Von all dem Krisengerede, vom angeblichen Sterben der Buchhandlungen und dem Vormarsch des E-Books wollen der 65-jährige Dennerlein und sein 62-jähriger Kompagnon nichts wissen. „Wir fühlen uns nicht umzingelt von Feinden“, sagt Meichsner lachend. „Wir sind weit davon entfernt zu jammern“, ergänzt sein Partner. Nein, sie wollen „so lange wie möglich weitermachen“.
Doch was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Vielleicht dieses schwarze Fahrrad, mit dem sie höchstpersönlich Bestellungen an ihr Stamm-Publikum ausliefern. Der ausgebildete Gymnasiallehrer Meichsner glaubt: „Die Pflege der Kunden zahlt sich aus.“
Die beiden nehmen sich Zeit zum Gespräch für alle, die reinschauen. Und wer zuhört, erlebt Erstaunliches. Das Duo, mit hintersinnigem Humor begabt, empfiehlt doch glatt auch mal, ein Buch nicht zu kaufen. „Das ist nicht so toll, nehmen Sie doch lieber …“ Und die Leute nicken dankbar. „Es gibt keine schwierigen Kunden“, heißt das Motto des Diplompädagogen Dennerlein, der früher die Berlitz-Sprachschule in Frankfurt geleitet hat. Er litt als Schüler unter „ziemlich schlechten Deutschlehrern“, begann deshalb schon früh, Grass und Tucholsky zu lesen, „eine Art Protest, weil die Lehrer die gehasst haben“. Dennerlein lacht.
Für Meichsner war und ist neben den Büchern die Musik wichtig. Er hatte mit 13 begonnen, auf der Gitarre „kleine Songs zu komponieren“, war wie vom Blitz getroffen, als er zum ersten Mal die Kinks mit „You really got me“ hörte. Es war der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Meichsner und Dennerlein trafen sich durch Zufall in Frankfurt – und entdeckten, dass sie beide von einer Buchhandlung träumten. Ein halbes Jahr später, am 1. Oktober 1982, eröffneten sie. Die Freunde lassen sich privat ziemlich in Ruhe. „Nähe und Distanz zugleich – das ist das Geheimnis“, sagt Dennerlein.
Die Buchhändler überleben „in der Nische“. Bei ihrem Publikum ist „die Nachfrage nach E-Books gleich null“. Statt dessen leisten sie sich „den Luxus“, auch ausgefallene Titel einzukaufen, die ein halbes Jahr im Laden warten. „Bis einer kommt, der dann glücklich ist – und wir auch.“ Wer den guten Roman sucht, ist hier richtig. Und das Angebot an Kinderbüchern haben sie verdoppelt. Draußen vor der Tür wartet auf Tischen eine Auswahl an Modernem Antiquariat. Auf Matthias Beltz als Stammkunden waren beide stolz.
Eine weitere Fotografie zeigt Herbert Heckmann, den früheren Präsidenten der Akademie für Sprache und Dichtung, der ebenfalls stets hereinschaute. „Der hatte ganz hohe Ansprüche bei antiquarischen Sachen“, erinnert sich Dennerlein.
Buchhandlung Meichsner&Dennerlein, Dreieichstr. 59, Telefon 616965.

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