„Fantasy“ heißt: Ein Lehrling oder Geselle macht sich auf den Weg, um in der Fremde Werkzeuge, Techniken und Fertigkeiten zu erwerben, die ihm ermöglichen sollen, am Ende eine große Aufgabe zu bestehen. Manchmal ist diese Aufgabe ein zu lösendes Rätsel, manchmal ein Gegner, der besiegt werden muss – und manchmal steht am Ende der Walz die Rettung der Welt an.
Außerdem geht mit der „Meisterprüfung“ im Fantasy-Genre in der Regel der Aufbau eines eigenen Netzwerks einher: Der Geselle findet auf seiner Reise Freunde und Kollegen, Lehrer, Mäzene und Helferfiguren, aber auch Konkurrenten und Widersacher, mit denen er sich messen muss. Für Heranwachsende in einem entindividualisierten Bildungssystem, das in zusammenhangslose Einheiten aufgesplittert und höchst kompetitiv ist, birgt die Fantasy-Welt ein kostbares Versprechen nach sozialer, auf Fähigkeit und Leistung beruhender Geborgenheit.
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All das findet sich auch in „Fairy Tail“, Hiro Mashimas Serie über eine Gilde von Magier-Außenseitern, der Lucy, die Blickführerfigur, unbedingt beitreten möchte. Ob und wie ihr das gelingen wird, ist in Band 4 der Serie längst noch nicht abzusehen. Egal. Denn im Mittelpunkt der Erzählung stehen ohnehin die schier endlosen Verwicklungen und Wortgefechte, die sich aus den charakterlichen Unterschieden der Begleiter Lucys zwangsläufig ergeben.
Mashima selbst folgt als Geselle seinen Lehrmeistern Toriyama und Oda, die mit ihren Serien „Dragon Ball“ und „One Piece“ das Fantasy-Genre als Swashbuckler-Erzählung um eine Gruppe ungleicher Gefährten quasi neu erfunden haben. Mashima schickt sich an, zu den großen Meistern der Manga-Zunft aufzuschließen.
Hiro Mashima: Fairy Tail, Carlsen Manga, Hamburg 2010, 192 Seiten, 5,95 Euro.