So auch in „Antityp“, dem letzten Teil von Ralf Königs Bibel-Trilogie. Saulus, seines Zeichens aggressiver Christenverfolger, trifft auf einer Reise Gott, worauf er vom Pferd fällt und geläutert als Paulus aus der Begegnung hervorgeht. So weit die Bibel, die sodann von seiner missionarischen Tätigkeit berichtet und mit vielen Briefen an die mehr oder weniger missionierten Gemeinden aufwarten kann.
Etwas anders Königs Version: Saulus begegnet in der Tat Gott, dieser jedoch zeigt sich, wie auch in den vorherigen Teilen der Trilogie, nicht gerade übermotiviert, was der Schlange Luz eine Gelegenheit zum Eingreifen beschert. Mit geschickten Vorschlägen und tiefenpsychologischen Gesprächen lenkt Luz die Bekehrung des Saulus zum Paulus in die wohlbekannten Bahnen der Schwulenfeindlichkeit und des Frauenhasses – und in Richtung der Aufhebung der jüdischen Gesetze.
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Gerade damit kommt er bei den Jüngern, die er nach seiner Bekehrung aufsucht, nicht allzu gut an. Und so stimmen diese seiner Idee, die Heiden zu lehren, begeistert zu, damit zumindest die Juden Ruhe haben. Paulus zieht los, um eifernd und geifernd gegen Unmoral, Vielgötterei und Philosophie im Allgemeinen und Besonderen zu Felde zu ziehen – ob nun auf dem Schiff nach Athen oder beim dortigen Philosophenkongress, der dann noch Ausflüge in die Welt der Stoiker, Epikureer und Sophisten erlaubt.
Obwohl im Vorwort des Buches ein nicht ganz so gewohnter Ernst mitklingt, wartet es im weiteren Verlauf mit dem gewohnten ironischen Witz und den vertrauten, mit scheinbarer Leichtigkeit gezeichneten Figuren auf. Sehr glaubwürdig zeichnet König seinen Protagonisten in einer Mischung aus Frustration, moralischer Empörung und schlichter Vergrätztheit. Der durchaus gewagte Ansatz, gerade diesen Teil des neuen Testaments als Abschluss der Trilogie zu verwenden, ist gelungen verwirklicht.
Ralf König: Antityp, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2010, 159 Seiten, 16,95 Euro.