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Hofheim: SMS aus dem Erdbeerfeld

Bauer Paul lässt die roten Früchte – technisch überwacht – im Sonnentunnel reifen.18 Hektar Erdbeerfelder hat der Landwirt insgesamt, 10 bis 15 Tonnen will er pro Hektar in den nächsten Monaten ernten.

Felix und Alexander helfen bei der Erdbeerernte.  Foto: Oeser

Wenn Reiner Paul eine SMS aufs Handy bekommt, dann kann es sein, dass der Wallauer Landwirt alles stehen und liegen lässt und erst mal zu seinen Erdbeerfeldern fährt. Dann nämlich, wenn der Absender der elektronischen Kurznachricht der Temperaturregler ist, der das Gedeihen der roten Früchtchen überwacht. Reiner Paul lässt seine Erdbeeren der frühen Sorte Clery in diesem Jahr erstmals in Sonnentunneln reifen. Unter der transparenten Folie, die die Metallgestänge umspannt, kann es verdammt heiß werden. Bis zu 40 Grad Celsius habe er schon gemessen, „auch wenn es draußen nur zehn Grad sind“, sagt Paul. „Dann muss man schnell Luft an die Pflanzen lassen, sonst stellen die Erdbeeren das Wachstum ein.“

Per SMS benachrichtigt wird Paul auch, wenn die Erde in den mit schwarzer Folie abgedeckten Minidämmen zu trocken geworden ist. Dann schaltet er über eine Fernsteuerung die künstliche Bewässerung ein, und ein dünner Schlauch, der unterirdisch verlegt ist, gibt tröpfchenweise Wasser an die Erdbeerpflanzen ab und versorgt die Wurzeln mit Nährstoffen.

Seit Anfang des Jahres geht das so. Jetzt sind die ersten Erdbeeren in Wallau reif und werden an Bauer Pauls Verkaufsständen in Wallau und Hochheim zu 3,90 Euro das Pfund angeboten. „Erdbeeren sind die ersten heimischen Früchte im Jahr. Da lechzen die Leute richtig danach“, sagt Paul. Die Nachfrage nach den aromatischen roten Früchten sei jetzt vor Ostern sehr groß.

Die Sache mit den Sonnentunneln hat sich der Wallauer Landwirt von den Spaniern und Italienern abgeschaut. In Südeuropa werde diese Technik schon seit Jahren im Erdbeeranbau und für Gemüsekulturen verwendet, erzählt er. Hilfreich seien die Folientunnel auch bei Frost. „Dann machen wir alles dicht und decken die Erdbeerpflanzen mit Vlies ab, damit die Blüten nicht erfrieren“, sagt Paul.

Um das Experiment mit den frühen Erdbeeren zum Erfolg zu führen, hat sich Bauer Paul noch einen weiteren Kunstgriff einfallen lassen. Weil im Februar und März noch keine Bienen schwärmen, um die Blüten zu bestäuben, hat er für jeden Sonnentunnel ein Hummelvolk gekauft, das in einer großen Pappschachtel haust und diese Arbeit erledigt. Die Hummeln sind „Gastarbeiter“. Wenn die Erdbeerblüte rum ist, verflüchtigen sie sich einfach.

Die Folientunnel können wandern. Sind die langen Reihen der Clery-Erdbeeren abgeerntet, werden sie an anderer Stelle auf den Paul’schen Feldern aufgebaut. Bis in den Herbst hinein sollen sie im Einsatz sein. Reiner Paul hat vor, die heimische Erdbeersaison deutlich zu verlängern. Die Sorte Sweet Eve könne noch im Oktober geerntet werden, sagt er. Da hat üblicherweise der Kürbis Hochsaison in Wallau.

Zehn Erntehelfer aus Rumänien und Polen sind momentan auf den Erdbeerfeldern im Einsatz; wenn auch die Früchte im Freiland reif sind, werden es bis zu 80 Helfer sein, die jeden Tag Erdbeeren pflücken.

Mehr als ein Drittel seiner Erdbeerernte verkauft Reiner Paul an den Einzelhandel, der Rest wird über Direktvermarktung an Verkaufsständen angeboten. 18 Hektar Erdbeerfelder hat der Wallauer Landwirt insgesamt, 10 bis 15 Tonnen der roten Früchtchen will er pro Hektar in den nächsten Monaten ernten.

Autor:  Andrea Rost
Datum:  21 | 4 | 2011
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