Bekanntlich sind Comics nicht immer ganz einfach zu lesen. Die Lektüre erfordert schließlich einen beweglichen Blick. Das Auge muss hin- und herspringen zwischen Text und Bild. Etwas unentschieden womöglich, denn keineswegs steht fest, womit der Anfang zu machen ist: mit dem Text oder dem Bild. Und keineswegs ist eine Leserichtung vorgegeben, denn ein Bild liest sich, anders als ein Text, nicht unbedingt von links nach rechts. Von der Zumutung, dass sogar unbestimmt bleiben kann, ob ein gezeichneter Strich eher dem Bild oder dem Text zuzuordnen und wie er dann entsprechend zu verstehen ist – davon soll hier gar nicht erst die Rede sein.
Um es kurz zu machen: Comics zu lesen ist ein echter Spaß! Und eine unübertroffene Schule des Sehens, des jugendlichen, da gelenkigen Blicks. Davon wird man sich auf den folgenden Seiten schnell überzeugen können. Die andere gute Nachricht lautet: Selten war die Vorauswahl zum Sondermann-Publikumspreis so gut. Da sie sich aus den Verkaufszahlen im Comicfach- und Buchhandel ergibt, können wir festhalten, dass sich gute Comics offenbar auch gut verkaufen. Wir haben es hier nicht nur mit der einschlägigen – selbstverständlich respektablen – Dutzendware vom Bahnhofskiosk zu tun. Dabei sind nicht unbedingt die Geschichten anspruchsvoller geworden; das waren sie im Comic von Beginn an.
Der Comic bietet alles, was das Herz begehrt
Die Verlagsbranche hat in den letzten Jahren einiges für die Aufwertung der graphischen Literatur getan. Allem voran ist ein neues Selbstbewusstsein zu vernehmen. Dass man nicht länger nur lustige Kinderbücher veröffentlicht, ist ohnehin klar, mögen sich sich hier und dort auch immer noch die allfälligen Erwachsenenressentiments regen. Doch Comics nehmen sich heute politischer Themen an, sie treten als umfangreiche Autobiographie auf oder erscheinen als engagierte Sozialreportage. Und sie werden in Annäherung an die schöne, die belletristische Literatur „Graphic Novel“ genannt. Vor allem letzteres sollte den Weg in den gewöhnlichen Buchhandel und sein zahlungskräftiges Klientel ebnen.
Wir präsentieren den Publikumspreis. Alle dürfen, sollen, müssen abstimmen. Mehr dazu in unserem Spezial Sondermann-Preis.
Eine ganz andere, ebenfalls seit einigen Jahren sich abzeichnende Neuerungen haben uns die neuen Medien eröffnet. Bereits zum zweiten Mal präsentieren wir in einer eigens dafür geschaffenen Kategorie ausschließlich im Internet erschienene Comics. Mit der Einführung des Web-Sondermanns im vergangenen Jahr folgten wir anderen renommierten Comic-Preisen, etwas den „Web Cartoonist’s Choice Awards“ und den „The Webcomics Awards“. Seit 2005 wird der Webcomic auch beim Comic-Oscar, den Eisner Awards, mit einer eigenen Kategorie bedacht. Ob sich das Internet auch für die Verlage als lukrativ erweisen wird, ist allerdings noch nicht absehbar.
Ästhetisch jedenfalls eröffnet der Webcomic durchaus neue Perspektiven. Deshalb sei dem Leser an dieser Stelle empfohlen, unseren Online-Hinweisen nachzugehen. Und wer dann auf dem Geschmack gekommen ist und andere Zeichner kennen lernen will, schaue hier nach: www.webcomic-verzeichnis.de. Es lohnt sich. Viel Spaß beim Lesen!