Schon 1972 erklärte Grobian Gans in seiner launigen Lektüre „Die Ducks. Psychogramm einer Sippe“ das Verschweigen der Eltern nicht nur als „gebrochenes Verhältnis zur eigenen Geschlechtlichkeit“, sondern auch als Mittel zur Rettung der Autorität – als Vater wäre Donald unhaltbar, dem despotischen Onkel aber sind die Neffen ausgeliefert.
In den letzten 30 Jahren sind zahlreiche Geschichten geschrieben und gezeichnet worden, die neue Aufschlüsse über die Familie Duck erlauben – „Die Ducks. Eine Familienchronik“ stellt einige von ihnen zusammen. Wichtigstes Resümee: Vielleicht handelt es sich gar nicht um eine Familie, sondern um mehrere.
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Mag das Personal gleich bleiben, ihre Typologie – das unverdiente Glück von Gustav Gans, das Pech Donalds – ist wichtiger als ihr Charakter. Genauer gesagt, haben sie keinen und können auch keinen entwickeln. So gerne die Donaldisten darüber fachsimpeln, wie sich die kurzen Geschichten zu einem großen Ganzen fügen ließen, der Spaß, so zeigt die Sammlung, liegt gerade nicht darin, dass es eine chronologische Geschichte gibt.
Erst im Episodischen erscheint alles möglich und dieselbe Geschichte immer wieder neu. Anders als bei der Chronik, scheint so die Zeit stehenzubleiben und das Gleiche immer wieder zu kehren. Aber immer unterhaltsam, in den groteskesten Verzerrungen der Physiognomien und durch doppelgängerhafte Nebenfiguren, Vettern wie Dussel Duck, Wastel oder Großmund belebt. Der Band feiert so die wahre Familienähnlichkeit der Comics, die keine Genealogien kennt, sondern nur endlose Vervielfältigungen.
Michael Bregel (Hg.): Die Ducks. Eine Familienchronik, Ehapa Comic Collection, Köln 2010, 400 Seiten, 29,95 Euro.