Seine Funktion als Hosen- oder Rockhalter hat der Gürtel längst verloren. Auch aus modischen Gründen brauchte die Frau ihn lange nicht mehr. Aber er ist als Hingucker wieder da - und sitzt weit über der Hüfte. Vor allem sehr breite Modelle schnüren eine Wespentaille. Aber auch schmale Gürtel sind ein dezenter Hingucker - und häufig die vorteilhaftere Variante.
«Der schmale Taillengürtel ist nach wie vor ein Gütesiegel für guten Stil, da er immer eine sehr elegante und klassische Aussagekraft hat», sagt die Styleberaterin Kathrin Hermanns aus Hamburg. Das hängt auch damit zusammen, womit er getragen wird: Ein hauchzartes Modell liegt über Commas stilvollem Etuikleid, Sisleys langem Pullover oder dem schicken Bleistiftrock von Betty Barclay. Er schnürt beispielsweise einen Kurzblazer von Marc Cain oder Luisa Cerano. Aber auch zur Bleistifthose oder einer langen Strickjacke sind die dünnen und dezenten Gürtel ein Blickfang.
Modisch richten sich die Blicke im Herbst und Winter auf die Körpermitte. Luisa Cerano lässt über den Kurzblazer einen Taillengürtel tragen (ca. 70 Euro). Foto: Luisa Cerano
Eines fällt aber auf: Die ganz dünnen Gürtel werden weniger in den Katalogen der Hersteller. «Die schmalen Varianten über Blazern, Kleidern oder Strickteilen sind etwas breiter geworden, etwa zwei Zentimeter», berichtet Silke Gerloff, Personal Shopper in Frankfurt am Main, aus dem Handel. Und noch mehr: Gerade auf den Laufstegen waren zuletzt Gürtel zu sehen, die die ganze Taille einnehmen.
«Viele Designermodelle wie von Alexander McQueen, Yves Saint Laurent und Bottega Veneta erinnern in ihrer Breite an Mieder, Minikorsetts oder Schärpen», beschreibt der Frankfurter Modeberater Andreas Rose diese Gürtel. Sie sitzen über Kleidern und Mänteln oder schnüren Kurzblazer ein. Etros Variante setzt direkt unter der Brust an und geht auf Hüfthöhe in eine Art Röckchen über. Das Modell von H&M ist ebenfalls oben enger anliegend und fällt dann etwas ab.
Doch: «Die miederähnlichen Exemplare sind eher etwas für sehr mutige, modebewusste Frauen», sagt Hermanns. Sie werden vornehmlich in der Abendmode getragen oder um dem Look etwas Rockiges zu geben - vor allem wenn die Modelle aus dunklem Leder sind.
Aber es gibt eine Zwischenlösung für den Alltag. In vielen Kollektionen finden Frauen Modelle, die dem japanischen Kimono-Gürtel Obi nachempfunden sind, sagt Stilberaterin Gerloff. Diese ähneln Schärpen und formen ebenfalls eine der Sanduhr ähnliche Silhouette. Sie passen am besten zu Etuikleidern, der Kombination von Rock mit einem schmalen Oberteil oder Mänteln.
Die dünnen und breiten Gürtel haben häufig eine andere Farbe als das Restoutfit - damit sie auffallen. Vor allem in den Trendfarben Bordeaux, Curry oder in verschiedenen Grüntönen sind sie ein Blickfang. Stilsicherer sind braune oder schwarze Modelle. Besonders die sehr breiten Versionen sind opulent geschmückt, sagt Andreas Rose. «Ornamente, Metalleinfassungen, Nieten, Lack und seitliche Schnallen», zählt er verschiedene Applikationen auf.
Allerdings sind die auffälligen und breiten Gürtel nicht an jeder Figur vorteilhaft. «Bei einem cleveren Design kann so ein breiter Gürtel und eine Schärpe schon mal einen kleinen Bauch wegkaschieren», sagt Hermans. «Allerdings können sie auch unschön eine große Oberweite oder den Bauch betonen.» Vorteilhaft seien sie vor allem an knabenhaften Frauenfiguren, da sie hier Rundungen formten.
Grundsätzlich steht der Taillengürtel großen und schlanken Frauen am besten - nicht aber kleinen Frauen. «Denn der Gürtel halbiert den Körper und lässt die Trägerin daher kleiner wirken», erläutert Stilberaterin Hermanns. Das machen vor allem die breiten Modelle. «Die schmalen Gürtel stehen zierlichen und kleineren Frauen in der Regel sehr gut.» Eine breite Körperform aber betone der Gürtel negativ - und so einen Hingucker will keiner tragen.

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