Damit erweist sich die Serie um einen Ninja, der zum größten Kämpfer von allen werden will, im zehnten Jahr ihres Erscheinens in Deutschland als unvermindert beliebt – ganz im Gegensatz zu der nur mäßige Quoten erzielenden Anime-Serie.
Seit die Figur Naruto erwachsen geworden ist, tritt die „klassische Entwicklungsgeschichte“, als welche die Serie ursprünglich begonnen worden war, mehr und mehr in den Hintergrund. Auch wenn Naruto nach wie vor seine Fähigkeiten vervollkommnet, während seine Gegenspieler den großen Endkampf vorbereiten: Was „Naruto“ immer deutlicher aus der Masse seiner Konkurrenten heraushebt, ist die Komplexität der Handlungswelt, die Kishimoto um seine Hauptfigur herum hat wachsen lassen.
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Fast alle Nebenfiguren, die in vergangenen Jahren mit oder gegen Naruto gekämpft und überlebt haben, bekleiden inzwischen Ämter oder besetzen Rollen im sozialen Gefüge, das nun durch eine apokalyptische äußere Macht bedroht wird.
Apropos Apokalypse: Im letzten Jahr wurde an dieser Stelle bemängelt, „Naruto“ fehle, um als „Klassiker“ angesprochen werden zu können, ein übergreifendes Thema. Das wurde nun durch die Ereignisse nach dem Erdbeben vom 11. März nunmehr nachgeliefert. „Naruto“ thematisiert in aktuellem, zeitgenössischem Gewand die große, aus US-Superheldencomics hinreichend bekannte Adoleszenzfrage nach dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, nach Anpassung und Verweigerung, nach Konsequenz und Verantwortung. Die existenzielle Dimension dieser Frage, des „Naruto“-Hauptthemas, ist 2011 durch umfassend bedrohliche Ereignisse jenseits von Comic-Universen wieder ein wenig sichtbarer geworden.
Masashi Kishimoto: Naruto 45, Carlsen Manga, Hamburg 2010, 192 Seiten, 5,95 Euro.